transporter 3 (olivier megaton, frankreich/großbritannien 2008)

Veröffentlicht: Dezember 30, 2009 in Film
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Nach dem ersten, von Cory Yuen inszenierten TRANSPORTER-Teil, der – wenig überraschend – an die im Hongkong-Kino übliche Genrereduktion anknüpfte, und der Zwischenmahlzeit namens TRANSPORTER: THE MISSION, die dem ersten Teil nichts Wesentliches hinzufügen konnte (und wollte), öffnet Olivier Megaton mit seinem furiosen dritten Teil ein ganz neues Kapitel, vollführt gegenüber den Vorgängern einen kaum für möglich gehaltenen qualitativen Quantensprung und legt einen der besten Filme des vergangenen Jahres vor.

TRANSPORTER 3 teilt mit den ersten beiden Teilen den Ideenreichtum, das Gespür für Timing und den visuellen Witz, untermauert diese aber mit einem geradezu poetischen Fundament, das den Zirkelschluss von selbstreflexiver Ironie und Uneigentlichkeit hin zum neuen Ernst erst ermöglicht – und so einen Ausweg aus der Postmoderne-Sackgasse aufzeigt. Natürlich aktiviert Jason Stathams Frank Martin sofort Assoziationen zu James Bond oder Steve McQueens wortkargen Badass-Cops, doch beginnt sich die Figurauch dank Stathmas famosem, flexiblem Spiel zusehends von diesen Vorbildern zu emanzipieren. Der größte erzählerische Clou – neben den selbstverständlich furios choreografierten und inszenierten Actionsequenzen, deren komplexe Rhythmen man fast schon als „tanzbar“ bezeichnen möchte, sowie der herrlich ikonischen Fotografie – ist sicherlich die Aneignung des Transporter-Kodex durch den Feind: Frank Martin agiert nach einem strengen Regelsystem, von dem er niemals abweicht. Erst dieses System schweißt ihn mit seinem Werkzeug – dem Auto – zu der perfekt funktionierenden Einheit zusammen, die ihm seinen Lebensunterhalt einbringt. In TRANSPORTER 3 wird Martin von seinem Feind nun ganz wortwörtlich mit seinem geliebten Vehikel vereint: Ein an seinem Handgelenk befestigter Zünder verbietet ihm, sich von seinem Auto mehr als zehn Meter zu entfernen. Das bietet nicht nur Anlass für fesselnde Verfolgungsjagden – Martin muss seinen gestohlenen Wagen mit einem BMX-Rad durch Straßenverkehr, Fabrikhallen und Hinterhöfe verfolgen, um die Entfernung nicht zu groß werden zu lassen und so zu sterben –, sondern leitet auch einen Reifeprozess, ein Umdenken in ihm ein: Als sein freiwillig aufgestellter Kodex für ihn plötzlich zum Zwang wird, muss er sich von ihm lösen und neu erfinden.

Diese Neuerfindung des Actionkinos peilt auch Megaton mit seinem Film an. Den Erfolg zu verkünden, wäre angesichts des lockeren Tons von TRANSPORTER 3 vielleicht noch übertrieben, festzustellen bleibt aber, dass viele vermeintlich visionäre zeitgenössischen Filme gegen das Feuerwerk, dass hier abgebrannt wird, reichlich alt aussehen. (Die Spitze gegen AVATAR verkneife ich mir jetzt nur, weil ich ihn noch nicht gesehen habe.)

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