the monster squad (fred dekker, usa 1987)

Veröffentlicht: November 19, 2009 in Film
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Kleine Jungs stehen auf Monster – und große eigentlich auch. Aber diese Begeisterung ist ein merkwürdiges Phänomen, schließlich soll man ja Angst vor diesen Kreaturen haben. Und zwischen diesen beiden Polen – Furcht und Begeisterung – finden sich auch die zwölfjährigen Protagonisten von Fred Dekkers herrlichem THE MONSTER SQUAD wieder, als sie plötzlich auf ihre Idole aus dem Kino treffen.

THE MONSTER SQUAD geht auf eine kurzlebige US-Serie aus dem Jahr 1976 zurück, die im Kinderprogramm lief und Dracula, Frankensteins Monster sowie den Wolfsmensch zu einer Spezialeinheit im Kampf gegen das Verbrechen verband. Dieses hübsch infantile Konzept stellt Dekker für seinen Film ziemlich auf den Kopf: Die Monster, zu denen sich noch die Mumie und der Kiemenmensch aus Jack Arnolds CREATURE FROM THE BLACK LAGOON gesellen, wollen unter der Führung des Vampirfürsten Dracula die Menschheit unterjochen, doch sie haben die Rechnung ohne die Mitglieder des „Monster Clubs“ gemacht – Jungs, die sich den lieben langen Tag Monster ausdenken und in ihrem Club-Baumhaus mit entsprechenden Quizfragen löchern. Da diese die einzigen sind, die sich mit Monstern wirklich auskennen und überhaupt an deren Existenz glauben, formieren sie sich zur „Monster Squad“, um dem infernalischen Treiben Einhalt zu gebieten. Dekker findet mit dieser Abwandlung des albernen Serienkonzeptes genau den richtigen Dreh: Wenn Monster im Namen der guten Sache kämpfen, haben sie ihre „credibility“ im Grunde genommen verspielt. Die Faszination mit diesen Kreaturen ist ja unmittelbar daran geknüpft, dass sie böse sind. So können Dracula und Co. in THE MONSTER SQUAD ganz ihren ursprünglichen Trieben nachgehen, ohne dass der Film seinen Huldigungscharakter verlieren würde.

Im Grunde erschöpft sich Dekkers Film darin, kindlicher Monsterbegeisterung ein narratives Konzept zu verleihen. Der Film erreicht eben so die 80-Minuten-Marke und erzählt über die oben umrissene Plotline hinaus kaum etwas. Aber das ist eigentlich nur folgerichtig, schließlich reicht seinen kindlichen Protagonisten ja auch die bloße Gestalt ihrer Faves, um sich stundenlang mit ihnen zu befassen: Das Monster ist bereits seine eigene Geschichte und je weniger davon enttarnt wird, umso besser. THE MONSTER SQUAD lässt deshalb viel Raum zur eigenen Ausschmückung: Seine Kreaturen sind genauso lang im Bild, dass ihr Mythos nicht zerstört, nicht alle ihre Geheimnisse gelüftet werden. Auch die Skizzenhaftigkeit des Plots trägt dazu bei: Was vielleicht unfertig oder nachlässig wirkt, mag im Gegenteil Zeichen größter Behutsamkeit sein.  

Als Kinderfilm ist THE MONSTER SQUAD zumindest aus deutscher Sicht aber dennoch auch etwas merkwürdig: Hier und da wird er plötzlich und unvermittelt recht drastisch, wenn das bunte Treiben dann doch Todesopfer fordert. Und eine Anspielung auf das Dritte Reich und den Holocaust scheint zumindest konzeptionell fehl am Platze, obwohl sie natürlich daran erinnert, welche gesellschaftliche Funktion Monster haben: Sie verbildlichen etwas, wofür uns die Worte fehlen. Letzten Endes trägt aber genau diese Vielschichtigkeit zum Gelingen dieses Films bei, der unverkennbar „Achtziger“ ist und für mich ganz persönlich damit mit genau dem Maß an Nostalgie aufgeladen ist, dass ein Film über die magischen Jahre der Kindheit braucht.

Kommentare
  1. […] NIGHT OF THE CREEPS im Grunde auch nicht mehr zu sagen gibt als über die eben von mir besprochenen THE MONSTER SQUAD und CRITTERS. Das ist aber – so viel sollte klar geworden sein – keineswegs negativ zu […]

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