bronson (nicolas winding refn, großbritannien 2009)

Veröffentlicht: September 7, 2009 in Film
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tn_bronsonNicolas Winding Refns neuer Film BRONSON begibt sich durchaus auf gefährliches Terrain: In den Händen eines weniger intelligenten Filmemachers wäre die auf realen Begebenheit beruhende Geschichte von Michael Peterson (Tom Hardy), genannt „Bronson“, seines Zeichens der berüchtigtste Häftling Großbritanniens, wahrscheinlich zur ärgerlichen Glorifizierung eines Outlaws geworden. Doch mit dem unübersehbaren Vorbild A CLOCKWORK ORANGE hat Refn sich den richtigen Fixtern ausgewählt, an dem er sich auf dem Abstieg in Bronsons Welt orientieren kann, um nicht vom Weg abzukommen. BRONSON lässt seine Hauptfigur seine eigene Geschichte erzählen und den Zuschauer ganz eng teilhaben an dessen krimineller Laufbahn, macht ihn so gleichsam zum Mitwisser, ohne jedoch jemals Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass dieser Erzähler mit a grain of salt zu genießen ist.

Bronson stilisiert sich im gleichen Maße zum Kunstwerk wie das Refn mit seinem Protagonisten tut, der als Clown geschminkt von einer Bühne aus die Einleitungen zu den unterschiedlichen Abschnitten des Films spricht, und seine Gewaltausbrüche als Performances inszeniert: Am Ende malt er sich ganz schwarz an, sodass er aussieht wie eine Statue, als sich wieder einmal die Gefängniswärter auf ihn stürzen. Wie auch Kubrick in seinem genannten Film überhöht Refn das Geschehen ins Opernhafte, fokussiert auf eine Person, die ein Fremdkörper in unserer Gesellschaft bleiben muss, die nicht unmoralisch, sondern vielmehr amoralisch ist. Bronson ist ein Asozialer, aber durchaus ein liebenswerter, der lediglich austeilt, was er selbst auch wieder einsteckt und der ganz genau weiß, dass er in der Welt außerhalb der Gefängnismauern nichts verloren hat.

Refn ist ein sehr sehenswerter, aber nicht ganz einfacher Film gelungen: Hervorstechend ist neben Hauptdarsteller Tom Hardy, der hier wohl die Rolle seines noch jungen Lebens spielt, vor allem der tolle Soundtrack, auf dem sowohl klassische Stücke als auch die Popmusik der Achtzigerjahre effektvoll eingesetzt wird: Fantastisch etwa die Szene, in der „It’s a sin“ von den Pet Shop Boys erklingt. BRONSON war für mich der wohl besten Film des diesjährigen Fantasy Filmfests und einer der wenigen, bei denen ich das Bedürfnis hatte, ihn gleich noch einmal zu sehen.

Kommentare
  1. […] Nicholas Winding Refn, Tom Hardy Zweitsichtung. Zu meinem letztes Jahr geschriebenen Text habe ich nur wenig hinzuzufügen, würde meine damals schon getroffene Diagnose, derzufolge […]

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