t-force (richard pepin, usa 1994)

Veröffentlicht: August 11, 2009 in Film
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MPW-35930[1]Die USA in einer nicht allzu fernen Zukunft: Als die hoch entwickelten Cybernauten der „Terminal Force“ beim Versuch, Geiseln aus der Hand von gefährlichen Terroristen befreien, ein Blutbad anrichten, erhält deren geistiger Vater den Befehl, sie endgültig abzuschalten. Weil die hoch entwickelten Roboter jedoch auf Selbsterhaltung programmiert wurden, setzen sie sich zur Wehr und erklären dem System, das sie nun als „korrupt“ ansehen, den Krieg. Der Cop Jack (Jack Scalia) versucht, die amoklaufenden Maschinen gemeinsam mit dem abtrünnigen Cybernauten Caine (Bobby Johnston) unschädlich zu machen …

T-Force. Terminal Force. Die beendende Kraft. Die Kraft, die Widersprüche beseitigt. Die Kraft, die Fragen in Aussagen verwandelt. Die Kraft, die Potenzen in Fakten verwandelt. Wann immer der Mensch vor unlösbaren Problemen steht, sehnt er sich nach einer Maschine, die sie lösen kann; die Antworten weiß, wo er nur Fragen kennt. Die Cybernauten aus T-FORCE haben nicht nur die Rechenkapazität, um zu deduzieren, logische Schlüsse zu ziehen und Entscheidungen zu treffen, sie verfügen auch über die physische Kraft, die abgeleiteten Lösungsmöglichkeiten in die Tat umzusetzen: Realität zu schaffen. Das Problem: Realität ist unumkehrbar. Das Dilemma: Nicht jede reale Problemsituation gleicht einem Versuchsaufbau. Der Grund: “ There are gray areas.“ Der menschliche Glaube an die Ausrechenbarkeit von Gefahrensituationen und die Errechenbarkeit von entsprechenden Problemlösungen ist ein Aberglaube, der den Cybernauten der T-Force zum Verhängnis wird. Und der systembedingte „Aberglaube“ der Cybernauten besteht darin, anzunehmen, dass sich auch die reale Welt in Zustände des „An“ und „Aus“, des „Entweder Oder“ fassen ließe. Dass dieselbe Autorität, die ihnen die Direktive der Selbsterhaltung einprogrammierte, sie nun abschalten will und damit den Verstoß gegen die eigene Direktive fordert, löst den „Kurzschluss“ aus, das System sei korrupt. Die T-Force braucht Eineindeutigkeit, sie kann mit dem Widerspruch nicht leben. Also muss sie ihn zerstören.

Der Traum, der hinter dem Cyborg steht, ist derselbe, den der Actionheld per se verkörpert: Er handelt impulsiv und schafft Realität – eine neue, bessere. Das implizit Maschinelle des Actionhelden – sein „gestählter“ Körper – wird im Cyborgfilm zum explizit Maschinellen und damit zum eigentlichen Problem. Der Cyborg kann nicht außerhalb seiner maschinellen Verfasstheit denken, weil er nur Maschine ist. Wo der Actionheld noch aus oft genug im Widerstreit liegenden Geist und Körper besteht, ist der Cyborg eins. Er kennt keine moralischen Schranken, nur seine Programmierung. Im dystopisch angehauchten Cyborg-Subgenre wird dieses Positive nun ins Negative gewendet. Man könnte sagen, der Cyborgfilm sei die Selbstkritik des Actionfilms. Wenn in T-FORCE der Dialog zwischen Mensch und Maschine in Form der Freundschaft zwischen dem Roboterhasser Jack und dem Cybernauten Caine angeregt wird, dann werden Geist und Körper wieder vereint. Die Frage ist nur, wer welche Rolle übernimmt: Der Cop Jack jedenfalls rettet von seinem nahezu unzerstörbaren Maschinenfreund ausgerechnet dessen Gehirn, das ihm in Zukunft Gesellschaft beim Kartenspielen leisten soll.

Ich möchte hier nebenbei eine Lanze für die Filme der Produktionsgesellschaft PM Entertainment von Richard Pepin und Joseph Merhi brechen, die in den Neunzigerjahren fast ganz allein dafür gesorgt hat, dass das Actiongenre nicht untergeht. Während die großen Studios ihre Millionen in familientaugliche Eventfilme pumpten, drehten PM reihenweise Filme für den Videomarkt. Den damals angesagten, billigen Kickboxfilmen setzten sie aufwändig produzierte Actioner entgegen, die sich meist durch fette Explosionen, haarsträubende Stunts und halsbrecherische Verfolgungsjagden auszeichneten. T-FORCE ist einer ihrer wunderbaren Filme, die zudem einen unverwechselbaren Stil aufweisen – charakteristisch sind neben Darstellern wie Jack Scalia und Evan Lurie vor allem die klinisch-steril wirkenden Glasbauten, Bürohäuser und Industrielandschaften, in denen die Filme spielen und die ihre Atmosphäre entscheidend bestimmen – und in ihrer dramaturgischen Verkürzung und Überspitzung schlichtweg avantgardistisch sind (die Filme scheinen allesamt in einem Paralleluniversum zu spielen, das sich aus filmischen und popkulturellen Klischees speist). Man kann überall lesen wie dumm und billig sie sind. Doch dieses Urteil ist letztlich auch nur einer roboterhaft einseitigen Wahrnehmung der Welt geschuldet.

Kommentare
  1. […] der Produktionsgesellschaft PM – benannt nach Richard Pepin und Joseph Merhi – habe ich hier schon einmal geschrieben. In den Neunzigerjahren hielten sie fast ganz allein die Fahne eines […]

  2. […] gewiss nicht unmoralisch handeln können: Wenn sie „Böses“ tun (wie die Cyborgs in T-FORCE etwa), dann liegt das letztlich in einem (menschlichen) Programmierungsfehler begründet und nicht […]

  3. […] weiteren Kommentaren per E-Mail senden. Informiere mich über neue Beiträge per E-Mail. « t-force (richard pepin, usa 1994) project shadowchaser ll (john eyres, usa 1994) […]

  4. […] sowie ein paar nur wenig überzeugende visuelle Effekte. Gegenüber Filmen wie RIOT, RAGE oder T-FORCE kommt CYBER TRACKER aber auch in dieser Hinsicht nicht über unteren Durchschnitt hinaus, was nicht […]

  5. Chrisch sagt:

    Kannst du mir vielleicht ein paar weitere Tipps aus der PM Schmieden nennen?

    Den hier von dir besprochenen Last Man Standing kenne ich auch. Dann noch Night Of The Terror mit Daniels.

    Welche gehören noch zu der Spitze der Schmiede? Vielen Dank schonmal

    Beste Grüße

  6. Oliver sagt:

    Hi Chrisch,

    viele Filme habe ich vor etlichen Jahren gesehen und deshalb nicht mehr so präsent. Richtig geil fand ich damals RAGE mit Gary Daniels (deutscher Titel SPEED RAGE). FIREPOWER ist auch sehr nett. Und Hasko Baumann, ebenfalls PM-Verfechter, schwört auf DARK BREED.

  7. Chrisch sagt:

    Danke für die Tipps! Speziell Dark Breed klingt interessant!

    Beste Grüße (ich hoffe übrigens auf eine neue Seagal-Review in nächster Zeit ;D )

  8. Christian Schulze sagt:

    Den Film kenne ich noch nicht. Kann mich aber in der Tat noch erinnern, dass ich die PM-Filme regelmäßig sehr unterhaltsam fand. Leider schon lange keinen mehr gesehen.

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