Archiv für Januar, 2010

Die junge Sarah (Mia Farrow) ist nach einem Reitunfall erblindet. Nach der Therapie kehrt sie zurück in das Landhaus ihres Onkels und ihrer Tante, wo sie sich langsam an den neuen Alltag gewöhnen soll. Doch dazu kommt es nicht: Ein Killer hat Sarahs Familie als neue Opfer auserkoren und bringt sie um, als Sarah gerade bei ihrem Freund Steve weilt. Als sie nach Hause zurückkehrt und feststellt, dass sie von Leichen umgeben ist, ist auch der Killer wieder unterwegs zum Tatort, wo er etwas verloren hat …

Für seinen etwas an den vier Jahre vorher unter der Regie von Terence Young entstandenen WAIT UNTIL DARK erinnernden Thriller bemüht Fleischer einen Ansatz, den man bösartig als gimmicky bezeichnen könnte, der ihm aber als Basis für eine sagenhafte Spannungsinszenierung auf höchstem formalen Niveau dient. Vom Killer zeigt er nämlich von Beginn an nur dessen prägnanten Cowboystiefel: Doch anstatt damit lediglich dessen Identität geheimzuhalten, nutzt er das Stilmittel des pars pro toto, um den Mörder gleichzeitig zu charakterisieren wie zu entpersonalisieren und ihn somit zu einer gesichtslosen Naturgewalt zu stilisieren. Schon in der Creditsequenz, wenn die Kamera den Gang des Killers durch nächtliche Straßen verfolgt, ist der Tod in Form von Plakaten, Toneinspielungen und Fernsehbildern im Bildhintergrund sein ständiger Begleiter (hier zeugt der malerische deutsche Verleihtitel „Stiefel, die den Tod bedeuten“ also von ungewohnter Hellsicht): Die Stiefel gehören dem Tod persönlich. Auch die Abwesenheit eines Motivs unterstreicht das Schicksalhafte der Begegnung mit ihm. Es ist wohl der Konvention geschuldet, dass Fleischer diese Metaphorik nicht durchhält und zum Ende die Identität des Mörders auflösen muss: Diese Auflösung ist dann auch der einzige verzeihliche Schwachpunkt eines Films, der vor allem in seiner Bildkomposition eindrucksvoll ist.

Fleischer engt den Bildkader mithilfe einer ausgeklügelten Kameraarbeit soweit ein, dass der Zuschauer das unangenehme Gefühl bekommt, ihm würde die Perspektive beschnitten – ähnlich wie der Protagonistin Sarah. Übersicht spendende und das Geschehen kontextualisierende Totalen gibt es fast überhaupt nicht, und wenn doch, dann bieten sie nicht die gewünschte Information. Stück für Stück nur enthüllt Fleischer seine Geheimnisse: Wir ahnen zwar, dass Sarahs Familie tot ist, doch erst nach und nach liefert uns Fleischer bildliche Beweise für diesen Verdacht. Und wenn Sarah am Schluss auf der Flucht einen Abhang herunterstürzt, ist der Zuschauer kaum weniger überrascht als sie, weil Fleischer vorher darauf verzichtet hat, den Raum zu erklären. So gelingt ihm ein immens spannender und nervenzerrender Thriller, der die panische Angst seiner Protagonistin lückenlos auf den Zuschauer überträgt.

Fleischer ist einer der großen Hollywood-Routiniers, deren Erbe nicht zuletzt durch die Umwälzungen des New Hollywood nivelliert wurde, das sie zu unkreativen Befehlsempfängern stempelte. Als Regisseur von solchen „anspruchslosen“ Studiofilmen wie THE VIKINGS, 20.000 LEAGUES UNDER THE SEA oder FANTASTIC VOYAGE hatte Fleischer zudem das Pech, auch nicht die höheren Weihen der Rezeption durch die Köpfe der Nouvelle Vague zu erfahren, die etwa seinen Landsmann Robert Aldrich für eine intellektuelle Beschäftigung mit ihm retteten. Doch Fleischers Filme der späten Sechziger- und Siebzigerjahre – etwa THE BOSTON STRANGLER, 10 RILLINGTON PLACE, THE LAST RUN, SOYLENT GREEN, MANDINGO – zeigen, dass hier durchaus ein Künstler mit einer sehr eigenen Vision und einem ausgesprochenen technischen Verständnis am Werk war. Für SEE NO EVIL wurde er adäquat unterstützt vom englischen Drehbuchautoren Brian Clemens, der für etliche britische Serien sowie einige der späteren Hammer-Filme verantwortlich zeichnete und ohne den das britische Genrekino kaum denkbar wäre.

Ein Indianerjunge wetzt durch den Wald, eine Horde bewaffneter Meuchelmörder im Nacken. Bevor sie ihm den Garaus machen können, nimmt sich ein freundlicher Jeepfahrer seiner an – gut, dass der Junge nie was von bösen Onkels gehört hat. Schnitt. In einer amerikanischen Großstadt (Buenos Aires) kommt der abgerissene Cop Fallon (James Horan) am Schauplatz eines grausamen Verbrechens an: Ein Unbekannter hat eine Prostituierte nicht nur vergewaltigt, sondern ihr dabei auch Uterus und Bauchdecke perforiert. Fallon begibt sich auf Tätersuche und kommt dabei einer indianischen Gottheit auf die Spur, die sich vor ihrem Krebstod (!) noch einmal paaren möchte, jedoch mit einem für menschliche Verhältnisse zu groß geratenen Geschlechtsteil geschlagen ist …

„Wer lang hat, lässt lang hängen“, so könnte die Quintessenz von DYING GOD lauten. Zu Beginn hatte ich trotz der ätzenden Digivideo-Optik noch die Hoffnung, dass das ein zumindest angenehm „anderer“ Horrorfilm werden könnte. Buenos Aires bietet eine noch nicht abgenutzte Kulisse, Hauptdarsteller Horan versieht den versifften Bullen mit der Extraportion Sleaze und agiert dabei so haarscharf an der Grenze zur Peinlichkeit, dass es schon fast wieder gut ist. Doch leider werden die Hoffnungen auf abseitigen Schund zu keiner Sekunde eingelöst. DYING GOD versandet in den seichten Gewässern von Sat.1-Mysterythrillern und selbst die viel zu selten eingestreuten Geschmacklosigkeiten wirken lustlos. Dass die argentinische Hauptstadt dann auch noch beharrlich als US-Metropole ausgegeben wird, obwohl sie nun überhaupt nicht danach aussieht, ist ein guter Beleg dafür, wie sehr dieser Film auf Nummer sicher gebürstet ist. Doch wenn man sich so wenig traut, warum strickt man dann einen Film um eine Gottheit mit Riesenpimmel? Zumal, wenn man mit solcher Prämisse doch jedweden Anspruch an irgendwie „gute“ und ernstzunehmende Unterhaltung im Ansatz unterminiert. DYING GOD ist einfach nur öde und dazu auch noch potthässlich anzuschauen. Der titelgebende Gott ist dann vielleicht doch nur vor Scham gestorben. Ein Schicksal, dass auch Lance Henriksen droht: Wie der vom ausgezeichneten und stets verlässlichen Nebendarsteller bei Cameron, Woo und Raimi und Serienstar zum Popanz in minderbemitteltem Videotheken-Schrott absteigen konnte, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Hier setzt er zwar das schauspielerische Glanzlicht, insgesamt kann man sein Mitwirken aber nicht anders als als Demütigung begreifen.

PS Auf IMDB ist der Film bei 347 Votings auf eine Hammerwertung von 2,5 gekommen. Manchmal ist die silent majority doch zu was gut.

up (pete docter/bob peterson, usa 2009)

Veröffentlicht: Januar 27, 2010 in Film
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Frage: Was hat dieser aktuelle Pixar-Animationsfilm mit einem Russ-Meyer-Film von 1976 gemeinsam?

Antwort: Den Titel. Und in beiden spielen Ballons eine wichtige Rolle.

Wieder einmal ist es Pixar nicht gelungen, einen schlechten Film zu machen. Die Exposition fasst in wenigen prägnanten Minuten das ganze Leben des mürrischen Carl und seiner geliebten Ehefrau Ellie vom ersten Treffen im Kindesalter bis zu ihrem Tod wunderbar zusammen und enthält darin schon mehr Herz und Klugheit als so mancher ganze Film und die Idee mit dem fliegenden Haus ist kaum weniger schön. Die Qualität der Animationen hat noch einmal einen kaum noch für möglich gehaltenen Satz nach vorn gemacht: Die Darstellung von verschiedenen Oberflächen (besonders Fell, Haare und Wasser) wird immer authentischer, hinzu kommt, dass nun auch der räumliche Eindruck von Entfernung annähernd perfekt simuliert wird (man beachte etwa den Blick in die Schlucht auf die in einem Fluss schwimmenden Hunde). Kurzum: UP bietet insgesamt gute, witzige, leichtfüßige und abwechslungsreiche Unterhaltung.

Jetzt kommt das Aber: Denn bei mir wollte sich zum ersten Mal keine echte Begeisterung einstellen. Warum? Die Faulheit, die sich im unkreativen Beharren auf Disney-typischen Erzählkonventionen äußert, steht in krassem Missverhältnis zu dem Aufwand, der auf der technischen Seite betrieben wird. Warum muss es in einem solchen Film immer einen Schurken geben? Warum muss sich am Ende jeder Konflikt in Luft auflösen? Und warum mündet ein doch eigentlich so herzlicher Film in einen actionlastigen Showdown, bei dem dann auf einmal sogar Menschen sterben? Die Botschaft schließlich – nicht jedem Menschen ist es gegeben, große Abenteuer zu erleben, trotzdem kann man ein erfülltes und glückliches Leben führen – hinterließ bei mir einen mehr als bitteren Nachgeschmack. Möchte man sich so etwas denn wirklich von Menschen sagen lassen, die das Glück haben, in Hollywood Millionenbeträge für die Fertigung von Animationsfilmen ausgeben zu dürfen? Ich weiß es nicht.

Wie gesagt: Eigentlich gibt es an UP nicht viel auszusetzen. Die Geschichte ist durchaus kunstfertig erzählt, der Film sieht toll aus, die Zeit vergeht wie im Flug. Aber so langsam stellt sich bei mir doch das Gefühl ein, dass das Herz, das Pixar-Filme zum Leben erweckt, eine Maschine ist.

In einem Sanatorium trifft die aufmüpfige Michelle auf die in sich gekehrte, verschlossene Marie. Gemeinsam fliehen sie aus der Gefangenschaft und begeben sich auf die Reise. Im Publikum eines Schaustellers treffen sie schließlich auf Sophie, die davon träumt, mit ihrem Freund, dem Seefahrer Pierrot, auf große Fahrt zu gehen und ihre Heimat hinter sich zu lassen. Sie ringt Pierrot das Versprechen ab, auch die beiden Mädchen mitzunehmen: Doch dazu wird es nicht kommen …

LES PAUMÉES DU PETIT MATIN galt bis vor kurzem als der „verlorene“ Film Rollins. Auf den Vorschlag eines Produzenten, es doch einmal mit einem realistischeren Stoff zu versuchen, verfilmte Rollin das Drehbuch von Jacques Ralf, dessen Vorstellungen von Kino denen Rollins jedoch diametral entgegenstanden und das Projekt von Beginn an unter einen schlechten Stern stellten. Rollin verlor kurz nach Fertigstellung das Interesse an dem für ihn unbefriedigend geratenen Film, der dann auch keinen Verleih fand und in den Archiven verstaubte. Erst vor ein paar Jahren erfuhr er seine Veröffentlichung, als ein Fernsehsender ein Paket von mehreren Rollin-Filmen kaufte, in dem dann eben auch dieser enthalten war. Auf der britischen Redemption-DVD, die den Film unter dem Titel THE ESCAPEES präsentiert, spricht ein mittlerweile mit dem Film versöhnter Rollin über die Schwierigkeiten, die LES PAUMÉES schließlich scheitern ließen: Das positivste, was er über ihn sagen kann, ist jedoch auch heute noch, dass er „not bad“ sei.

Das trifft es auch ganz gut. Tatsächlich ist LES PAUMÉES zwar keineswegs schlecht, aber doch ein Film der vergebenen Möglichkeiten: Aus der eigentlich Rollin-typischen Ausgangssituation, die doch ideal in ein surreales Road Movie hätte münden können, macht das Drehbuch viel zu wenig. So hat man den Eindruck, dass die Handlung über weite Strecken auf der Stelle tritt. Die gespreizten Dialoge unterwandern den „realistischen“ Anstrich des Szenarios zusätzlich und lassen LES PAUMÉES etwas unentschlossen zwischen Poesie und kühlem Sozialrealismus pendeln. Doch wie Rollin richtig sagt, ist sein Film „not bad“: Man spürt die Sensibilität des Regisseurs, die sich in märchenhaften Szenarien wie dem einer nächtlichen Varieté-Veranstaltung inmitten einer brachliegenden Bahnlandschaft widerspiegelt und die Flucht aus dem Sanatorium nicht realistisch abbildet, sondern vielmehr zu einer Metapher überhöht.

Rollin-Verehrer werden mit LES PAUMÉES durchaus etwas anfangen können, zumal auch treue Weggefährten wie Brigitte Lahaie vorbeischauen und dem Film den Rollin-Stempel aufdrücken. Mir hat er durchaus gefallen, auch wenn das vielleicht eine ketzerische Meinung ist. Aber allein die Tatsache, dass er erst jetzt der breiten Öffentlichkeit zugänglich ist, macht ihn doch eigentlich zu einer Pflichtveranstaltung.

Irgendwo in einem französischen Küstenort im vorvergangenen Jahrhundert: Eine vierköpfige Bande von Strandräubern verdient sich ihren Lebensunterhalt damit, dass sie vorüberfahrende Schiffe mit Leuchtfeuern auf die tödlichen Klippen lockt und dann die Wracks ausplündert. Bei einem ihrer Raubzüge werden die Räuber – drei Männer und eine Frau – von zwei verirrten Mädchen überrascht. Da sie keine Zeugen gebrauchen können, bringen sie die beiden um; nicht jedoch, ohne sie vorher vergewaltigt, gequält und gedemütigt zu haben. Ein Fehler, denn die beiden Mädchen suchen Beistand von niemand anderem als dem Teufel persönlich, um ihre Rache zu bekommen …

Mein erster Jean Rollin nach längerer Abstinenz bedurfte einer kleinen Eingewöhnungsphase. Was seinen fünften Spielfilm von seinen bekannteren Werken unterscheidet, ist seine betont einfach gehaltene Geschichte – im Grunde ein im Fantastischen angesiedeltes Rape-and-Revenge-Drama –, die jedoch von der Rollin’schen jedoch Poesie ins Expressionistische verzeichnet und mystifiziert wird. LES DÉMONIAQUES lebt – wie eigentlich alle Rollins – in erster Linie von seinen traumgleichen Bildern: hier vor allem die zerklüftete Küstenlinie, die sich bei Ebbe in eine wüstenähnliche Marschlandschaft verwandelt, und die inmitten eines Waldes gelegene Ruine einer Abtei, in der die beiden Toten den Beistand des Teufels suchen. Apropos Teufel: Auch jener ist als solcher nicht wirklich zu erkennen, sieht eher aus wie ein Märchenprinz und bekommt zudem Hilfe von einem bärtigen Mann und einem weiblichen Clown, die unerwünschte Eindringlinge fernhalten sollen. Der Großteil des Films dreht sich jedoch weniger um die Rache der Mädchen, sondern vor allem um die Zerwürfnisse innerhalb der Räuberbande, die unter der Last ihrer Tat und den anwachsenden Verdachtsmomenten gegen sie beginnen, aufeinander loszugehen. LES DÉMONIAQUES ist trotz seiner drastischen Thematik alles andere als besonders blutrünstig und schlägt zum Ende zudem vollends ins Tragische um: Die Bösen ereilt zwar die gerechte Strafe, doch völlig anders als gedacht, und die Guten werden für ihre Güte doppelt zur Kasse gebeten, um es mal ganz prosaisch auszudrücken. Dieser Schluss ist es dann auch, der dem eher langsamen und manchmal recht ziellos erscheinenden Film nachträglich eine doch sehr entschiedene Richtung gibt.

Ich würde LES DÉMONIAQUES (noch) nicht zu den besten Arbeiten Rollins zählen, weil er mir ein bisschen zu stringent war und ich die surreale Überfülle vermisst habe, die andere Filme von ihm auszeichnet. Lust darauf, mir seine Filme einmal wieder zu Gemüte zu führen, hat er mir aber trotzdem gemacht: Rollin ist ein einzigartiger Regisseur, seine Filme sind sofort als seine erkennbar und im Kino der letzten vierzig Jahre kaum mit jemand anderem zu vergleichen (am nächsten kommt ihm vielleicht der Belgier Harry Kümel). Und anders als viele seiner Zeitgenossen (ich denke da an die ganzen Italiener) ist er in Deutschland bis heute ziemlich vernachlässigt worden: LES DÉMONIAQUES ist hierzulande schändlicherweise nie veröffentlicht worden. Ich schätze, ich werde eine kleine Retro starten … sofern mir mein Töchterchen die Zeit dafür lässt, natürlich. 🙂

Eine junge Frau fährt in das verschlafene Küstenstädtchen Pointe Dune, um dort ihren Vater – einen Künstler – zu besuchen, der sich seit längerer Zeit nicht mehr gemeldet hat. Doch der Vater ist verschwunden und in dem Ort gehen merkwürdige Dinge vor sich: Die Einwohner scheinen allesamt unter fremdem Einfluss zu stehen und auf die Ankunft von etwas zu warten …

In meinem Text zu dem in Kürze erscheinenden THE HOUSE OF THE DEVIL von Ti West, hatte ich diesen mit US-amerikanischen Low-Budget-Horrorfilmen der Siebzigerjahre verglichen, denen ich die Eigenschaft „ultradoomslow“ zuschrieb, ohne jedoch einen Film als Beleg heranzuziehen. MESSIAH OF EVIL (den ich jetzt zum ersten Mal gesehen habe) wäre eine geeignete Referenz gewesen, denn obgleich seine ausgesprochen geschmackvollen und versierten Bildkompositionen ihn von rohem, billigem Exploitationschund deutlich abheben, hat er doch diese gewisse Langsamkeit, die bei den gelungenen Vertretern dieser Stilrichtung ganz entscheidend zur Schaffung einer fremdartigen, unangenehmen Atmosphäre beiträgt, die oft so viel mehr wert ist als ein besonders ausgeklügelter Plot. Auch wenn sich die Bedrohung in MESSIAH OF EVIL doch recht konkret manifestiert: Man hat immer den Eindruck, dass die Kamera nicht alles einfängt, das Ausmaß des Grauens nur andeutet und – was noch wichtiger ist – dass die Kamera als erzählende und organisierende Instanz keine ausreichende Erklärung für die Vorgänge liefern kann.

MESSIAH OF EVIL ist wirklich sehr beunruhigend und seine beiden besten Szenen machen mit zwei bedeutenden amerikanischen Zivilisationstempeln – dem Supermarkt und dem Kinosaal – das, was Hitchcock in PSYCHO mit der Dusche machte. Was MESSIAH OF EVIL aber von einem „nur“ effektiven Grusler zu einem sehr guten und vor allem auch filmisch spannenden Werk macht, ist seine formale Gestaltung. Neben der unheimlichen Tonspur muss seine visuelle Seite gelobt erden: Ob das das über und über mit (unheimlicher) moderner Malerei garnierte Haus des Vaters ist, die Trostlosigkeit der Innenstadt von Pointe Dune, das geradezu einer Lovecraft-Geschichte entsprungen zu sein scheint, oder die ziellos durch die Straßen wankenden Einwohner: Huyck und Katz ist es perfekt gelungen, eine Welt abzubilden, die zwar nur ein kleines Bisschen von der Normalität abweicht, aber trotzdem unmissverständlich klarzumachen, dass dieses kleine Bisschen auf sehr dramatische Vorgänge hindeutet. Ein Vergleich, der sich mir beim Gucken immer wieder aufdrängte: MESSIAH OF EVIL ist der Film, den Dario Argento vielleicht gemacht hätte, wenn er ein amerikanischer Genrefilmer gewesen wäre.

Selma Elisabeth

Veröffentlicht: Januar 20, 2010 in Über mich

Es sind nur ein paar Tage vergangen seit meinem letzten Blogeintrag, doch in dieser kurzen Zeit hat sich für mich fast alles verändert: Meine liebe Gattin Leena hat mir am vergangenen Sonntag eine kleine Tochter geschenkt und mich zum Vater gemacht. Selma Elisabeth heißt die Kleine, die doch eine ganz Große ist.

Als Rocky Balboa endlich den Boxweltmeister-Gürtel in die Höhe recken durfte, hat er sinngemäß gesagt: „Neben der Geburt meines Sohnes ist das das absolut größte Erlebnis in meinem Leben.“ Ich bin weder Boxweltmeister noch habe ich bisher etwas Vergleichbares geleistet. Was die Geburt meiner Tochter mir bedeutet, was diese Erfahrung mit mir gemacht hat, kann man sich dann vielleicht vorstellen.

Ich will nicht lang rumschwadronieren: Ich würde nichts wesentlich anderes sagen als andere Eltern. Und ich bin erst seit drei Tagen Papa, will mir also nicht anmaßen, dass alles schon gecheckt zu haben. Ich bekomme nur jeden Tag einen Hauch mehr der Ahnung davon, was das alles bedeutet. Und es ist großartig.

Und nun das Wichtigste: mein kleines Mädchen: