wasting away (matthew kohnen, usa 2007)

Veröffentlicht: September 1, 2009 in Film
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Wasting Away movie Zombies are People tooLiebe Nerds und „Gorehounds“,

gemeinsam haben wir den neuesten Zombiefilm auf dem Fantasy Filmfest gesehen, eine Zombiekomödie, die sich damit rühmt, aus der Sicht der Zombies erzählt zu sein und zu zeigen, dass diese ja „auch nur Menschen“ sind.

Ich fand WASTING AWAY – ich muss es so deutlich sagen – abgrundtief beschissen. Das kommt vor. Was mich aber nicht nur wundert, sondern geradezu entsetzt, ist die Tatsache, dass ihr diesen Haufen amateurhaften Mülls, der seine eh schon nicht so tolle Prämisse auf einen einzigen lauen Witz reduziert, den er mit seinen kärglichen Mitteln auf 90 idiotische, langweilige und nervtötende Minuten auswalzt, überall, wo ihr eure Duftmarken zu setzen pflegt, mit „grandios“, „zum Schreien komisch“, originell“ und „genial“ und anderen abgedroschenen Superlativen tituliert, die euer Wörterbuch so hergibt.

Mal ehrlich: Wer anno 2009 noch einen Film wie WASTING AWAY braucht, um zu verstehen, dass Zombies eine menschliche Seite haben, der sollte nie, nie wieder seine Romero-DVDs in den Player werfen dürfen. In DAY OF THE DEAD gab es den Zombie Bub als Sympathiefigur, in LAND OF THE DEAD war dann kaum noch zu übersehen, dass die Zombies die besseren Menschen sind. Es ist bezeichnend für die Blindheit und Idiotie Kohnens, dass er es wagt, in einem besonders abgegriffenen „In-Joke“ (so nennt man diese dämlichen One-Liner wohl, in denen einfach irgendein Filmtitel erwähnt wird, worauf ihr dann wie auf Kommando in lautes Lachen verfallt, das sagt: „Hört her, ich habe den Witz verstanden!“) über genau jenen LAND OF THE DEAD herzuziehen. „The movie kind of blew“. Ja, mit so viel Überzeugungskraft drückt man als Nerd seine Meinung aus. Kind of.

Am meisten entsetzt mich nicht eure filmische Ahnungslosigkeit (die sich nicht nur auf Filmgeschichte, sondern auch auf die Technik bezieht), sondern euer Talent, immer die mieseste Grütze abzufeiern: Da wird ein erstklassiger, witziger und origineller B-Film wie INFESTATION aufgrund seiner „schlechten Effekte“ verrissen und WASTING AWAY, der aussieht, als habe man ihn in zwei Tagen auf dem Parkplatz hinterm Burger King mit dessen Belegschaft eingekurbelt, frenetisch abgefeiert. Seid ihr noch ganz bei Trost? Euer Vergnügungswahn, mit dem ihr Filme auf Gore, Sprüche und Gags reduziert, ist ja bekannt, aber mit der Reaktion in Köln (es haben nur stehende Ovationen gefehlt) habt ihr nun engültig bewiesen, dass man euch auch einen Kübel Exkremente vor die Füße kippen könnte, um als neuer Heiland des Zombiefilms gefeiert zu werden.

Ach ja, einen guten Gag gab es tatsächlich in WASTING AWAY: Als einer der Charaktere sagt, dass „idiots don’t know they’re stupid“, habt natürlich auch ihr alle laut gelacht. Aber wenn nur einem von euch dabei ein klitzekleines Lichtchen aufgegangen ist, dann hat sich der Film doch gelohnt.

In diesem Sinne.

Kommentare
  1. tschill sagt:

    Passend dazu wurde der exquisite The House of the Devil vom FFF-Publikum runtergemacht. Man muß wohl mittlerweile Gorefilme als die „Schlagerparade der Volksmusik“ im Horrorsektor ansehen. Da geht es nur noch um das gemeinschaftliche Schunkeln.
    Ich kann mich auch des Gefühls nicht erwehren, daß eine wechselseitige Anpassung von Produzenten und Rezipienten erfolgt. Da scheint sich in den letzten Jahrzehnten eine metastabile Symbiose aus Dumpfheit und Cash Cowing gebildet zu haben.

  2. Oliver sagt:

    Ja, das Niveau reguliert sich stetig nach unten. Ich muss mich angesichts des Schwachfugs, der einem heute so als „Kultfilm“ unter die Nase gerieben wird, immer wieder daran erinnern, dass es ja auch Filme wie RE-ANIMATOR, BAD TASTE oder BRAINDEAD gibt, die toll sind und Beweis, dass diese Armut nicht genreinhärent ist. Aber dass jemand, der diese Filme liebt, einem WASTING AWAY etwas abgewinnen kann, ihn gar auf Augenhöhe sieht, will mir einfach nicht in den Kopf. Ich glaube, dass diese Splatterkomödien gar nicht mehr wirklich gesehen werden, sondern lediglich einen Schlüsselreiz auslösen. Das eigene Empfinden ist vom Film fast vollkommen abgekoppelt.

    Witzig, dass du den Volksmusik-Vergleich bringst. Ich habe vor ein paar Monaten – ich glaube anlässlich der FFNights – etwas ganz ähnliches geschrieben. Passend zu dem Vergleich ist ja auch das bei beiden Gruppen so beliebte Klatschen, das völlig zum Selbstzweck verkommen ist. Man muss halt wenigstens einmal klatschen, damit das Vergnügen perfekt war, auch wenn es der Film nicht hergibt.

  3. tschill sagt:

    Nach meiner Beobachtung ist das Klatschen alleine nicht ausreichend. Wichtig ist das gemeinschaftliche Klatschen. Auch bei den Neonazis ist das Klatschen von Ausländern sehr beliebt. Diskutieren Sie Zusammenhänge und Unterschiede in Kleingruppen!

  4. uwe sagt:

    ohhh cool die Szene – Polizei und diesmal sogar zu dritt

  5. ohtartart sagt:

    Habe gerade erst entdeckt, dass es Wasting Away überhaupt gibt und der Plot hörte sich eigentlich ganz interessant an.An dem Film scheiden sich wohl die Geister, ansehen will ich ihn mir auf jeden Fall. (Vielleicht war das wirklich Nervige an dem Film ja einfach nur das kollektive Klatschen…)
    Übrigens: Ich war bisher noch nie beim FFF, aber warum Infestation – wirklich ganz große Unterhaltung meiner Meinung nach – allerdings von einem Genrepublikum wegen „schlechter Effekte“ runtergeputzt wird versteh ich nicht. Zumal die Effekte nicht wirklich im Vordergrund standen und in dem Kontext völlig ausreichend waren. Naja will mich an der Stelle nicht weiter darüber auslassen.

  6. tschill sagt:

    Werter Herr Uwe, wer hat Ihnen denn geflüstert, daß gerade Sie der Szenepolizei angehören dürften? Oder können Sie einfach nur nicht bis drei zählen?

    Ohtartart, eben, darauf ist Infestation gar nicht ausgelegt. Wobei bei mir (und, wenn ich mich recht entsinne, auch bei Oliver) damit offene Türen eingerannt werden.

  7. funkhundd sagt:

    @ INFESTATION: Genau tschill, du erinnerst dich richtig.

    Was Uwe genau meinte, habe ich auch nicht verstanden. Bin aber auch davon ausgegangen, dass er nicht zählen kann und auch nicht weiß, was der Begriff „Szenepolizei“ bedeutet. Einer „Szene“ über die ich dann mit Argusaugen wachen würde, fühle ich mich jedenfalls gottseidank nicht zugehörig.

  8. funkhundd sagt:

    … falls ich mich hinsichtlich UWes Intention irre, bitte ich natürlich um Verzeihung. 🙂

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