role models (david wain, usa 2008)

Veröffentlicht: Dezember 15, 2009 in Film
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Danny (Paul Rudd) und sein bester Freund Wheeler (Seann William Scott) arbeiten als Vertreter für einen Energy-Drink namens „Minotaur“: Täglich fahren sie mit einem aufgemotzten Truck von Schule zu Schule und predigen den Schülern dort sowohl die Vorzüge ihres Getränks als auch die Gefahren des Drogenkonsums. Solche Bigotterie und Nutzlosigkeit fordert ihren Tribut: Als der freudlose Danny seine Lebensgefährtin Beth (Elizabeth Banks) verprellt und zu allem Überfluss den Minotaur-Truck zerstört, werden er und Wheeler zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert. Von der Organisation „Sturdy Wings“ bekommen beide jeweils ein „Problemkind“ zugeteilt, um das sie sich fortan kümmern müssen. Danny bekommt es mit dem schüchternen Augie (Christopher Mintz-Plasse) zu tun, der sich mit Live-Rollenspielen von der Trostlosigkeit seines Lebens ablenkt, und Wheeler muss sich mit dem wenig zimperlichen Ronnie (Bobb’e J. Thompson) herumplagen. Doch die zu Beginn als lästig empfundene Aufgabe löst in beiden Männern bald einen Sinneswandel aus …

Dass Kinder Erwachsene zu besseren Menschen machen können, weil sie selbst die besseren Erwachsenen sind, ist ein uraltes Klischee und als solches unverwüstliche Grundlage für einige der unerträglicheren Ausgeburten des Komödiengenres. Kinder sind niedlich, sprechen die Wahrheit, sind unschuldig und haben ein reines Herz blablabla, man kennt das ja. Doch im schlimmsten Fall muss man die Filme, die solcher Weltanschauung anhängen, wenn schon nicht des Kinderhasses, so doch zumindest der Kinderdiskriminierung bezichtigen, weil sie die „kleinen Erwachsenen“ eben nicht als eigenständige Menschen begreifen, sondern bloß in ihrem Nutzen für die Erwachsenenwelt definieren. Genau diesen Fehler macht ROLE MODELS nicht: Er konstruiert keine makellosen Wunderkinder, sondern Charaktere, die genauso ein Recht auf Marotten haben wie ihre ausgewachsenen Artgenossen. Die Probleme erwachsen in ROLE MODELS dann auch nicht aus diesen Marotten, sondern genau daraus, dass Kinder nicht einfach „für sich“ sein dürfen, sondern immer von einem erwachsenen Elternpaar beobachtet und nach dessen Vorstellungen bewertet werden: Der kluge Augie flüchtet sich vor der Lieblosigkeit in seinem Zuhause in eine Fantasiewelt und wird von seinen Eltern dafür zusätzlich verachtet und offen verspottet. ROLE MODELS begeht einen zweiten großen Fehler nicht, der sich geradezu aufdrängt: Er singt nicht das (oft) heuchlerische Hohelied von der Unangepasstheit, die über den Durchschnitt triumphiert (ein Lied das – analog zum oben skizzierten Hollywood-Kinderbild – ja gar nicht der Nächstenliebe entspingt, sondern zuerst dem voyeuristischen Zuschauerbedürfnis nach „Freaks“, über die man sich gut amüsieren kann, solange man sie nicht selbst wirklich ertragen muss), sondern handelt letztlich von den Schwierigkeiten, die es uns bereitet, den für uns richtigen, gangbaren Weg zwischen den Extremen Selbstverwirklichung und Anpassung zu finden. Kurzum: ROLE MODELS handelt von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, doch mehr als an den seinen kindlichen Protagonisten exemplifiziert er dies an zwei Erwachsenen, die ihren Kinderschuhen noch nicht entwachsen sind.

ROLE MODELS trifft stets den richtigen Ton zwischen Apatow’schem Krawall- und Fäkalhumor (für den hier vor allem Seann William Scott steht) und leichtem Drama sehr überzeugend und sympathisch: Die Chemie zwischen den vier ungleichen Hauptdarstellern stimmt, die Nebendarsteller wissen ihre Gelegenheiten, zu brillieren, ebenfalls zu nutzen (hier seien stellvertretend die großartige Jane Lynch, der verlässliche Ken Jeong und Joe Lo Truglio genannt), die Gags sitzen und der ganze Film ist von einer aufrichtigen Sympathie für alle seine Figuren gekennzeichnet: Nie begnügt er sich nicht mit bequemen Plattitüden, die sich schon beim Wort „Live-Rollenspiel“ aufzufächern drohen. Und da ROLE MODELS dann auch noch eine der schönsten KISS-Huldigungen der Filmgeschichte beinhaltet, gibt’s von meine Seite aus nichts als Lob. Mir hat er sogar noch besser gefallen als der allseits gelobte THE HANGOVER.

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Hu, das liest sich grad so, als wär’s was für mich. Ich schreite also umgehend zum Erwerb dann.

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