friday the 13th (marcus nispel, usa 2009)

Veröffentlicht: August 26, 2009 in Film
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friday13th_2009Statt der überflüssigen Inhaltsangabe ein Geständnis: Ich bin seit meiner frühen Teenagerjahre eingefleischter Jasonist. Mein Herz war verloren, als mir ein Schulfreund auf dem Schulhof zum ersten Mal von diesem merkwürdigen Film erzählte, indem es um nichts anderes zu gehen schien, als um das möglichst kreative Töten (auch das grafisch wie spielerisch minderbemittelte C64-Spiel konnte meiner Faszination nichts anhaben). Später sah ich dann beim neugierigen Blättern in den Ausgaben der Fangoria im örtlichen Comicladen zum ersten Mal Fotos aus diesen „skandalösen“ Filmen (damals erschien gerade der siebte oder achte Teil der Serie) und diese Bilder ließen die Filme vor meinem geistigen Auge endgültig ins Unermessliche wachsen: Jason Voorhees war für mich der Inbegriff des unerbittlichen, unaufhaltsamen und vollkommen indifferenten Horrors. Ein Phantom, das vom Töten lebt und gar keine Motivation mehr dafür braucht; eine brachiale Urgewalt ohne jede menschliche Regung. Dass die Filme diesem Bild nur unzureichend nahekamen, war mir egal: Parallel zu den Bildern lief immer mein persönlicher Film mit und verwandelte das mit wachsender Sequelzahl zunehmend alberne Geschehen in eine finstere Moritat über Tod und Gewalt. Doch so sehr ich die FRIDAY THE 13TH-Reihe auch liebte, da war immer auch ein bisschen das Gefühl, dass man das, was ich als Jugendlicher in Jason gesehen hatte (und immer noch sehe), auch nach 20 Jahren und zehn Sequels nicht adäquat auf die Leinwand gebracht hatte.

Was uns nun zu Nispels Remake bringt, das eigentlich kein Remake ist, sondern eher eine Zusammenfassung der ersten drei Teile der Reihe. Nispel hatte mit seinem für Michael Bays Produktionsfirma Platinum Dunes gedrehten TEXAS CHAINSAW-Remake zwar einen durchaus respektablen Film vorgelegt, musste sich aber doch den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Erneuerungen dem Original wenig hatten hinzufügen noch auch nur plausibel machen können, warum man überhaupt ein Remake dieses visionären Films brauchte. Bei FRIDAY THE 13TH stellt sich dieses Problem in dieser Form gar nicht: Das Original ist eher deshalb ein Klassiker, weil es „zur rechten Zeit am rechten Ort“ erschien und weniger, weil es filmische Maßstäbe setzte. Im Grunde genommen sind alle Filme der Reihe für sich genommen recht biederes Mittelmaß, dem man entweder etwas abzugewinnen vermag oder aber nicht. Von einem Remake erwartet man insofern höchstens kosmetische Verbesserungen und keine erzählerischen Quantensprünge, im Gegenteil: Die pornografische Nummernstruktur des Slashers etwa ist unverzichtbarer Standard. Wollte man daran etwas ändern, wäre es geradezu idiotisch, sich überhaupt an einem Slasherremake zu versuchen. Ein Remake geht also dementsprechend mit einer viel geringeren Bürde ins Rennen.

Dies alles spielt dem Film in die Karten: Nispel hat einfach nur den düstersten und brutalsten FRIDAY-Film der Reihe gedreht (der, das liegt wohl in der Natur der Sache, natürlich genauso gut auch als Teil 12 hätte durchgehen können). Der Humor, der die Sequels spätestens ab Teil 5 immer mehr im Griff hatte, ist hier endlich vollkommen abwesend und Nispel konzentriert sich ganz darauf, seine Hauptfigur ins rechte Licht zu rücken. Hier komme ich dann auch wieder zum Anfang meines Textes zurück: Für mich war dieses Remake geradezu eine Offenbarung, eine Verfilmung aller meiner Vorstellungen. Jason walzt unerbittlich durch den Film, die absurden Auswüchse des Creative-Killing-Wahns werden zugunsten kurzer, brutaler und glaubwürdiger Gewaltattacken vermieden, zudem versieht Nispel das Geschehen mit einer greifbar bedrohlichen Atmosphäre, die der Reihe sonst nahezu vollkommen abgeht. Man mag durchaus zu Recht bemängeln, dass auch dieses Remake letztlich nur ein Slasherfilm ist und dem Original nicht nur gar nichts hinzuzufügen weiß, sondern dies auch gar nicht erst versucht. Aber wie ich schon sagte: Ich habe diesen Film ganz aus der Fanboy-Perspektive gesehen und mich einfach nur darüber gefreut, dass mit Nispel jemand am Werk war, der mit FRIDAY THE 13TH keine künstlerischen Ambitionen verfolgen, sondern einfach nur den besten Teil der Serie drehen wollte. Das ist ihm gelungen. Hut ab!

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