the return of the living dead (dan o’bannon, usa 1984)

Veröffentlicht: Oktober 5, 2009 in Film
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return-of-the-living-dead-movie-poster-small1[1]Die erste Sichtung dieses Zombiefilmklassikers der zweiten Generation nach vielen, vielen Jahren brachte vor allem die Erkenntnis, dass sich die Filmgeschichtsschreibung der letzten zwei Jahrzehnte vor allem durch ein schlechtes Gedächtnis auszeichnet. Da wird immer wieder auf einen Paradigmenwechsel des modernen Zombiefilms verwiesen – weg von den schlurfenden, geistig minderbemittelten Trantüten hin zu rasenden, hinterhältigen Raubtieren -, der sich Post-9/11 mit Boyles 28 DAYS LATER oder Snyders gleichnamigem DAWN OF THE DEAD-Remake vollzogen habe, und dabei O’Bannons fulminanter kleiner Film vollkommen vergessen, der nicht nur jene Eigenschaften, sondern auch das erst kurze Zeit später florierende Subgenre des Funsplatters vorwegnimmt. Die Zombies aus THE RETURN OF THE LIVING DEAD rennen, sie entwickeln eine Strategie, wie sie sich die Schar der Protagonisten und Opfer einverleiben können, und sie sprechen sogar: „Brains!“ entfährt es ihnen wie im Chor, damit den Heißhunger auf eben jenes Organ zum Audruck bringend, das ihren (vampiresken) Weltschmerz als einziges zu lindern vermag. Aber darin erschöpft sich ihre Sprachfertigkeit und Gerissenheit noch nicht: Als zwei von den Protagonisten herbeigerufene Sanitäter den Zombies zum Opfer gefallen sind, benutzt einer von diesen das Funkgerät um Verstärkung bzw. Nachschlag zu ordern: „Send … more … Paramedics!“

THE RETURN OF THE LIVING DEAD ist ein Glücksfall, der in dieser Form nur während eines äußerst kurzen Moments zu Beginn der Achtzigerjahre möglich war: Er ist blutig, ohne jedoch monothematisch die unstillbare Lust der selbsternannten Gorehounds zu befriedigen, er ist lustig, ohne allzu albern zu werden, er ist parodistisch, ohne jedoch nur noch als „Film zweiter Ordnung“ wahrgenommen werden zu können und seine Wurzeln im Horrorfilm völlig zu kappen. Man vergleiche nur O’Bannons Film mit dem Sequel von Ken Wiederhorn, um festzustellen, was hier alles hätte schiefgehen können, aber auf wundersame Weise so wunderbar funktioniert hat. THE RETURN OF THE LIVING DEAD ist unter anderem deshalb so überzeugend, weil er seine budgetären Limitierungen als Chance interpretiert: Schon die Pre-Credit-Sequenz, in der die folgende Zombieapokalypse kammerspielartig eingeleitet wird, ist herausragend in ihrer räumlichen wie personellen Beschränkung auf ein Setting und zwei Charaktere, verleiht dem Film damit den Hauch von Alltäglichkeit, der auch den Reiz der EC-Horrorcomics oder der darauf basierenden TALES FROM THE CRYPT-Episoden ausmachte (eine der Nebenfiguren liest zu Beginn passenderweise eine Ausgabe der Comicserie „Weird Tales“) und der darin besteht, das Groteske und das Alltägliche miteinander lustvoll kollidieren zu lassen. Auch im weiteren Verlauf des Films hält O’Bannon an diesem Konzept fest, nutzt den Raum seiner drei Settings (Lagerhalle, Krematorium, Friedhof) für ein mit den Mitteln des Pop aufgebrezeltes Re-Imagining von Romeros unverwüstlichem NIGHT OF THE LIVING DEAD, der dann auch während der erwähnten Exposition verbal hofiert wird. Die zentrale Belagerungssituation wird immer wieder durch kleine Ausflüge nach draußen aufgebrochen, die angespannte Stimmung durch gezielte Gags aufgelockert, die immer gerade so weit gehen, dass sie den Rahmen nicht völlig sprengen. Die Striptease-auf-dem-Grabstein-Szene der ehemaligen Scream Queen Linnea Quigley kann man außerdem schon fast als ikonisch bezeichnen und das Ende dann nichts weniger als erschütternd, was eine reife Leistung für einen Film ist, der sich eigentlich nie wirklich Ernst nimmt. Überhaupt ist der Einfluss dieses Films kaum zu überschätzen und man muss es ihm und O’Bannon (der unter anderem als Drehbuchautor von ALIEN fungierte) hoch anrechnen, dass er auch nach fast 30 Jahren und einer unüberschaubaren Zahl größtenteils minderbemittelter Nachahmer nichts von seinem Reiz verloren hat. mehr noch: Ich finde, dass seine Klasse erst heute richtig zum Vorschein kommt.

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Kommentare
  1. Alex sagt:

    Den Soundtrack hat mein Bruder noch auf Vinyl…der ist wirklich prächtig, genau wie der Film. (Notiz an mich: Auch mal anderer Meinung sein, um der schlimmen Schleimerei meiner Kommentare Einhalt zu gebieten. :D)

  2. Oliver sagt:

    Och, ich finde das ganz OK so. Außerdem kannst du den Schwarzen Peter ja auch an mich und meine konsensfähigen Meinungen weitergeben. 😉

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