the house of the devil (ti west, usa 2009)

Veröffentlicht: September 10, 2009 in Film
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HouseOfTheDevil_postera[1]Samantha (Jocelin Donahue) tritt bei dem merkwürdigen Ehepaar Ulman (Tom Noonan & Mary Woronov) eine Stelle als Babysitter an, doch statt eines Babys soll sie die kranke Mutter von Mr. Ulman hüten. Die Bezahlung stimmt und so stellt sich Samantha auf einen langweiligen Abend in dem dunklen Haus weit draußen vor der Stadt ein. Doch dann hört sie ein merkwürdiges Poltern …

Am letzten Tag des Festivals ist es dann doch passiert: Mit THE HOUSE OF THE DEVIL lief dieser eine Film, nach dem man das Kino vollkommen euphorisiert und begeistert verlässt, auf den man die ganze Woche gewartet und gehofft hat und dessen Kraft allein geeignet ist, das gesamte Festival nachträglich größer und besser erscheinen zu lassen, als es vielleicht objektiv gewesen ist. Bevor wir uns missverstehen: THE HOUSE OF THE DEVIL war nicht der beste Film – diese Ehre würde ich BRONSON zuteil werden lassen -, wohl aber der, der am unmittelbarsten gewirkt hat. Ti West ist das Kunststück gelungen einen Retro-Horrorfilm zu drehen, der nicht wie nerdige Heldenverehrung und also doch nur wie nachgemacht anmutet, sondern tatsächlich the real deal ist.  West orientiert sich in Look, Inszenierung und Thema an den grobkörnigen, ultradoomslowen US-Schockern der Siebzigerjahre und liefert also einen Film ab, der seine Spannung über die gesamte Laufzeit gleichmäßig kriechend aufbaut und wirklich erst zum Finale entlädt. Dabei legt er eine Kunstfertigkeit an den Tag, die ihn hier durchaus als neue Regiegröße des Horrrofilms etabliert: Er hat weder billige und abgegriffene Schocks nötig (es gibt noch nicht einmal die eigentlich obligatorische Katze im Wandschrank), noch unpassend wirkende Effekte, noch blöden auflockernden Humor, noch übertriebenen Kunstbluteinsatz. Ti West reichen der kluge Einsatz des unheimlichen Settings, die Leistung der Hauptdarstellerin, der schöne Score und eine suggestive Kameraarbeit, um mich über 90 Minuten Laufzeit, in denen eigentlich nichts passiert, meine Umwelt vollkommen vergessen zu lassen. Ich weiß nicht, wann mir das zum letzten Mal passiert ist.

Aber Vorsicht: THE HOUSE OF THE DEVIL ist ein acquired taste: Im Kino konnte man spüren, wie die Unruhe und Ungeduld des Publikums minütlich anwuchsen, und wer seinen Horrorfilm laut, grell, blutig und in your face braucht, der wird Wests Werk vermutlich als stinklangweilig empfinden. Ich bin hingegen froh, mir das Talent, einen Film, der völlig am heutigen Publikum und dessen Sehgewohnheiten vorbeiinszeniert ist, genießen zu können, bewahrt zu haben. Für mich ist THE HOUSE OF THE DEVIL der Horrorfilm, auf den das Genre seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten gewartet hat. Einen Film, der sich wie dieser unaufhaltsam von hinten an einen heranschleicht, hat es wohl tatsächlich seit den Siebzigerjahren nicht mehr gegeben. Was aber eine noch viel größere Leistung ist: dass Ti West ein Genre, das eigentlich seit dem Splatter-Endpunkt BRAINDEAD vollkommen brachliegt und wirklich neue Impulse schmerzlich vermissen lässt, ausgerechnet mit einem auf alt getrimmten Oldschool-Schocker wiederbelebt und an sein einstmals verstörendes Potenzial erinnert.

Kommentare
  1. tschill sagt:

    Ja! Ja!! JA!!!
    Das Schöne war bei mir auch, daß es der letzte Film auf dem Fright Fest war. Quasi auch auf der Metaebene eine schleichende Steigerung des Festivals mit Spannungsentladung am Ende.

  2. hellripper sagt:

    Wie gesagt …

    … toll inszeniert aber es passiert wirklich nichts :p

    • Oliver sagt:

      Kann bzw. sollte man das so trennen? Handlung vs. Inszenierung? Ich finde, dass in HOTD ne ganze Menge passiert.

      • hellripper sagt:

        Naaajaaa … die Idee mit dem Babysitter is ganz cool, bezgl. mit der Mutter etc. !

        Das hätte man viel gruseliger ausbauen können aber ist Geschmackssache.
        Schlecht war der Film jetzt nicht aber etwas trocken für mein Empfinden.

        Ist halt mehr auf Style getrimmt ^^

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