carriers (álex pastor, david pastor, usa 2009)

Veröffentlicht: August 27, 2009 in Film
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Das Bruderpärchen Danny (Lou Taylor Pucci) und Brian (Chris Pine) sowie dessen Freundin Bobby (Piper Perabo) und Kate (Emily VanCamp) sind Überlebende einer tödlichen und hochinfektiösen Grippeepidemie, die den Großteil der amerikanischen Bevölkerung dahingerafft hat. Gemeinsam versuchen sie zur Küste zu gelangen …

3740_xxlDer Seuchenfilm gehört zu den lebhaftesten Subgenres des Horrorfilms der letzten Jahre, der sich meist als verlängerter Arm des Zombiefilms der Siebzigerjahre präsentierte. In Filmen wie Danny Boyles 28 DAYS LATER sahen sich die menschlichen Protagonisten nicht nur einer gefährlichen Krankheit gegenüber, sondern vor allem den Trägern dieser Krankheit: amoklaufenden, blutgierigen Monstren in Menschengestalt. Dieser „neue“ Seuchenfilm zeichnet sich vor allem durch eine übergriffige Inszenierung aus – hektische Schnitte, Digivideo-Optik und Splattereffekte – und betont damit die Körperlichkeit des Subgenres: Jeden kann es treffen und die Folgen sind unappetitlich und tödlich. Aber nicht der unaufhaltsame Tod ist es, der im schon genannten 28 DAYS LATER den Schrecken auslöst, sondern vor allem die Furcht vor dem Verlust der menschlichen Identität und die damit einhergehende Vertierung.

In CARRIERS ist das anders. Die Infizierten verwandeln sich nicht in Monster, sie behalten ihre Menschlichkeit, müssen aber strikt isoliert werden, damit sie für die wenigen von der Grippe verschonten nicht zur Gefahr werden. Will man überleben, muss man – wie die Protagonisten – einem strengen Regelkodex folgen: 1. Halte stets einen Sicherheitsabstand zu den Infizierten. 2.Desinfiziere alle Gegenstände, die ein Infizierter in den letzten 24 Stunden angefasst hat. 3. Habe kein Mitleid mit den Infizierten, denn sie sind schon tot. Doch so sehr sich die Protagonisten auch an diese Regeln halten, sie sind nicht vor menschlichem Fehlverhalten gefeit. Die Isolation des Einzelnen und die damit verbundene emotionale Verarmung erhöht den Druck auf die Überlebenden so sehr, dass sich bald schon die Frage stellt, ob dieser Preis dieses freiwilligen Verzichts nicht zu hoch ist für ein Leben, dass jeder zwischenmenschlichen Wärme beraubt ist. CARRIERS zeigt – und er steht damit m. E. allein auf weiter Flur des Seuchenfilms – den Menschen, der die Sinnhaftigkeit seines Überlebenstriebes hinterfragen muss. Wie es ein Doktor an einer Stelle des Filmes sagt: Die Entscheidung für das Leben ist manchmal auch eine Entscheidung für einen längeren, schmerzhafteren Tod. Aber der Mensch hängt nunmal an seinem Leben.

Die Pastor-Brüder haben mit CARRIERS einen sehr eindringlichen Film geschaffen, der ohne flashige Optik, ohne heftige Gewaltausbrüche, ohne hippe Authentifizierungsstrategien auskommt, seine Fragestellung vielmehr in ruhigen Bildern und einem stetigen Erzählfluss entwickelt, der der Struktur des Roadmovies folgt. Seine grausamsten Szenen sind nicht Bilder entstellter Leichen oder sterbender Menschen, es sind jene Momente, in denen der Mensch gnadenlos auf sich allein zurückgeworfen wird; die Momente, in denen die Gruppe zum Wohle der Allgemeinheit eine Entscheidung gegen den Einzelnen treffen muss, der sich doch gerade im Angesicht des Todes nur nach Mitmenschlichkeit sehnt. Ein bewegender Film, der niemals – wie das bei vielen Vertretern des Subgenres leider der Fall ist – in blanken Zynismus und Nihilismus umschlägt.

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