project shadowchaser ll (john eyres, usa 1994)

Veröffentlicht: August 12, 2009 in Film
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Der Cyborg Romulus (Frank Zagarino) dringt mit einem Trupp Terroristen in ein Atomkraftwerk und Atomwaffenlager ein und droht mit einem Anschlag auf Washington. Frank Meade (Bryan Genesse), ein Angestellter, nimmt den Kampf auf …

e_cover[1]Herkömmliche Rezensionen dieses Films monieren stets wie billig er sei, wie schlecht gespielt, gescriptet und inszeniert, wie dumm und überhaupt. Das kann und darf man durchaus so sehen, nur muss das Instrumentarium traditioneller Filmkritik an den unverkennbaren Meriten dieses merkwürdigen kleinen Direct-to-Video-Actionknallers, zwangsläufig abprallen: seinem ans Parabelhaft-Symbolische grenzenden radikalen erzählerischen Reduktionismus, seiner düster-bedrohlichen Stimmung und seiner beachtlichen Hässlichkeit. Wie der Vorgänger lehnt sich auch das Sequel an DIE HARD an: Es ist Weihnachten, der heruntergekommene Held Frank betont mehrfach, dass er am „falschen Ort“ sei, es gibt einen Anschlag auf  ein Flugzeug wie in Harlins DIE HARD 2 und zu den Schlusscredits ertönt ein Weihnachtslied. Weil PROJECT SHADOWCHASER II aber – eenfalls wie der Vorgänger – auch im Horrorgenre wildert, verwundert es nicht, dass auch SILENCE OF THE LAMBS eindeutige Referenz erwiesen wird. Action, Science Fiction, Horror: Dass diese Mischung funktioniert, liegt in der Figur des Androiden Romulus begründet, der jedes ausschmückenden Backgrounds beraubt wird und wie der Fleischklotz gewordene diabolus ex machina durch den Film walzt. Wieso lebt er nach den Ereignissen von Teil 1 wieder? Warum strebt er erneut nach der Weltherrschaft? Wie hat er seine Leute rekrutiert? Und wer ist er überhaupt? Keine dieser Fragen wird beantwortet. Stattdessen wird Romulus, der in den Credits nur „Android“ genannt wird (analog etwa zu Michael Myers in Carpenters HALLOWEEN, der nur als „The Shape“ firmiert), zur Projektionsfläche für diffuse politische Ängste stilisiert. Schon der Beginn gibt die Richtung vor: Die Kamera verfolgt in Vogelperspektive eine Luxuslimousine auf ihrer Fahrt über nächtliche Freeways, aus dem Off vernehmen wir eine Stimme, die über die Pläne des US-Präsidenten spricht, im Sinne des Weltfriedens neue Atomwaffentechnologie zu zerstören. Eine Idee, die von den Militärs, die in der Limousine sitzen und von denen man nicht mehr zu Gesicht bekommt als ihre Silhouetten, kritisiert wird, weil man damit ihrer Meinung nach den machtpolitischen Bestrebungen Chinas und Nordkoreas in die Karten spiele. Dieser Dialog spielt im weiteren Verlauf des Filmes keine Rolle mehr, ordnet ihn aber in einen politischen Diskurs ein, der das vordergründig vielleicht als albern abgetane Geschehen erheblich dramatisiert. Romulus kommt in dieser Dystopie die Funktion zu, da Böse schlechthin zu verkörpern; ein durchaus bemerkenswerter Zug, wenn man bedenkt, dass Maschinen vielleicht amoralisch, aber gewiss nicht unmoralisch handeln können: Wenn sie „Böses“ tun (wie die Cyborgs in T-FORCE etwa), dann liegt das letztlich in einem (menschlichen) Programmierungsfehler begründet und nicht in einem Trieb der Maschinen zum Bösen. Bei Romulus ist das anders: Wem die merkwürdig unmotivierten Wandlungen vom regungslosen Roboter zur sadistisch schreienden Mordmaschine, die ihre Opfer mit großer Genugtuung durch die stählernen Eingeweide des Industriekomplexes jagt, nicht den entscheidenden Hinweis gegeben haben, den belehren diverse Protagonisten gegen Ende per Dialog. Diese Maschine ist tatsächlich wahnsinnig. Der Film – ein ungehobeltes und unbedarftes Monster – lässt sich von diesem Wahnsinn infizieren und hat seine stärksten Momente immer dann, wenn er seinen spontanen Eingebungen folgt, ohne sich um Logik und Kohärenz zu scheren: Wir sehen den Muskelprotz Romulus aus der Untersicht, wie er schreiend ins Rund der Angestellten ballert, die eben noch Weihnachten feierten, hinter ihm eine Spiegelwand, die seine ebenfalls schießenden Schergen zeigt. Einschüsse platzen blutig, Menschen sinken von Kugeln durchsiebt in Zeitlupe tot zu Boden, ein Inferno, ein Albtraum. Und nach getaner Arbeit setzt Romulus und ein rotes Partyhütchen auf und wünscht diabolisch grinsend „Frohe Weihnachten!“. Armageddon, here we come.

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