the rookie (clint eastwood, usa 1990)

Veröffentlicht: August 7, 2009 in Film
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therookiedvdDer Cop Nick Pulovsky (Clint Eastwood) hat es auf den Autoschieber Strom (Raul Julia) abgesehen. Beim Versuch, diesen auf frischer Tat zu ertappen, wird Pulovskys Partner erschossen, Strom kann entkommen. Sein Vorgesetzter zieht Pulovsky vom Fall ab und stellt ihm den jungen David Ackerman (Charlie Sheen) als neuen Partner zur Seite. Zunächst gibt es Spannungen zwischen beiden, dann jedoch beginnt David seinen älteren Kollegen in seinem auf eigene Faust geführten Kampf gegen Strom tatkräftig zu unterstützen …

Filmhistorisch betrachtet ist THE ROOKIE der Film, mit dem Regisseur Eastwood die für ihn eher trist verlaufenen Achtzigerjahre abschließt. Für Abgesänge wie DIRTY HARRY war unter Reagan einfach kein Platz und für den amerikanischen Helden war Eastwood schon zu alt. Seine Versuche, in diesem Jahrzehnt Fuß zu fassen – man denke an FIREFOX oder HEARTBREAK RIDGE -, sind heute höchstens als Fußnote seines Schaffens zu betrachten und zeugen von kurzzeitiger Orientierungslosigkeit. THE ROOKIE, an der Schwelle zwischen den Jahrzehnten und unmittelbar vor dem phoenixgleichen Wiederaufstieg mit THE UNFORGIVEN entstanden, ist ein recht typischer Vetreter seiner Zeit: ein Actionfilm, der das Gewalt- und Stuntfeuerwerk immer wieder mit humorigen Einlagen auflockert, sich das große Entertainment auf die Fahnen geschrieben hat und darin unzweifelhaft von Richard Donners LETHAL WEAPON oder McTiernans DIE HARD beeinflusst ist. THE ROOKIE – u. a. gescriptet vom Raimi-Weggefährten Scott Spiegel – ist durchaus unterhaltsam, aber mit zwei Stunden Laufzeit viel zu lang und – ganz im Gegensatz zu Eastwoods gelungeneren Filmen – reichlich unfokussiert. Stellt er mit seinem Titel den „Anfänger“ David Ackerman in den Mittelpunkt, so braucht der Film mehr als eine Stunde, um der Figur endlich den Platz zuzuweisen, der ihr nominell zukommt. Doch dann naht auch schon wieder das Finale und THE ROOKIE verliert sich erneut in vielfach bemühten Schemata, wird nur hier und da von einigen exzentrischen Einfällen (ich denke da an die Vergewaltigung Pulovskys durch Stroms henchwoman Liesl (Sonia Braga)) und gut abgehangenen Sprüchen aufgepeppt.

Hier und da zeichnet sich THE ROOKIE dann aber doch mit durchaus genauen Beobachtungen aus: Der Rookie David ist auch jenseits seines Berufslebens noch ein solcher, schleppt seit seiner Kindheit ein unerlöstes Trauma mit sich herum (er war am Tod seines Bruders mitverantwortlich) und zerreibt sich immer noch in einem Kampf mit seinem reichen Vater, der seinen Sohn lieber in einem „anständigen“ Beruf gesehen hätte. Dieser schwelende Konflikt hindert ihn zunächst daran, seine Job gut auszuführen, weshalb er Pulovsky braucht, um nicht unterzugehen. Anstatt jedoch nun die Versöhnung anzustreben und so letztlich einen Teil in sich abzutöten (die in Hollywood vorherrschende Vorstellung psychologischer Konfliktbeältigung, die schon Adorno ins Visier nahm), seinen Zorn zu verleugnen, akzeptiert David seinen inneren Konflikt als Teil seiner selbst. Er deutet seine Trauer, seine Schuldgefühle und seinen Zorn – Züge, die er vorher stets als Schwächen empfunden hatte – positiv um, damit er sie für sich nutzen kann. Das ist eine Eigenschaft, die typisch für den Actionhelden ist: Er darf das Chaos in sich, seine eigene Zerrissenheit, nicht besiegen, abtöten oder betäuben, er muss es annehmen und entfesseln, um zu voller Stärke gelangen und das Chaos um sich herum bewältigen zu können. Das ist es was Colonel Trautman meint, wenn er John Rambo in RAMBO III fragt: „When do you come full circle?“ – „Wann akzeptierst du, wer du bist?“ Ackerman wird also ironischerweise nicht in dem Moment zum guten Cop, in dem er seinen Frieden gemacht hat, sondern in dem Moment, in dem er selbst „zum Krieg wird“.

Kommentare
  1. […] mit seiner „full circle“-Frage an Rambo richtet (siehe auch meine Texte zu RAMBO und THE ROOKIE), findet in UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION Widerhall in den Worten des Wissenschaftlers, der […]

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