Archiv für Dezember, 2009

the dentist 2 (brian yuzna, usa 1998)

Veröffentlicht: Dezember 17, 2009 in Film
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Nachdem dem verrückten Zahnarzt Dr. Feinstone die Flucht aus der psychiatrischen Klinik gelungen ist, lässt er sich als Larry Crawford in einem verschlafenen Nest nieder, wo er Bekanntschaft mit Jamie Devers (Jillian McWhirter) macht, für die er schnell ein amouröses Interesse entwickelt. Als ihm jedoch immer wieder seine psychische Störung und seine Vergangenheit in Form lästiger Fragen in die Quere kommen, bröckelt die mühsam aufrecht erhaltene Fassade …

Memoiren eines Splatterfans, Teil 2: Dass der erste Teil mich also etwas enttäuscht aus dem Kino entlassen hatte, entpuppte sich für die Rezeption des Sequels als Vorteil. Von falschen Erwartungen frei wohnte ich anno 1998 der Vorstellung im Rahmen des Fantasy Filmfests bei und hatte eine Ferkelsfreud an Yuznas Film. So ganz kann ich das heute nicht mehr nachvollziehen. Auch wenn THE DENTIST 2 beileibe nicht schlecht ist und einen sich an die Grenzen der Zurechnungsfähigkeit spielenden Corbin Bernsen aufbietet, dem man ansieht, wie viel Spaß es ihm bereitet hat, einmal völlig über die Stränge schlagen zu können: Insgesamt ist THE DENTIST 2 doch recht fad und kaum zwingend. Während Yuzna seinen ersten Teil über einen sehr reduzierten und gerade deshalb so effektiven Plot entfaltet, entpuppt sich das Sequel als geradezu umständlich erzählt und wird so seiner eigentlichen Stärken beraubt. Es besteht von Beginn an kein Zweifel daran, dass Feinstones/Crawfords Versuche, ein normales Leben zu führen, zum Scheitern verurteilt sind, sodass das Warten auf den Rückfall keineswegs spannend, sondern im Gegenteil ausgesprochen langweilig ist. Und weil Feinstone die Grenze zum Wahnsinn ja schon einmal beherzt übertreten hat, entfällt auch das Moment, das den ersten Teil so spannend gemacht hat: Er ist kein tragischer Held mehr, der erfolglos versucht, die Fassade der Normalität aufrechtzuerhalten, und selbst am meisten von seinen Schandtaten schockiert ist, sondern ein recht handelsüblicher Serienmörder. Es fehlt einfach die Ambivalenz, der Riss. So kann man sich nur über den allerdings mengenmäßig noch einmal reduzierten Zahnsplatter freuen und eben über Bernsens Leistung. Wenn er am Ende mit blutverschmiertem Gesicht vor seinem Badezimmerspiegel steht und einen hysterischen Lachanfall bekommt, dann ist das die mit Abstand beste Szene des ganzen Films. Der Gute hätte es verdient, dass ihm ein wirklich fähiger Regisseur mal so einen richtig saftigen Part auf den Leib schneidert. Das wird aber wahrscheinlich genauso wenig passieren, wie Yuzna einen dritten Teil seiner Zahnarzt-Reihe dreht. Zumindest letzteres ist wohl auch ganz gut so.

the dentist (brian yuzna, usa 1996)

Veröffentlicht: Dezember 17, 2009 in Film
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Der Zahnarzt Dr. Alan Feinstone (Corbin Bernsen) hat eigentlich alles: eine schicke Villa mit Pool in Beverly Hills, eine attraktive Ehefrau und eine gut funktionierende Praxis. Doch unter der glänzenden Oberfläche brodelt es gewaltig, denn Feinstone ist verrückt und führt einen unbarmherzigen, aber erfolglosen Kampf gegen den Schmutz, der alles vereinnahmt. Als er seine Gattin beim Sex mit dem Poolboy ertappt, brennen ihm die Sicherungen endgültig durch. Seinen Patienten steht ein ausgesprochen schmerzhafter Tag bevor …

Was waren das noch für Zeiten, als einen die Aussicht auf einen neuen Brian-Yuzna-Film richtig nervös machte, als man sich den THE DENTIST-Slot beim Fantasy Filmfest schon Wochen vorher freihielt und nie auf die Idee gekommen wäre, sich stattdessen etwas anderes anzuschauen. Heute, mehr als zehn Jahre später, kann man nur noch staunen über die Begeisterung, die einem ein Regisseur abringen konnte, der, wenn man ganz ehrlich ist, schon damals keinen einzigen richtig guten Film vorzuweisen hatte. Weil Yuzna es aber fertig gebracht hat, dieses höchst mittelmäßige Niveau seitdem mit unentschuldbaren filmischen Missgeburten wie BEYOND RE-ANIMATOR oder FAUST: LOVE OF THE DAMNED noch radikal zu unterbieten, ist man mit dem (nicht mehr ganz) jugendlichen Splatterfan von einst, der RETURN OF THE LIVING DEAD 3, NECRONOMICON und BRIDE OF RE-ANIMATOR verehrte, fast schon wieder einig. Bezeichnenderweise hat mir THE DENTIST heute dann auch besser gefallen als anno 1996 beim FFF, wo er an der aufgebauten Erwartungshaltung eigentlich nur scheitern konnte. Statt des quietschbunten Gummisplatters, den man von Yuzna gewohnt war und den man bitteschön auch weiterhin von ihm sehen wollte, versucht er sich mit THE DENTIST überraschenderweise an einem kammerspielartigen Psychothriller mit unübersehbaren Hitchcock-Anleihen und einer dominant schwarzhumorigen Note. Seine Effekte sind zwar immer noch überaus drastisch, aber eben deutlich sparsamer über den ganzen Film verteilt als noch in den Vorgängern. Doch diese Mischung funktioniert erstaunlich gut: Die Kamera deutet das unabwendbare Unheil mit ihren verkanteten Blickwinkeln auch in vermeintlich harmlosen Momenten an, Corbin Bernsen brilliert als analfixiertes, arrogantes Arschloch und die Strategie, den Zuschauer mit dem Schurken zu verbünden, sorgt für einige Spannung, weil man sich wieder und wieder dabei ertappt, wie man mit dem Psychopathen mitfiebert, der sich in seinem unkontrollierbaren Wahn immer tiefer in die Scheiße reitet. Weil THE DENTIST mit seinem ganzen Szenario zudem ganz auf Ängste baut, die nahezu jeder Zuschauer teilen dürfte, ist Yuznas Film enorm effektiv, blähen sich die eigentlich sehr kurzen Effektszenen, in denen in Großaufnahme genüsslich in Zähnen und Zahnfleisch geporkelt wird, unwillkürlich zu höllischen Schreckensszenarien auf, die vom allseits beliebten Geräusch eines sirrenden Bohrers angemessen untermalt werden. Ein hübscher kleiner Thriller, den man wiederentdecken darf.

splatting image #80

Veröffentlicht: Dezember 16, 2009 in Uncategorized
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Die neue SPLATTING IMAGE ist da! Für das Dezemberheft habe ich drei Rezensionen beigesteuert, die sich allesamt mit Filmen vom diesjährigen Fantasy Filmfest befassen: dem Zombiefilm WASTING AWAY, CABIN FEVER: SPRING FEVER und dem grandiosen THE HOUSE OF THE DEVIL. Außerdem gibt es einen bösen Verriss zu NINJA ASSASSIN, den ich so nicht unterschreiben würde, eine Rezension zu Wes Andersons FANTASTIC MR. FOX, ZOMBIELAND sowie Gaspar Noés ENTER THE VOID und Ivo Ritzer widmet sich Dolph Lundgrens neuer Regiearbeit COMMAND PERFORMANCE, für die ich jetzt schon töten würde. Auch sonst gibt’s einiges Lesenswertes, sodass die 5 Euro eine gute Investition darstellen sollten. Viel Vergnügen!

Die TAXI-Reihe von Luc Besson

Veröffentlicht: Dezember 16, 2009 in Film
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Ein Fahrgast steigt in das Taxi, einen strahlend weißen Peugeot, von Fahrer Daniel (Samy Naceri), nennt den Zielort und bittet um Beeilung: Worte, die er schon bald bereuen wird, denn Daniel nimmt sie sehr wörtlich. Das automatische Ausfahren der Spoiler, der richtigen Rennreifen und des anderen technischen Schnickschnacks ist nur die Ruhe vor dem Sturm, bevor Daniel endlich Vollgas gibt. Wenn sein Wagen wenige Minuten später mit qualmenden Reifen am Zielort zum Stehen kommt, klappt von der Rückenlehne des Vordersitzes eine Kotztüte gerade noch schnell genug herunter, damit der Fahrgast sich in sie übergeben kann. Lachend wünscht Daniel einen schönen Tag und wartet auf den nächsten Kunden …

Wenn man die TAXI-Reihe, die Luc Besson produziert hat, auf ein einzelnes Bild herunterbrechen wollte, es wäre wohl dieses, das sich in jedem der mittlerweile vier Filme wiederfindet. Es ist ein Bilderwitz, ein Cartoon: der freundliche Taxifahrer mit dem Geschwindigkeitsrausch und der Rennfahrermentalität, sein aufgemotztes Auto, der arglose Kunde, der seine Eile körperlich bezahlen muss. Man muss nicht unbedingt verstehen, was der Appeal dieses Bilderwitzes ist und warum man ihn auf vier Filme strecken muss, denn es ist gerade diese Irrelevanz und Infantilität, die die Filme – lässt man sich denn auf sie ein – so liebenswert macht. Mit TAXI begann 1998 auch Bessons Karriere als Produzent französischer Actionfilme, die mittlerweile eine ernste Konkurrenz für die US-amerikanischen Vorbilder darstellen: KISS OF THE DRAGON, die beiden BANLIEUE 13-Filme, die TRANSPORTER-Reihe, Pierre Morels TAKEN, Leterriers UNLEASHED sind nur ein paar Beispiele, die man auch in Hollywood zur Kenntnis genommen hat. Alle diese Filme verbinden inhaltlichen Reduktionismus mit formaler Finesse und der von Besson gewohnten Pop-Sensibilität. Sie präsentieren sich als freies Spiel der Zeichen, ohne sich jedoch dabei in ihren Anführungszeichen – einer alles relativierenden Ironie – zu verstricken. BANLIEUE 13 etwa ruft mit seiner Allegorie den alten War-Albumtitel „The World is a Ghetto“ ins Gedächtnis, überführt die Carpenter’sche Dystopie aus ESCAPE FROM NEW YORK in die urbane Hip-Hop-Kultur und entwirft so das Bild einer alle Grenzen, Nationalitäten, sozialen Schichten und Mentalitäten überschreitenden Solidarität, ohne dabei jemals angestrengt zu wirken.

TAXI und seine Nachfolger erreichen nicht ganz die Klasse der genannten Filme, ohne dass man ihnen daraus jedoch einen Vorwurf machen müsste, weil sie eben nichts mehr größtmögliche Leichtigkeit anstreben: Alle vier stehen in der Tradition der Buddy-Actionkomödien, die in den Achtzigerjahren reüssierten und mit einer Mischung aus Humor und (meist) jugendfreier Action aufwarteten. In TAXI trifft der oben erwähnte Taxi-Rennfahrer auf den etwas tolpatschigen Polizisten Emilien (Frederic Diefenthal) und dessen Kollegen und muss ihnen erst unfreiwillig, dann schließlich mit immer größerem Vergnügen dabei helfen, irgendwelche Bankräuber oder Terroristen dingfest zu machen. Jeder einzelne der vier Filme besticht durch einen skizzenhaften, improvisiert wirkenden Plot, der Erzählzeit und erzählte Zeit fast in Deckung bringt und dadurch den sehr flüchtigen Eindruck noch unterstreicht (alle vier Filme sind sehr kurz), und unterhält mit einem locker-flockigen Mix aus Autoverfolgungsjagden und Slapstickszenen. Wollte man einen Vergleich bemühen, so erinnert die TAXI-Reihe am ehesten an Richard Donners LETHAL WEAPON-Serie in ihren beiden letzten Installationen: Mehr als der Plot stehen die einzelnen wiederkehrenden Charaktere und ihre Beziehung zueinander im Fokus des Interesses. Neben Daniel und Emilien sind das u. a. der Marseiller Polizeichef Gibert (Bernard Farcy), ein moderner Inspektor Clouseau, dessen gnadenlose Selbstüberschätzung immer wieder die eigenen Männer in die Bredouille bringt, Emiliens Freundin Petra (Emma Wiklund), eine toughe blonde Polizistin, die voll damit ausgelastet ist, auf Emilien aufzupassen, ohne ihm die Illusion zu rauben, der Herr im Haus zu sein, Daniels kesse Freundin Lilly (Marion Cotillard) sowie deren Vater, der Armeegeneral Bertineau (Jean-Christophe Bouvet), hinter dessen konservativ-autoritärer Fassade sich ein gutmütiger älterer Herr versteckt. Im ersten Eintrag der Reihe werden die Beziehungen der beiden Hauptfiguren etabliert, bevor Daniel und Emilien in TAXI 3 schließlich Vater werden; eine Rolle, die sie in T4XI dann partnerschaftlich teilen. Hinter diesen kleinen Geschichten treten die eigentlichen Kriminalfälle in den Hintergrund, dienen vor allem dazu, die zwischenmenschlichen Konflikte anzutreiben oder zu pointieren.

Es sind diese kleinen Geschichten, die alle vier Filme so sehenswert macht, auch wenn man das eigentlich erst im Nachinein merkt. Es ist heute absolut ungewöhnlich, dass ein Film so unprätentiös daherkommt, stets seine eigene Marginalität betont, anstatt sich großzutun und zu seinem eigenen Werbetrailer zu werden. Der Cameoauftritt von Sylvester Stallone in TAXI 3 lebt in erster Linie von diesem Kontrast zwischen der Überlebensgröße des Stars und der Provinzialität und Alltäglichkeit des ihn umgebenden Szenarios – ein Kontrast, der sich in TAXI 3 auch in der ästhetischen und dramaturgischen Annäherung an die Bondfilme widerspiegelt. Ich möchte meinen kleinen Text ungern in der üblichen Jubelarie beenden, weil alles, was ich nun über die TAXI-Filme geschrieben habe, besagt, dass sie so wenig auf marktschreierischen Jubel abzielen. TAXI, TAXI TAXI, TAXI 3 und T4XI schaut man sich am besten ganz entspannt an, ohne allzu große Erwartungshaltung. Man amüsiert sich knappe 80 Minuten, ohne dabei jedoch in Euphorie zu verfallen und wiederholt das mit allen drei Sequels. Und dann, nach ein paar Tagen, stellt man verwundert fest, dass alle Filme noch da sind, die Erinnerung an seine Figuren immer noch lebendig ist. Und dann wundert man sich darüber, dass es so wenige Filme gibt, die diese Art angeblich „leichter“ Unterhaltung wirklich hinbekommen. Ist wahrscheinlich doch gar nicht so „leicht“.

role models (david wain, usa 2008)

Veröffentlicht: Dezember 15, 2009 in Film
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Danny (Paul Rudd) und sein bester Freund Wheeler (Seann William Scott) arbeiten als Vertreter für einen Energy-Drink namens „Minotaur“: Täglich fahren sie mit einem aufgemotzten Truck von Schule zu Schule und predigen den Schülern dort sowohl die Vorzüge ihres Getränks als auch die Gefahren des Drogenkonsums. Solche Bigotterie und Nutzlosigkeit fordert ihren Tribut: Als der freudlose Danny seine Lebensgefährtin Beth (Elizabeth Banks) verprellt und zu allem Überfluss den Minotaur-Truck zerstört, werden er und Wheeler zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert. Von der Organisation „Sturdy Wings“ bekommen beide jeweils ein „Problemkind“ zugeteilt, um das sie sich fortan kümmern müssen. Danny bekommt es mit dem schüchternen Augie (Christopher Mintz-Plasse) zu tun, der sich mit Live-Rollenspielen von der Trostlosigkeit seines Lebens ablenkt, und Wheeler muss sich mit dem wenig zimperlichen Ronnie (Bobb’e J. Thompson) herumplagen. Doch die zu Beginn als lästig empfundene Aufgabe löst in beiden Männern bald einen Sinneswandel aus …

Dass Kinder Erwachsene zu besseren Menschen machen können, weil sie selbst die besseren Erwachsenen sind, ist ein uraltes Klischee und als solches unverwüstliche Grundlage für einige der unerträglicheren Ausgeburten des Komödiengenres. Kinder sind niedlich, sprechen die Wahrheit, sind unschuldig und haben ein reines Herz blablabla, man kennt das ja. Doch im schlimmsten Fall muss man die Filme, die solcher Weltanschauung anhängen, wenn schon nicht des Kinderhasses, so doch zumindest der Kinderdiskriminierung bezichtigen, weil sie die „kleinen Erwachsenen“ eben nicht als eigenständige Menschen begreifen, sondern bloß in ihrem Nutzen für die Erwachsenenwelt definieren. Genau diesen Fehler macht ROLE MODELS nicht: Er konstruiert keine makellosen Wunderkinder, sondern Charaktere, die genauso ein Recht auf Marotten haben wie ihre ausgewachsenen Artgenossen. Die Probleme erwachsen in ROLE MODELS dann auch nicht aus diesen Marotten, sondern genau daraus, dass Kinder nicht einfach „für sich“ sein dürfen, sondern immer von einem erwachsenen Elternpaar beobachtet und nach dessen Vorstellungen bewertet werden: Der kluge Augie flüchtet sich vor der Lieblosigkeit in seinem Zuhause in eine Fantasiewelt und wird von seinen Eltern dafür zusätzlich verachtet und offen verspottet. ROLE MODELS begeht einen zweiten großen Fehler nicht, der sich geradezu aufdrängt: Er singt nicht das (oft) heuchlerische Hohelied von der Unangepasstheit, die über den Durchschnitt triumphiert (ein Lied das – analog zum oben skizzierten Hollywood-Kinderbild – ja gar nicht der Nächstenliebe entspingt, sondern zuerst dem voyeuristischen Zuschauerbedürfnis nach „Freaks“, über die man sich gut amüsieren kann, solange man sie nicht selbst wirklich ertragen muss), sondern handelt letztlich von den Schwierigkeiten, die es uns bereitet, den für uns richtigen, gangbaren Weg zwischen den Extremen Selbstverwirklichung und Anpassung zu finden. Kurzum: ROLE MODELS handelt von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, doch mehr als an den seinen kindlichen Protagonisten exemplifiziert er dies an zwei Erwachsenen, die ihren Kinderschuhen noch nicht entwachsen sind.

ROLE MODELS trifft stets den richtigen Ton zwischen Apatow’schem Krawall- und Fäkalhumor (für den hier vor allem Seann William Scott steht) und leichtem Drama sehr überzeugend und sympathisch: Die Chemie zwischen den vier ungleichen Hauptdarstellern stimmt, die Nebendarsteller wissen ihre Gelegenheiten, zu brillieren, ebenfalls zu nutzen (hier seien stellvertretend die großartige Jane Lynch, der verlässliche Ken Jeong und Joe Lo Truglio genannt), die Gags sitzen und der ganze Film ist von einer aufrichtigen Sympathie für alle seine Figuren gekennzeichnet: Nie begnügt er sich nicht mit bequemen Plattitüden, die sich schon beim Wort „Live-Rollenspiel“ aufzufächern drohen. Und da ROLE MODELS dann auch noch eine der schönsten KISS-Huldigungen der Filmgeschichte beinhaltet, gibt’s von meine Seite aus nichts als Lob. Mir hat er sogar noch besser gefallen als der allseits gelobte THE HANGOVER.

Ich habe mir das von den Wachowski-Brüdern und Joel Silver produzierte und V FOR VENDETTA-Regisseur McTeigue inszenierte Ninjafilm-Revival angesehen, mich gut amüsiert und eine Rezension für die Website vom Schnitt beigesteuert, die man hier lesen kann. Viel Vergnügen!

Chev Chelios (Jason Statham) ist gerade aus einem Flugezug gestürzt und aus mehreren Tausend Metern auf den Asphalt geprallt, aber mitnichten tot. Deshalb kratzen ihn auch die Mitglieder der chinesischen Mafia vom Boden: Ihr Chef steht vor einer Herztransplantation und weil er von der enormen Widerstandsfähigkeit von Chelios gehört hat, will er nun dessen Herz haben. Als Chev nach erfolgter Operation mit einem künstlichen Herzen aufwacht und man sich als nächstes an seinem Gemächt vergreifen will, befreit er sich und macht sich auf die Suche nach dem echten Organ. Doch dabei kommt ihm die neue Pumpe immer wieder in die Quere, weil sie regelmäßig neu aufgeladen werden muss …

Als ich über den ersten Teil geschrieben habe, hatte ich anscheinend einen etwas humorlos-verkniffenen Tag. Inhaltlich stehe ich zwar immer noch hinter meinem Text von damals, dennoch würde ich CRANK heute wohl etwas anders bewerten oder aber zumindest einen anderen Ansatz wählen. Natürlich ist das eine ziemlich krude Jungsfantasie, die Neveldine und Taylor da zusammengedrechselt haben, aber doch eine, die durch ungebremste Wildheit und einen ungebrochenen Gestaltungswillen besticht. Nach CRANK: HIGH VOLTAGE würde ich sogar soweit gehen, den Regisseuren zu unterstellen, ein avantgardistisches Meisterwerk abgeliefert zu haben. Von vorn bis hinten ist ihr Film mit visuellen Effekten, kreativen Inszenierungseinfällen und stilistischen Experimenten so vollgestopft, dass Oliver Stones NATURAL BORN KILLERS dagegen wie ein Vertreter des Neorealismus aussieht. Erstaunlich ist, dass CRANK: HIGH VOLTAGE  dabei absolut homogen bleibt, seine Verfremdungseffekte dem Zuschauer nicht vor den Kopf stoßen, sondern im Gegenteil dazu führen, ihn tiefer in den Film hineinzuziehen. CRANK: HIGH VOLTAGE ist Körperkino vom Feinsten, ein sinnlicher Rausch, eine Adrenalinspritze ins Herz, eine Operation am offenen Hirn. Der Actionheld wird in einer letzten Übersteigerung – und schließlich Verwerfung – der Körpermaschinen des Actionfilms auf die Aspekte des Maschinellen reduziert: Der Körper ist das vom Helden quasi getrennte Werkzeug, das gewartet werden muss, damit es reibungslos funktioniert. Jason Statham ist brillant als Chev Chelios, der Mann, der selbst gegen den Tod eine Kneipenschlägerei beginnen würde und seinem ihm nun nicht mehr uneingeschränkt gehorchenden Körper nur noch einen immens starken Willen entgegenhalten kann. Ihm zur Seite steht der unter dem „Full-Body-Tourette „-Syndrom leidende Venus (Efren Ramirez), der immer wieder von unvorhersehbaren Krampfanfällen geschüttelt wird und gerade deshalb zum unberechenbaren Kämpfer wird. Es ließe sich anhand der beiden CRANK-Filme sicherlich ein fruchtbarer Diskurs zum Thema „Körper im Actionfilm“ führen, ich möchte es an dieser Stelle beim Hinweis belassen und auf die großartige Sequenz hinweisen, in der sich der Kampf zwischen Chelios und seinem Gegner in eine Balgerei á la GODZILLA verwandelt: Menschen tragen Gummimasken und zerstören die sie umgebende Pappmaché-Landschaft, in der auch kleine erschrocken guckende Plastikpassanten nicht fehlen dürfen. CRANK: HIGH VOLTAGE mag man mancherorts vorwerfen, er betreibe nichts als Effekthascherei und täusche mit seinem formalen Feuerwerk nur über die Einfalt des Scripts hinweg. Das ist falsch. Wer genau hinsieht, wird einen immens pointierten Actionfilm erkennen, der hinsichtlich seiner Verfremdungseffekte Maßstäbe setzt und Kino als das zelebriert, was es sein soll: als überwältigende Bilderflut. Mich hat er komplett weggespült.