the taking of pelham one two three (joseph sargent, usa 1974)

Veröffentlicht: Januar 2, 2010 in Film
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Vier Männer steigen in eine New Yorker U-Bahn, bringen diese in ihre Gewalt und drohen damit, die Insassen zu exekutieren, wenn ihrer Lösegeldforderung nicht nachgekommen wird. Von der Kommandozentrale aus leitet der für die U-Bahn verantwortliche Lieutenant Garber (Walter Matthau) die Ermittlungen und führt die Verhandlungen mit den Entführern, die von dem zu allem entschlossenen „Mr. Blue“ (Robert Shaw) angeführt werden. Und der ist zu keinerlei Kompromiss bereit. Die Zeit wird knapp …

Der soeben von Tony Scott neu aufgelegte THE TAKING OF PELHAM ONE TWO THREE verkörpert die Vorzüge des urbanen Crime- und Polizeifilms der Siebzigerjahre in Reinkultur. Sargents quasidokumentarischer Ansatz, von dem ausgehend er die Vorgänge minutiös und scheinbar objektiv beobachtet und seine Aufmerksamkeit dabei abwechselnd den Ereignissen in der U-Bahn und der Kommandozentrale widmet, erzeugt Dringlichkeit und Unmittelbarkeit und verstärkt dabei das Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht, das den Zuschauer mit Lt. Garber verbindet. Dieser verkörpert weniger den toughen Außenseiter und Großstadtritter, den man etwa aus den DIRTY HARRY-Filmen kennt, sondern ist ein einfacher Beamter, der den Bösewichtern durch Erfahrung, Kombinationsgabe und eine gewisse Bauernschläue (man beachte nur seinen den Film abschließenden Blick, als er den letzten der Räuber fasst) auf die Schliche kommt, statt durch Beugung der Regeln und unerbittliche Härte. Sargents Film erzählt auch von einer Zeit, als der Terror und die Willkür, mit der er zuschlägt, noch nicht so sehr im Bewusstsein verankert waren, wie das heute unzweifelhaft der Fall ist. Es bedarf eines kühlen Denkers wie Garber, um ein Problem zu lösen, auf das niemand wirklich vorbereitet ist und für das es eben noch keinen Präzedenzfall gibt. Das verleiht THE TAKING OF PELHAM ONE TWO THREE gerade aus heutiger Sicht noch Relevanz – mal davon abgesehen, dass er einfach sauspannend ist.

Inszenatorisch passt sich THE TAKING OF PELHAM ONE TWO THREE  seinem lakonischen Helden an: Auch er wartet nicht mit spektakulären Effekten und Taschenspielertricks auf, sondern überzeugt vielmehr mit fachmännischer Beherrschung des Filmhandwerks und dem effizienten Einsatz der Mittel. Kamera, Ton und Schnitt harmonieren perfekt, mehr ist nicht nötig. Das hat wohl auch Tarantino zu honorieren gewusst, der Sargents Film in RESERVOIR DOGS Tribut zollt: Die Idee, seine Verbrecher nach Farben zu benennen, stammt nämlich von hier.

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