less than zero (marek kanievska, usa 1987)

Veröffentlicht: Januar 5, 2010 in Film
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Brett Easton Ellis hat mit seinem Roman „American Psycho“ alles über die Achtziger gesagt, was es zu sagen gibt – und gleich die passende Sprache dazu miterfunden: den endlosen, selbstverliebten Stream-of-Consciousness eines serienmordenden, Phil Collins hörenden, zu Horrorvideos masturbierenden und Marken fetischisierenden Wall-Street-Brokers. Dass Ellis diesen ideellen wie materiellen Erfolg nicht mehr wiederholen konnte (obgleich der direkte Nachfolger „Glamorama“ ebenfalls sehr lesenswert ist) verwundert angesichts der Genauigkeit, mit der er den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf traf, kaum. Was sollte er diesem Werk auch noch hinzufügen?

LESS THAN ZERO basiert auf seinem gleichnamigen Erstlingswerk, das ich zwar noch nicht gelesen, dessen Urheber ich in Kanievskas Film aber trotzdem wiedererkannt habe. Da sind die neonfarbene Kälte, die Partys, die Drogen, der Sex, die Designerklamotten und Luxusartikel auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite die innere Leere, die Perspektivlosigkeit, die Sehnsucht nach der Liebe und dem Sinn, die Unfähigkeit, diese zu finden oder sie festzuhalten, wenn sie sich denn offenbaren. Clay (Andrew McCarthy) liebt Blair (Jamie Gertz) und beide lieben sie ihren besten Freund Julian (Robert Downey jr.), der sich jedoch immer tiefer in die Drogensucht und die Abhängigkeit von Dealer Rip (James Spader) verstrickt. Beide wollen sie ihrem Freund helfen, doch letztlich sind sie hilflos in einer Welt, in der Nächstenliebe gänzlich abwesend ist, alle nur damit beschäftigt sind, den nächsten Kick zu suchen.

LESS THAN ZERO hat mich mit seinen wunderbar komponierten Bildern kalter Oberflächen und dem aus New Wave und US-Postpunk kompilierten Soundtrack sehr mitgerissen. Mit seiner Besetzung entpuppt er sich als unverhohlener Gegenentwurf zu den wesentlich braveren Brat-Pack-Filmen seiner Zeit. Man vergleiche ihn nur mit dem thematisch ähnlich gelagerten ST. ELMO’S FIRE von Joel Schumacher, dessen selbstmitleidiges Ennui neureicher Schnösel gegenüber der existenzialistischen Verzweiflung von LESS THAN ZERO gnadenlos als Lifestyle enttarnt wird. Leider hält Kanievska die verstörende, dissoziative Qualität der ersten Hälfte mit ihren Rückblenden, und „leeren“ Szenen nicht bis zum Ende, lässt seinen Film dann doch irgendwann in ein relativ herkömmliches Jugend-Drogen-Drama münden, das die Narration über die Form siegen lässt und sich den Niederungen des affirmativen tearjerkings, die er vorher so tapfer vermieden hatte, nur noch knapp (und nicht zuletzt dank der Leistung Robert Downey jrs.) entzieht. Kalt lässt LESS THAN ZERO aber trotzdem nicht. Und weil er zudem längst nicht dem Kanon der Achtzigerfilme zuzurechnen ist, mithin also als unterrepräsentiert gelten darf, lohnt er die Entdeckung.

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