north by northwest (alfred hitchcock, usa 1959)

Veröffentlicht: Januar 5, 2010 in Film
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Der Werbefachmann Roger O. Thornhill (Cary Grant) ist erfolgreich: Im Beruf ebenso wie bei den Frauen. Trotzdem hat er sich von seiner strengen Mutter nie wirklich emanzipiert und die Furcht vor der Mama treibt ihn dann geradewegs zwischen die Fronten des Kalten Krieges. Eigentlich will er nämlich nur ein Telefonat führen, um einen Konflikt mit der Mutter zu vermeiden, doch sein Ruf nach dem Hotelboy erfolgt genau im falschen Moment. Schon wird Thornhill vom Feind mit dem Superagenten George Kaplan verwechselt und dass dieser gar nicht wirklich existiert, sondern nur eine vom CIA zur Verwirrung des Gegners aufgebaute Scheinexistenz ist, macht die Sache nicht eben einfacher, im Gegenteil. Dass es Kaplan also gar nicht gibt, bedeutet aber auch, dass niemand beweisen kann, dass Thornhill nicht Kaplan ist. Und das wird von der Gegenseite im konsequenten Umkehrschluss als ausreichender Beweis dafür genommen, dass Thornhill nur Kaplan sein kann. Dieses Dilemma führt Thornhill nicht nur quer durch die USA, sondern auch in die Arme der verführerischen Eve (Eva Marie Saint): Die sich anbahnende Liaison ist aber kaum weniger kompliziert …

Auch wenn Hitchcock hier sehr in die Breite inszeniert (siehe auch den Spruch auf dem links abgebildeten Poster): Die zentrale Szene des Films spielt in einem Zugabteil, in dem Thornhill und Eve miteinander im zärtlichen Clinch liegen. Das Handwerk der Spionage ist schon oft mit dem der Liebe verglichen worden, vielleicht ist Hitchcock der erste, der diesen Gedanken in Bilder übersetzt hat. Wenn Thornhill und Eve sich anziehen und abstoßen, belügen und versöhnen, in ihrer Turtelei im Zugabteil die Rollen von Dominanz und Unterwürfigkeit beinahe sekündlich wechseln, wird klar, dass es in NORTH BY NORTHWEST nur an der Oberfläche um politische Konflikte geht, diese Konflikte nur nach außen kehren, was sich im Inneren abspielt. Auch wenn Hitchcock also, wie ich oben schrieb, in die Breite inszeniert – UN-Hauptquartier, ein endloses Maisfeld im Mittelwesten, Mount Rushmore: Sein Blick ist dabei nach innen gekehrt.

Über alles Weitere schreibt man entweder ganze Aufsätze oder schweigt. Ich entscheide mich für letzteres. Nicht nur aus Faulheit.

Kommentare
  1. Thomas Hemsley sagt:

    Schade, dass du dich wie so oft dazu entscheidest, im Angesicht von Erhabenheit/Größe zu schweigen (?), denn du hast einen tollen Anfang für einen Essay schon abgeliefert. Wie wär´s wenn du mal Essays über alle Filme schreibst, über die du laut diesem Blog hier nicht schreiben willst, oder glaubst nicht schreiben zu können;-)

    • Oliver sagt:

      Es ist eben nicht so einfach über solche Meilensteine der Filmgeschichte zu schreiben: Nicht nur wegen der Ehrfurcht vor dem Werk, sondern auch, weil man ja gegen einen riesigen Berg von Sekundärliteratur und Rezeptionsgeschichte anschreibt, den man gar nicht im Einzelnen kennt. Ich halte mich dann lieber zurück, weil mir die Gefahr, etwas entsetzlich Blödes zu schreiben oder bereits Geschriebenes zu reproduzieren, zu groß erscheint. Und dann ist da ja auch immer die Tagesform. Mir fällt sowieso nach fast jedem Text noch etwas ein, was ich eigentlich auch noch gesagt haben wollte, aber dann vergessen habe. Und bei solchen Meisterwerken kann dieses Verhältnis zwischem dem, was man gesagt hat, und dem, was man eigentlich auch noch hätte sagen müssen, ziemlich aus den Fugen geraten. Glaub mir: Wenn ich meine, etwas zu sagen/zu schreiben zu haben, dann tue ich das. Wenn nicht, ist es besser, mich in Zurückhaltung zu üben. Da bleibt dann Raum für einen späteren Text. Aber nichts ist schlimmer, als irgendwann auf einen Haufen von Texten zurückblicken zu müssen, der einem peinlich ist. Na gut, es gibt natürlich deutlich schlimmere Sachen, aber du weißt, was ich meine. 🙂

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