the children (tom shankland, großbritannien 2009)

Veröffentlicht: August 28, 2009 in Film
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thechildren_posterWeihnachten, die Zeit der Liebe. Zwei Familien – die Ehefrauen miteinander verschwistert – feiern gemeinsam in einem luxuriösen Landhaus. Die besinnliche Stimmung wird aber schon bald durch die vier Kleinkinder gestört, die erst noch normal störrisch und quengelig, dann irgendwann aber handgreiflich werden. Die Situation eskaliert schließlich, als einer der beiden Ehemänner mit aufgeplatztem Schädel im Schnee verendet. Teenie-Mädel Casey (Hannah Tointon) ahnt, das irgendetwas mit den Blagen nicht stimmt, aber als Schwarzes Schaf der Familie hat sie einen schlechten Stand …

Tom Shankland hatte vor zwei Jahren mit WAZ einen der Überraschungshits auf dem Fantasy Filmfest gelandet. Zumindest für mich hat THE CHILDREN das Zeug dazu, diesen Erfolg zu wiederholen. Die bekannte Geschichte um die mörderischen Kinder (man denke an VILLAGE OF THE DAMNED, QUIÈN PUEDE MATAR A UN NINO, DEVIL TIMES FIVE oder die zahlreichen Besessenheitsfilme mit kulleräugigen Satansbraten) wird durch Shanklands Inszenierung, die alle Möglichkeiten, die Bild, Ton und Schnitt bieten, ausreizt, zum enervierenden Nägelkauer. Dass er die Ursache des infantilen Blutrauschs offen lässt und mehrere in unterschiedliche Richtungen weisende Hinweise gibt, macht den Film auch in der Nachbetrachung noch spannend: Handelt es sich um eine Virusinfektion oder doch nur die Rache für die elterliche (Fehl-)Erziehung?

Die Kinder, durch das parallelisierende Baum- und Waldmotiv als unergründliche Natur apostrophiert, bleiben für die Eltern trotz aller vorgeschützen Liebesbekundungen und Ambitionen stets unbekannte Wesen. Von Verständnis geprägte Dialoge zwischen den beiden Parteien gibt es überhaupt gar nicht, die Eltern wenden sich an ihre Kinder entweder mit Befehlen, Mahnungen oder Anweisungen, und von denen ist wiederum nur markerschütterndes Geschrei zu hören. Die Versuche, das Verhalten der Kinder mit „Sternchen“ zu entlohnen, sind Ausdruck der Hilflosigkeit der Eltern und Symbol für den langen Arm der Leistungsgesellschaft, der schon bis ins Kinderzimmer reicht.

Shankland hält den Druck konstant hoch, verzerrt selbst Szenen des ganz normalen Familienwahnsinns zur Horrorvision. Für einen werdenden Vater wirft THE CHILDREN eine ganze Reihe unangenehmer Fragen auf, die jedoch niemals beantwortet werden. So muss der Charakter der Casey – als Teenagerin zwischen den Parteien stehend – als zentrales Mysterium betrachtet werden. Ist sie wirklich die Unschuldige in dem ganzen Treiben oder haben die Kinder sie doch schon frühzeitig unter ihre Kontrolle gebracht? Die Antwort darf sich jeder Betrachter selbst geben. Ich freue mich schon unbändig auf die DVD. Klasse!

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Kommentare
  1. rrho sagt:

    Vielleicht liegt es daran, daß ich Vater bin, aber ich empfand die Kommunikation zwischen den Generationen als gar nicht so einseitig – wobei klar ist, daß es der Film darauf anlegt, diesen Eindruck durch die Inszenierung zu erwecken. (Es gibt allerdings leider wirklich Tage, an denen man seinen Kindern nur Anweisungen und Verbote verkündet… es sind nicht die schönsten, beileibe nicht.)

    Die britische DVD ist jedenfalls bereits günstig im Import zu haben.

    • Oliver sagt:

      Hallo rrho,

      danke für deinen Kommentar und vor allem für deinen DVD-Tipp! Ich bin selbst werdender Vater und bin schon sehr gespannt auf kommende Aufgaben. Ich hoffe, ich werde sie so gut erfüllen, dass meine Kinder mir nicht den Schädel einschlagen müssen. 🙂

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