non c’è due senza quattro (enzo barboni, italien 1984)

Veröffentlicht: August 19, 2009 in Film
Schlagwörter:, , , , , , ,

4d005cd4-2e6e-49d0-910d-d27052e688d7[1]Der vorletzte Spencer/Hill-Film der klassischen Phase, VIER FÄUSTE GEGEN RIO, wie er bei uns heißt, wird gemeinhin als schwächeres Spätwerk abgetan, was völliger Unfug ist. Zwar muss man einräumen, dass der Film in der zweiten Hälfte arg an Tempo verliert und die finale Keilerei in puncto Witz und Kreativität nicht an vergangene Glanzleistungen des Duos anknüpfen kann (kein Wunder nach 15 gemeinsamen Jahren und fast ebenso vielen gemeinsamen Filmen), aber wen interessiert denn das ernsthaft, wenn doch die erste Hälfte des Films vor großartigen Dialogzeilen und absurden Einfällen schier überquillt? Neben den zahlreichen zitierwürdigen Sätzen, die Brandt den beiden in den Mund gelegt hat, muss vor allem die Idee, den längst etablierten infantil-asozialen Hill- und Spencer-Charakteren eine vornehme Doppelgänger-Variante gegenüberzustellen, als großartig bezeichnet werden. Durch diese Konstellationen eröffnen sich neue Perspektiven sowohl auf die Filmcharaktere wie auch auf die hinter diesen stehenden Schauspieler, die ja über die Dauer ihrer gemeinsamen Arbeit immer weniger von ihren Rollen zu trennen waren. So muten Hill und Spencer (damit meine ich ihre jeweiligen Filmpersonae) durch die Kontrastierung mit ihren gebildeten und kultivierten Doubles noch deutlich asozialer an als in vergangenen Filmen. Ihre schon fast pathologische Unfähigkeit, sich in die Gesellschaft einzugliedern, wird noch betont durch die Anwesenheit der Doubles, die eben suggeriert, dass die beiden auch anders könnten, wenn sie nur wollten. Und dies unterstreicht wiederum ihre Autonomie: Hill und Spencer werden zu anarchischen Kräften stilisiert, die völlig abseits jeder gesellschaftlichen Norm stehen und denen gerade durch dieses Außenseitertum eine enorm zersetzende und heilende Kraft zukommt. Was für die beiden als Duo gilt, lässt sich aber auch auf jeden einzelnen anwenden, das jedenfalls sticht bei der Betrachtung des versnobten Doppelgängerpaares ins Auge: Während die Rolle des Wortführers üblicherweise dem eloquenteren Hill zukommt, übernimmt dort nun Spencer diese Funktion, während Hill zum tuntig-ängstlich säuselnden Drückeberger verkommt. Die Künstlichkeit der Spencer- und Hill-Charaktere tritt durch diese Akzentverschiebung deutlich hervor: Spencer ist mehr als der tumbe Fettsack, Hill mitunter weniger als der smarte Pfiffikus, auf den er sonst abonniert war. Insofern bot der Film den beiden Darstellern gegen Ende ihrer Erfolgszeit noch einmal die Möglichkeit, aus dem über die Jahre zum Fluch gewordenen Korsett auszubrechen. Ein Versuch, den man vielleicht früher hätte wagen müssen: So bleibt unseren Helden am Ende von VIER FÄUSTE GEGEN RIO  nur übrig, in ihr altes Leben zurückzukehren – mit einer stattlichen Belohnung zwar, aber auch der Gewissheit, dass diese nichts an ihnen ändern werden wird, weil sie resistent gegen jede Art von Weiterentwicklung, gegen gesellschaftliche Vereinnahmung sind -, während ihre Doppelgänger das Erlebte zum Anlass nehmen, ihr Leben um einige bislang ausgeklammerte Fassetten zu bereichern. Wir werden das nicht mehr mitbekommen, aber vielleicht beginnt der Zyklus hier dennoch noch einmal von vorn.

Advertisements
Kommentare
  1. Billy Bob sagt:

    sehr gute Besprechung!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s