fiend without a face (arthur crabtree, großbritannien 1958)

Veröffentlicht: Januar 11, 2010 in Film
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Die Bewohner eines kleinen Dorfes, in dessen Nähe sich eine amerikanische Militärbasis sowie ein dazugehöriges Atomkraftwerk befinden, kommen auf merkwürdige Weise ums Leben: Ihre Leichen werden mit vor Angst verzerrtem Gesicht aufgefunden, Hirn und Rückenmark sind durch zwei kleine Öffnungen förmlich ausgesaugt. Man vermutet, dass Radioaktivität die Ursache hinter den Todesfällen ist, doch die zuständigen Militärs, allen voran der aufrechte Major Cummings (Marshall Thompson), beteuern das Gegenteil. Die Ermittlungen führen ihn zu dem Wissenschaftler Prof. Walgate (Kynaston Reeves), dessen Experimente das Ziel haben, Gedanken in Materie zu verwandeln …

FIEND WITHOUT A FACE ist ein kleiner Kultklassiker des eher trashigen Zweigs des Science-Fiction-Films der Fünfzierjahre und als britischer Vertreter zudem ein Kuriosum innerhalb dieses Genres. So sehr auch immer wieder versucht wird, den Anschein aufrechtzuerhalten, das Geschehen sei in Kanada verortet und die Protagonisten seien Nordamerikaner, die Locations, die Darsteller und der gemessen an amerikanischen Trashfilmen derselben Zeit so gelassene und würdevolle Ton des Ganzen lassen keinen Zweifel an seiner wahren Herkunft. In den ersten zwei Dritteln des 75-minütigen Films passiert aufreizend wenig, mit einer Engelsgeduld wird die sehr epigonale Geschichte entwickelt, bis FIEND WITHOUT A FACE dann in den letzten 20 Minuten das Gaspedal bis zum Boden durchtritt und sich in das Tohuwabohu verwandelt, das ihm seinen bis heute gültigen Status beschert hat (er hat es sogar ins Programm von Criterion geschafft!). Die titelgebende Gefahr sind materialisierte Gedanken, die durch die Atomenergie befeuert werden und Hirn als Nahrung brauchen. Der Clou ist ihr Design: Die armen Opfer des Films werden von fliegenden Plastikhirnen mit Fühlern und einer sowohl der Fortbewegung als auch als Waffe dienenden Wirbelsäule angegriffen, der Film darf somit als konkrete filmische Umsetzung der bekannten Redensart „Herr, lass Hirn vom Himmel fallen!“ angesehen werden. So bescheuert das klingt, so niedlich ist die dank wunderbarer Stop-Motion-Technik ausgesprochen gut gelungene Umsetzung. Ist FIEND WITHOUT A FACE auch nicht übermäßig aufregend, so darf man ihm doch einen nicht geringen Einfluss auf das Genrekino unterstellen: Die „Fiends“ erinnert nicht wenig an den „Facehugger“ aus ALIEN, das Finale mit dem von Hirnen belagerten und mit Brettern verbarrikadierten Haus an Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD, die krude Kombination aus Stop-Motion-Animation und Splatter (die Hirne bluten hübsch dekorativ und zerschmelzen am Ende gar) an Raimis THE EVIL DEAD. Ohne grölende Freunde und Dosenbier kein allzu großer Aufreger – dafür ist der Film einfach zu britisch -, aber doch rundum sympathisch und sehenswert.

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Kommentare
  1. Alex sagt:

    Ha, endlich kann ich hier mal Widerworte geben, auch wenn ich dafür eine Pauschalisierung aus dem Text herauslese, die so vermutlich gar nicht intendiert war. 😀
    Möchte nämlich eine Lanze brechen für den britischen SF-Film gerade auch dieser Periode. FIEND ist zwar ähnlich wie FIRST MAN INTO SPACE ziemlich ungeschickt, was die Vortäuschung falscher geographischer Tatsachen betrifft, aber es gibt so einige, die glücklicherweise in Britannien angesiedelt sind und vergleichbare US-Produktionen bei ähnlichen Budgets in Sachen Qualität locker in die Tasche stecken. Ich denke da vor allem an die QUATERMASS-Trilogie, deren letzten Teil ich ja sogar für den besten SF-Film aller Zeiten halte, wobei ich mir bewußt bin, damit eine Minderheitenmeinung zu vertreten…

    • Oliver sagt:

      Hi Alex!

      Da hast du Recht, die QUATERMASS-Filme habe ich völlig vergessen und würde dir bei deren Bewertung durchaus beipflichten. Ich hatte an den schwer grützigen (wenn auch ganz lustigen) THE BODY STEALERS gedacht, der aber knappe zehn Jahre später entstanden ist (ist in der Tigon-Sargbox von Anchor Bay enthalten). Was den Briten abgeht, ist eben dieses schrill-hysterische, das vergleichbare US-Filme auszeichnet. Das ist keineswegs schlimm, sorgt bei FIEND aber eben für ein etwas niedrigeres Erregungspotenzial. Es kommt drauf an, was man erwartet: Wenn man so einen saftigen Baddie aus dem Drive-in-Kino haben will, ist FIEND m. E. nicht der richtige Kandidat. Das darf man aber durchaus als Lob verstehen.

      • Alex sagt:

        Ouh, THE BODY STEALERS, der ist in der Tat eine gnadenlos ereignisarme Stinkmorchel. Schon in Gedanken daran wollen mir wieder sanft die Äuglein zufallen. Ansonsten gebe ich dir recht: Die Briten sind einfach zu sophisticated, um sich in Hysterie zu überschlagen. Eine Ausnahme dürfte der recht wahnwitzige THE FROZEN DEAD sein, für dessen Hauptrolle man aber auch extra einen Alkoholiker aus Amiland hat einfliegen lassen.

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