search and destroy (william fruet, kanada/usa 1979)

Veröffentlicht: Juli 28, 2009 in Film
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Der Vietnamveteran Kip Moore (Perry King) erfährt von der Ermordung zweier ehemaliger Kameraden. Wenig später gibt sich der Mörder bei einem Angriff auf Kips Kumpel Buddy (Don Stroud), ebenfalls ein Veteran, zu erkennen: Es ist ein Vietnamese, den Kip und seine Männer bei einer Mission begleiten sollten, ihn aber letztendlich dem Feind überlassen mussten, um die eigene Haut zu retten. Der im Stich Gelassene will Rache … 

search_and_destroy_poster_01[1]SEARCH AND DESTROY ist einer der früheren Vertreter des den Vietnamkrieg reflektierenden Actionfilms. Wie der später folgende, aber ungleich populärere FIRST BLOOD lässt er die Ereignisse des Krieges ihre Fortsetzung in der US-amerikanischen Gegenwart finden und stellt so eine Reflexion über die Auswirkungen dieses Konflikts – in psychischer wie physischer Hinsicht – dar. Kip und Buddy sind eindeutige Verlierer des Krieges, sie fristen ein jämmerliches Dasein, verdienen sich ihr spärliches Geld mit miserablen Jobs ohne Perspektive, weil niemand sie haben will. „Meine Zukunftsaussichten sind toll, es ist die Gegenwart, die schlecht aussieht“, sagt Kip und bringt sein Dilemma – voller Hoffnung ohne Hoffnung – auf den Punkt. Was diese beiden Verlierer immer noch aneinander bindet, ist die gemeinsame Erinnerung, die sie mit niemand anderem teilen können: Vietnam ist für sie nämlich der Ort einer körperlichen Grenzerfahrung, die von ihnen längst nicht nur als „schlecht“ empfunden wird. Da ist neben allen Schrecken auch der unvorstellbare Adrenalinschub, den ständige Todesgefahr, uneingeschränkte Eigenverantwortung und die Abwesenheit jeglicher moralischer Schranken auslösten und den sie im langweiligen Alltag vermissen. Kip und Buddy haben Einsicht in die seelischen Abgründe des Menschen – und ihre eigenen – genommen: eine Einsicht, die sich mit der „normalen“ Welt nicht verträgt und die sie vergessen müssen, um gesellschaftsfähig zu bleiben. Doch das gelingt ihnen kaum noch: Als der gemeinsame Kumpel tot aufgefunden wird, brechen sie aus heiterem Himmel und ohne begründeten Verdacht eine Schlägerei beim gemeinsamen Arbeitgeber vom Zaun, um Dampf abzulassen, und fordern ihre Entlassung so geradezu heraus. Der Krieg ist immer noch da. Auch in einem Touristenort wie Niagara, in dessen Ferienidyll, das gegenüber der tristen Realität, in der Kip und Buddy leben, wie Hohn erscheint, plötzlich die Vergangenheit einbricht. SEARCH AND DESTROY ist keineswegs ein außerordentlicher Film: Er ist klein und preiswert, aber dennoch recht sorgfältig produziert, Bilder der Niagarafälle und die Auftritte von George Kennedy sollen wohl über die finanziellen Limitierungen des Films hinwegtäuschen und für „Schauwerte“ sorgen. Dennoch ist er recht stimmungsvoll und trifft zudem in dem wirkungsvollen Kniff, die Veteranen gerade nicht mit dem ehemaligen Feind, sondern mit einem unbeabsichtigten Opfer zu konfrontieren, den Nagel auf den Kopf: Das Absurde des Krieges und die Unvorhersagbarkeit seiner Auswirkungen spiegeln sich in dem Aufeinandertreffen der Freunde, die erst die Zeit zu Feinden gemacht hat, wider.

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