crank: high voltage (mark neveldine/brian taylor, usa 2009)

Veröffentlicht: Dezember 8, 2009 in Film
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Chev Chelios (Jason Statham) ist gerade aus einem Flugezug gestürzt und aus mehreren Tausend Metern auf den Asphalt geprallt, aber mitnichten tot. Deshalb kratzen ihn auch die Mitglieder der chinesischen Mafia vom Boden: Ihr Chef steht vor einer Herztransplantation und weil er von der enormen Widerstandsfähigkeit von Chelios gehört hat, will er nun dessen Herz haben. Als Chev nach erfolgter Operation mit einem künstlichen Herzen aufwacht und man sich als nächstes an seinem Gemächt vergreifen will, befreit er sich und macht sich auf die Suche nach dem echten Organ. Doch dabei kommt ihm die neue Pumpe immer wieder in die Quere, weil sie regelmäßig neu aufgeladen werden muss …

Als ich über den ersten Teil geschrieben habe, hatte ich anscheinend einen etwas humorlos-verkniffenen Tag. Inhaltlich stehe ich zwar immer noch hinter meinem Text von damals, dennoch würde ich CRANK heute wohl etwas anders bewerten oder aber zumindest einen anderen Ansatz wählen. Natürlich ist das eine ziemlich krude Jungsfantasie, die Neveldine und Taylor da zusammengedrechselt haben, aber doch eine, die durch ungebremste Wildheit und einen ungebrochenen Gestaltungswillen besticht. Nach CRANK: HIGH VOLTAGE würde ich sogar soweit gehen, den Regisseuren zu unterstellen, ein avantgardistisches Meisterwerk abgeliefert zu haben. Von vorn bis hinten ist ihr Film mit visuellen Effekten, kreativen Inszenierungseinfällen und stilistischen Experimenten so vollgestopft, dass Oliver Stones NATURAL BORN KILLERS dagegen wie ein Vertreter des Neorealismus aussieht. Erstaunlich ist, dass CRANK: HIGH VOLTAGE  dabei absolut homogen bleibt, seine Verfremdungseffekte dem Zuschauer nicht vor den Kopf stoßen, sondern im Gegenteil dazu führen, ihn tiefer in den Film hineinzuziehen. CRANK: HIGH VOLTAGE ist Körperkino vom Feinsten, ein sinnlicher Rausch, eine Adrenalinspritze ins Herz, eine Operation am offenen Hirn. Der Actionheld wird in einer letzten Übersteigerung – und schließlich Verwerfung – der Körpermaschinen des Actionfilms auf die Aspekte des Maschinellen reduziert: Der Körper ist das vom Helden quasi getrennte Werkzeug, das gewartet werden muss, damit es reibungslos funktioniert. Jason Statham ist brillant als Chev Chelios, der Mann, der selbst gegen den Tod eine Kneipenschlägerei beginnen würde und seinem ihm nun nicht mehr uneingeschränkt gehorchenden Körper nur noch einen immens starken Willen entgegenhalten kann. Ihm zur Seite steht der unter dem „Full-Body-Tourette „-Syndrom leidende Venus (Efren Ramirez), der immer wieder von unvorhersehbaren Krampfanfällen geschüttelt wird und gerade deshalb zum unberechenbaren Kämpfer wird. Es ließe sich anhand der beiden CRANK-Filme sicherlich ein fruchtbarer Diskurs zum Thema „Körper im Actionfilm“ führen, ich möchte es an dieser Stelle beim Hinweis belassen und auf die großartige Sequenz hinweisen, in der sich der Kampf zwischen Chelios und seinem Gegner in eine Balgerei á la GODZILLA verwandelt: Menschen tragen Gummimasken und zerstören die sie umgebende Pappmaché-Landschaft, in der auch kleine erschrocken guckende Plastikpassanten nicht fehlen dürfen. CRANK: HIGH VOLTAGE mag man mancherorts vorwerfen, er betreibe nichts als Effekthascherei und täusche mit seinem formalen Feuerwerk nur über die Einfalt des Scripts hinweg. Das ist falsch. Wer genau hinsieht, wird einen immens pointierten Actionfilm erkennen, der hinsichtlich seiner Verfremdungseffekte Maßstäbe setzt und Kino als das zelebriert, was es sein soll: als überwältigende Bilderflut. Mich hat er komplett weggespült.

Kommentare
  1. […] haben zuletzt mit dem ziemlich tollen CRANK 2 gezeigt, dass man ihren visuellen Einfallsreichtum nicht unterschätzen sollte, und auch ihr […]

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