house (steve miner, usa 1986)

Veröffentlicht: August 5, 2009 in Film
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House[1]Der Bestsellerautor Roger Cobb (William Katt) zieht nach dem Selbstmord seiner Tante in deren Haus, mit dem ihn einige unangenehme Erinnerungen verbinden: Einst verschwand dort unter mysteriösen Umständen sein Sohn; ein Ereignis, das in der Folge auch seine Ehe mit der Schauspielerin Sandy Sinclair (Kay Lenz) zerstörte. Nun hofft Roger in der Ruhe des Hauses seine Vietnamkriegserinnerungen für sein neuestes Buch zu verarbeiten, doch dass diese Vergangenheitsbewältigung ganz handfeste Züge annehmen wird, ahnt er noch nicht … 

Das klassische  Haunted-House-Motiv, das auch HOUSE zugrunde liegt, basiert im Kern auf einer einfachen Metapher: Das Haus ist ein Körper, in dem ein ungesunder Geist wohnt. Meist ist es ein verblichener ehemaliger, meist nicht ganz astreiner und auf mysteriöse Weise ums Leben gekommener Bewohner, der im Gemäuer sein Unwesen treibt und dem Haus somit seinen charakterlichen Stempel aufdrückt. Steve Miner verdoppelt und konkretisiert dieses Bild nun, indem er in das Spukhaus einen Mann einziehen lässt, der ebenfalls mit seinen Dämonen zu kämpfen hat. Zunächst scheint es, als würden Roger und das Haus sich lediglich spiegelbildlich gegenüberstehen, als sei der Handlungsstrang um Rogers Buchprojekt und seine Vietnamvergangenheit nur der Subplot zur Spukgeschichte, doch schließlich entpuppen sich die beiden „Heimsuchungen“ als aneinander gekoppelt, stellt sich sein Trauma als internalisierte Version jenes Spuks dar, der auch das Haus heimsucht: Während Roger bemüht ist, seine Vergangenheit in seinem Buch zu verarbeiten, sich von seinen Gewissensbissen zu befreien (er hatte seinen verwundeten Kameraden zurück- und dem Feind überlassen) und sich also selbst zu therapieren, wird er gezwungen, diesen inneren, psychischen Kampf auf physischer Ebene auszutragen. Der Geist, der im Haus umhergeht, ist nämlich niemand anderer als sein alter Armeekumpel, der Rache an Roger nehmen will. So stellt sich die Frage: Welcher Spuk war zuerst da? Der in Rogers Kopf oder der im Haus seiner Tante?

Steve Miner arbeitet diese Heimsuchungsverdopplung schön aus, lässt seinen Protagonisten im Kampf gegen den Spuk wieder in seinen Tarnanzug schlüpfen und auch sonst recht militante Mittel ergreifen: HOUSE ist fantasievoll in seinen Ideen und recht überzeugend in seinen Effekten. Was allerdings verwirren muss, ist sein Tonfall: Trotz des Mitte der Achtzigerjahre noch sehr akuten Problems traumatisierter Veteranen, das zumeist in harschen Actionfilmen oder aber in melancholischen Dramen abgehandelt wurde, mutet Miners Film mit seinen grotesken Monstern, den humorigen Einlagen und seiner beschwingten Stimmung fast wie eine satirische Auseinandersetzung mit diesem Thema an. Wenn Roger in voller Tarnmontur durchs Haus stürmt und schließlich von seinem verwundert dreinblickenden Nachbarn dabei ertappt wird, dann schwingt hier durchaus eine gewisse Häme mit dem Veteranen mit, der „seinen“ Krieg einfach nicht vergessen kann, der an seinem Trauma festhält, anstatt es loszulassen. Vielleicht thematisiert HOUSE aber auch gerade, dass diese Traumata keine Hirngespinste sind, sondern für die Betroffenen ganz konkrete Auswirkungen haben. Eine Szene zu Beginn des Films, die Roger bei einer Autogrammstunde zeigt, bei der er sein neuestes Projekt erwähnt und dafür nur verständnislose bis genervte Blicke erntet, ließe sich in dieser Hinsicht verstehen. So oder so ein gelungener und vor allem ausgesprochen origineller Verteter des Achtzigerjahre-Horrorkinos und ein alter Jugendfavorit. Ich könnte heute zwar ganz gut auf einige der allzu albern geratenen Kreaturen verzichten, dafür hat der Film aber in anderer Hinsicht deutlich an Reiz gewonnen.

Kommentare
  1. […] einem den Film öffnet und somit darüber entscheidet, ob man ihn mag oder nicht. Fußte Miners HOUSE noch in klassischem Grusel und gothic horror, die er geschickt mit neueren und auch genrefremden […]

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