drag me to hell (sam raimi, usa 2009)

Veröffentlicht: November 30, 2009 in Film
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Die Bankangestellte Christine Brown (Alison Lohman) ist einfach zu weich für ihren Job, wie ihr ihr Chef immer wieder weismachen will. Weil Christine sich und dem Chef das Gegenteil beweisen will, bleibt sie hart, als ein armes altes Mütterchen bei ihr um einen neuen Kredit bettelt, weil sie sonst auf der Straße sitzt. Ein folgenschwerer Fehler, denn das alte Mütterchen ist eine Hexe, die Christine mit einem teuflischen Fluch belegt. Die Visionen und Attacken der nächsten Tage sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das Schicksal, das Christine bevorsteht: Gelingt es ihr nämlich nicht, sich innerhalb von drei Tagen von dem Fluch zu befreien, wird sie für alle Ewigkeit in der Hölle schmoren …

Zwischen all den Remakes alter Horrorklassiker und den nicht minder langweiligen Aufgüssen bewährter Erfolgsrezepte mutet Sam Raimis Rückkehr zu seinen inszenatorischen Wurzeln richtig frisch an. Mit dem Okkult-Sujet hat er sich ein im zeitgenössischen Horrorfilm geradezu stiefmütterlich behandeltes Thema ausgesucht (sieht man mal von diversen Teufelsfilmen ab), das demzufolge unverbraucht daherkommt und von Raimis Modernisierungsversuchen weiter profitiert. DRAG ME TO HELL dürfte wohl vor allem von Tourneurs NIGHT OF THE DEMON inspiriert worden sein, dessen Atmosphäre einer stetig präsenten, unabwendbaren Bedrohung Raimi sehr geschickt wiederbelebt. Raimi – mit seinem EVIL DEAD entscheidender Mitinitiator eines Wandels hin zu einem grafischeren Horrorfilm – belässt es nicht bei diffusen Andeutungen und vagen Hinweisen, sein Fluch plagt sein Opfer mit allen Mitteln moderner Effektkunst und erhält so eine echte Schlagseite Richtung Körperkino. Diese Kombination aus somatisch wirkenden Schocks, breit ausgespielten Schreckensszenarios und dem Kniff einer an einen Countdown erinnernden Spannungsdramaturgie hat zumindest mir beim Sehen ziemlich zugesetzt. Zumal auch die Bedrohung durch die Hölle, die für einen aufgeklärten Zuschauer nur schwer nachvollziehbar ist und ältere Filme dieses Themas heute eher gemütlich-naiv erscheinen lässt, in DRAG ME TO HELL ein unmittelbar wirkendes und reichlich furchteinflößendes Gesicht erhält. Obwohl Raimi als sehr humorvoller Regisseur bekannt ist und selbst ein EVIL DEAD nach fast 30 Jahren kaum anders als als Slapstick zu betrachten ist, mutet DRAG ME TO HELL doch ziemlich böse an. Es gibt nicht viel, an das man sich als Zuschauer klammern darf. Sein bitteres Ende steht dem Film insofern zwar gut zu Gesicht, nimmt ihm leider aber auch einiges von seiner Singularität, weil sie ihn klar als „Kind seiner Zeit“ markiert. Das ist ein bisschen schade, weil DRAG ME TO HELL sonst so sympathisch neben der Spur liegt, ohne dabei jedoch  ostentativ „crazy“, „abgefahren“ und „anders“ sein zu müssen. Man merkt ihm einfach an, dass sein Regisseur nicht bloß Genrefan, sondern ein -kenner und -liebhaber ist. Wohl auch deshalb gelingt es ihm wie derzeit keinem anderen, die hohen Weihen des Hollywood-Bombasts und die symptahischen Unzulänglichkeiten des Exploitationfilms ohne Reibungsverlust in Einklang zu bringen. DRAG ME TO HELL ist das beste aus beiden Welten.

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