Archiv für Dezember, 2009

tremors 2: aftershocks(s. s. wilson, usa 1996)

Veröffentlicht: Dezember 31, 2009 in Film
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Seit den Ereignissen des ersten Teils sind ein paar Jahre vergangen. Entgegen seiner Hoffnungen hat Earl Bassett (Fred Ward) aus seiner Entdeckung und Bezwingung der so genannten Graboiden nicht das große Geld schlagen können, vielmehr wurde er wieder einmal übers Ohr gehauen und steht fast mittellos auf seiner Straußenfarm. Doch als ein verzweifelter Vertreter einer mexikanischen Ölbohrfirma bei ihm vor der Tür steht und davon berichtet, dass mehrere Arbeiter in Mexiko den Würmern zum Opfer gefallen ist, willigt Earl nach guter Zurede des vorlauten Grady (Christopher Gartin) ein, erneut auf Würmerjagd zu gehen. Alles läuft glatt, doch dann durchlaufen die Würmer eine merkwürdige Metamorphose …

Trotz der Abwesenheit von Kevin Bacon – der war nach TREMORS in die oberen Hollywood-Etagen vorgedrungen und sich für einen zweiten Würmerfilm wohl zu schade – gelingt unter der Regie des Graboiden-Erfinders S. S. Wilson das Kunststück, die locker-flockige Erfolgsmischung aus Spannung und Humor fast ohne Verlust zu wiederholen. Das Pendel schlägt diesmal etwas stärker Richtung Humor aus, was aber kaum negativ ins Gewicht fällt, weil die Figuren glaubwürdig bleiben und Wilson jede Menge Ideen aufbietet, die dafür sorgen, dass TREMORS 2 nicht bloß zum lauen Aufguss der ersten Teils verkommt. Die Effekte kommen diesmal zum Teil aus dem Rechner, sind aber ausnahmslos gut gelungen und fügen sich ins krude Gesamtbild ein. Klar, alles ist eine Nummer kleiner, man vermisst etwas die epischen Bilder, weitschweifenden Kamerafahrten und -schwenks und Gartin ist kein Ersatz für Bacon. Aber das fällt alles nicht wirklich negativ ins Gewicht, zumal auch Michael Gross seine Rückkehr als Burt Gummer feiert. Wie beim ersten Teil gilt hier also: Feine Unterhaltung.

tremors (ron underwood, usa 1990)

Veröffentlicht: Dezember 31, 2009 in Film
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Der deutsche Titel IM LAND DER RAKETENWÜRMER ist kaum weniger kurios als es dieser Film sowieso schon ist: Von Gale Ann Hurd aufwändig produziert, kam dieser Monsterfilm zu einer Zeit heraus, als er zumindest auf dem Papier seltsam dated erscheinen musste. 1990 wurde der Horrorfilm noch von den letzten nicht in die ewigen Jagdgründen geschickten Slashern beherrscht, mit TERMINATOR: JUDGMENT DAY stand ein großes, den Hollwood-Film in (fast) jeder Hinsicht veränderndes Ereignis kurz bevor, und wen das nicht vollkommen in seinen Bann schlug, der schmachtete vielleicht Richard Gere an, wie er Julia Roberts in PRETTY WOMAN umgarnte. Für einen Film um gefräßige Riesenwürmer schien da eigentlich nur wenig Platz. Doch weit gefehlt. TREMORS entwickelte sich zu einem achtbaren Erfolg, der auch 20 Jahre später nichts von seinem Charme und Witz verloren hat und – man glaubt es kaum – durchaus als kleiner Klassiker des Fantastischen Films gelten darf. (Die Promo-Kampagne, die seinerzeit in der „Fangoria“ scharf kritisiert wurde – die Produktionsfirma weigerte sich, Fotos der Titelmonster vorab zu veröffentlichen – erwies sich im Nachinein und entgegen der Prophezeiungen der schimpfenden Fanscharen also als goldrichtig.)

Ron Underwood gelingt es in TREMORS ganz ausgezeichnet, die schwierige Balance zwischen Humor und Spannung zu halten, wobei ihn nicht zuletzt die hervorragend aufgelegten und gut harmonierenden Schauspieler tatkräftig unterstützen. Fred Ward und Kevin Bacon sind spitze als kleine Loser, die in ihrem Wüstenkaff vom großen Wurf träumen, aber über schlecht bezahlte Aushilfsarbeiten nicht hinauskommen: Schon die nächste Kleinstadt erweist sich für sie als unerreichbar. Michael Gross ist als Waffennarr und Kalter-Kriegs-Paranoiker Burt ebenfalls Gold wert und dazu gesellen sich Nebendarsteller wie Victor Wong, die dem Film eine Klasse verleihen, die für sein Sujet eher untypisch ist. Den letzten Kick erhält der Film von der großartigen Fotografie, der die unsichtbare unteriridische Bedrohung gut einfängt und dem zudem das Kunststück gelingt, die klaustrophobische Potenz der Wüstenlandschaft ins Bild zu setzen.

Ich will gar nicht viele Worte verlieren, weil man TREMORS einfach sehen muss: Seine Leistung lässt sich nur schwer in Worte übersetzen. Ich schaue mir diesen feinen Film alle paar Jahre in der Erwartung an, dass er jetzt eigentlich entzaubert sein müsste und werde jedesmal vom Gegenteil überrascht: Der wird tatsächlich immer besser. Toller Film!

Nach dem ersten, von Cory Yuen inszenierten TRANSPORTER-Teil, der – wenig überraschend – an die im Hongkong-Kino übliche Genrereduktion anknüpfte, und der Zwischenmahlzeit namens TRANSPORTER: THE MISSION, die dem ersten Teil nichts Wesentliches hinzufügen konnte (und wollte), öffnet Olivier Megaton mit seinem furiosen dritten Teil ein ganz neues Kapitel, vollführt gegenüber den Vorgängern einen kaum für möglich gehaltenen qualitativen Quantensprung und legt einen der besten Filme des vergangenen Jahres vor.

TRANSPORTER 3 teilt mit den ersten beiden Teilen den Ideenreichtum, das Gespür für Timing und den visuellen Witz, untermauert diese aber mit einem geradezu poetischen Fundament, das den Zirkelschluss von selbstreflexiver Ironie und Uneigentlichkeit hin zum neuen Ernst erst ermöglicht – und so einen Ausweg aus der Postmoderne-Sackgasse aufzeigt. Natürlich aktiviert Jason Stathams Frank Martin sofort Assoziationen zu James Bond oder Steve McQueens wortkargen Badass-Cops, doch beginnt sich die Figurauch dank Stathmas famosem, flexiblem Spiel zusehends von diesen Vorbildern zu emanzipieren. Der größte erzählerische Clou – neben den selbstverständlich furios choreografierten und inszenierten Actionsequenzen, deren komplexe Rhythmen man fast schon als „tanzbar“ bezeichnen möchte, sowie der herrlich ikonischen Fotografie – ist sicherlich die Aneignung des Transporter-Kodex durch den Feind: Frank Martin agiert nach einem strengen Regelsystem, von dem er niemals abweicht. Erst dieses System schweißt ihn mit seinem Werkzeug – dem Auto – zu der perfekt funktionierenden Einheit zusammen, die ihm seinen Lebensunterhalt einbringt. In TRANSPORTER 3 wird Martin von seinem Feind nun ganz wortwörtlich mit seinem geliebten Vehikel vereint: Ein an seinem Handgelenk befestigter Zünder verbietet ihm, sich von seinem Auto mehr als zehn Meter zu entfernen. Das bietet nicht nur Anlass für fesselnde Verfolgungsjagden – Martin muss seinen gestohlenen Wagen mit einem BMX-Rad durch Straßenverkehr, Fabrikhallen und Hinterhöfe verfolgen, um die Entfernung nicht zu groß werden zu lassen und so zu sterben –, sondern leitet auch einen Reifeprozess, ein Umdenken in ihm ein: Als sein freiwillig aufgestellter Kodex für ihn plötzlich zum Zwang wird, muss er sich von ihm lösen und neu erfinden.

Diese Neuerfindung des Actionkinos peilt auch Megaton mit seinem Film an. Den Erfolg zu verkünden, wäre angesichts des lockeren Tons von TRANSPORTER 3 vielleicht noch übertrieben, festzustellen bleibt aber, dass viele vermeintlich visionäre zeitgenössischen Filme gegen das Feuerwerk, dass hier abgebrannt wird, reichlich alt aussehen. (Die Spitze gegen AVATAR verkneife ich mir jetzt nur, weil ich ihn noch nicht gesehen habe.)

kurze pause

Veröffentlicht: Dezember 24, 2009 in Uncategorized

Zwar stapeln sich die zu schreibenden Filmtexte, aber vor dem anstehenden weihnachtlichen Fressgelage wird hier nix mehr passieren. „Zwischen den Jahren“, wie es so schön heißt, werden hier Texte zu finden sein über:

TRANSPORTER 3, TREMORS 1 – 4, THE TAKING OF PELHAM ONE TWO THREE (1974), NORTH BY NORTHWEST und LESS THAN ZERO.

Bis dahin ein frohes Fest wünscht

Oliver

fanboys und it-nerds

Veröffentlicht: Dezember 21, 2009 in Film, Zum Lesen
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Für F.LM habe ich den im Januar erscheinenden FANBOYS im Doppelpack mit den drei Staffeln der großartigen Sitcom THE IT CROWD rezensiert. Der ausführliche Text findet sich hier.

wo wir gerade dabei sind …

Veröffentlicht: Dezember 18, 2009 in Zum Lesen

Während meiner Minirecherche zum G.I. JOE-Text bin ich auf diesen schönen Blogeintrag gestoßen, der vielleicht einen guten Einstieg zur Auseinandersetzung/Wertschätzung/Ablehnung mit/von Armond White bietet. Eine Huldigung in Form einer Liste. Schon der Titel ist toll:

White Power: Ten Armond White Quotes That Shook My World.

NACHTRAG: Wer wissen will, was man White entgegen- bzw. vorhalten kann, der findet hier das Gegenstück zum obigen Artikel: Ein tolles Blog, das es sich zum Ziel gemacht hat, Whites Fehler und Unzulänglichkeiten analytisch aufzudecken. Leider ist es nicht mehr aktiv.

Armond Dangerous: Parsing the Confounding Film Criticism of Mr. White

Mein Ruf steht auf dem Spiel, weil ich dabei bin, G.I. JOE: RISE OF THE COBRA abzufeiern, die Verfilmung einer Achtzigerjahre-Trickfilmserie, die ihrerseits wiederum auf einer seit den Sechzigerjahren existierenden martialischen Spielzeugreihe basiert, für die man in Deutschlands politisch korrekten Spielwarenläden wohl nur wenig Verständnis aufbringen würde. Einen Film von Stephen Sommers, der einst mit DEEP RISING einen herrlich albernen Monsterfilm vorlegte, diesen Kredit aber mit dem wahrhaft abscheulichen VAN HELSING längst wieder verspielt hat. Eines Regisseurs also, dessen Namen man vor allem mit überbordenden seelenlosen CGI-Orgien verbindet, die gut zu finden man als denkender Mensch nur vor vertrauenswürdigen Menschen zugeben würde, wenn das nicht sowieso gänzlich unmöglich wäre (das Gutfinden meine ich). Auch G.I. JOE: RISE OF THE COBRA hat genau zwei Arten von Reaktionen hervorgerufen: die herablassende Ablehnung der Kulturwächter, die in ihm nur erkennen, wie sehr es mit unserer tollen Kultur doch bergab gegangen ist, dass wir uns über so etwas überhaupt amüsieren können, und die etwas verzagte Parteiergreifung der Nerds, die aber immer wieder betonen müssen, dass das ja nur Unterhaltung sei, die nichts bedeute und die man doch nicht so ernst nehmen solle, wahrscheinlich um der befürchteten sozialen Ächtung zu entgehen.

Armond White (ein höchst streitbarer Filmkritiker, den ich aber trotzdem immer wieder gern lese, weil er jeden Film betrachtet, als hinge von ihm der Fortbestand der Menschheit ab) hat das ganz schön gesagt: Filme wie G.I. JOE: RISE OF THE COBRA (oder auch Bays TRANSFORMERS-Filme) bieten Kritikern eine wunderbare Gelegenheit, sich als humanistisch geprägte Schöngeister, als Gatekeepers „guter Kultur“ zu inszenieren, weil es so wunderbar leicht ist, sie zu verreißen: Mein Gott, sie basieren auf SPIELZEUG!!! Wie kindisch ist das denn?!? Dabei geht es in Sommers‘ Film eben um wenig anderes als zweistündiges Entertainment, das er mit einer solchen Leichtigkeit bietet, die angesichts des immensen materiellen und technischen Aufwands, der für den Film betrieben wurde, schon beeindruckend ist. Das allein für minderwertig zu halten, würde ich im Gegenzug als „herablassend“ und „arrogant“ bezeichnen. Gern wird auch die ideologiekritische Keule ausgepackt (die man bei einem solchem hasserfüllten Werk wie P. T. Andersons THERE WILL BE BLOOD natürlich stecken gelassen hat, ist schließlich ein „Meisterwerk“), sich über Soldaten als Superhelden und den allgegenwärtigen Technik- und Waffenfetisch aufgeregt. Dabei ist es nicht die Aufgabe und auch nicht die Intention von G.I. JOE: RISE OF THE COBRA, Realität abzubilden, zur Reflexion anzuregen: Er bietet Affektkino, das ganz entscheidend auf einer klaren Trennung von Gut und Böse aufbaut und in seinem ungebrochenen Glauben an Helden, deren Ziele a priori und zweifellos richtig und gut sind, sehr heilsam wirkt.

Und meine Güte, gibt dieser Film Gas: Seine vier großen Action-Set-Pieces erstrecken sich fast lückenlos über den ganzen Film, sind brillant komponiert und getimt und begeistern mit zahlreichen Ideen und Gags. Allein die zentrale Verfolgungsjagd in den so genannten Accelerator Suits durch den Pariser Straßenverkehr, an deren Ende der Einsturz des Eiffelturms steht, lohnt die Sichtung. Dass die Materialschlacht stets mit der Sommers-typischen Naivität gepaart ist, seine Inszenierung trotz des betriebenen Aufwands eher nach Handwerk, denn nach Magie aussieht, tut der Freude keinerlei Abbruch, zumal sich in dieses kunterbunte Tohuwabohu immer wieder ganz unverhofft und heimlich wirklich visionäre Bilder mischen: Wenn eine extreme Totale das Aufeinanderprallen zweier High-Tech-U-Boot-Flotten tief unter dem Polareis als Spiel aus Lichtstrahlen und -punkten auflöst, streift Sommers haarscharf an der abstrakten Malerei vorbei. Abstraktion scheint überhaupt ein gutes Stichwort, denn fokussiert man nicht den Plot, sondern die reine Form, dann entpuppt sich G.I. JOE: RISE OF THE COBRA als bewegtes expressionistisches Gemälde, in dem Farben auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigt und von einer Seite auf die andere geschossen werden. Das erstaunlichste ist aber, was dieses Spektakel überhaupt antreibt: Es sind weder die Technik noch das Geld, das hinter ihr steht. Es sind tatsächlich die Figuren (ich sage bewusst nicht: Charaktere, das ginge dann doch zu weit), deren Backstorys Sommers per Rückblenden in den Flow einwebt, die den Film antreiben: Der globale Konflikt des Films entpuppt sich mehr und mehr als das Ergebnis höchst privater Fehden, was ich schon für eine recht interessante Sichtweise halte. Noch nicht einmal der sonst immer wieder gegen das so genannte Popcorn-Kino vorgebrachte Kritikpunkt, es sein nicht an Menschen interessiert, lässt sich also aufrecht erhalten. Aber das scheint jetzt auch egal, weil das Schwert über G.I. JOE: RISE OF THE COBRA hinsichtlich seiner kritischen Rezeption ja eh schon gebrochen ist.

Ich jedenfalls stehe dazu, auch wenn ich für die „seriöse“ Kritik nun verloren bin: Sommers ist hier genau der große Unterhaltungswurf gelungen, den Bay mit seinem TRANSFORMERS: REVENGE OF THE FALLEN angepeilt, aber leider unter Tonnen überflüssiger Subplots und infantilen Humors begraben hat.