se sei vivo spara (giulio questi, italien/spanien 1967)

Veröffentlicht: Januar 13, 2010 in Film
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In der (un)beliebten Rubrik „Der richtige Film zur falschen Zeit“ präsentiere ich heute Giulio Questis psychedelischen Nihilowestern SE SEI VIVO SPARA, zu deutsch schlicht, aber treffend TÖTE, DJANGO! Der als finsterer Klassiker seines Genres geltende Film steht dank zahlreicher wohlwollender bis euphorischer Texte schon seit vielen, vielen Jahren auf meiner Sichtungsliste. Lang hat es gedauert, bis ich des Films habhaft werden konnte, dann sind noch einmal paar Jahre ins Land gezogen, in denen ich auf den richtigen Zeitpunkt für eine Sichtung gewartet habe. Manchmal ist dieses Warten eine durchaus gute Strategie, manchmal verpasst so aber auch den richtigen Zeitpunkt. Wenn man Pech hat, ist so ein Film dann für einen verloren. Ich habe die Befürchtung, SE SEI VIVO SPARA ist für mich so ein „verlorener Film“. Ich tue mich nun schon seit einiger Zeit schwer mit Italowestern, die ich eine Zeit lang mal sehr geliebt habe, die ich aber irgendwie „durchschaut“ zu haben glaube. Sie überraschen mich nicht mehr, langweilen mich aber oft. Und Questis Film hatte es besonders schwer, den in all den Jahren angewachsenen Erwartungen standzuhalten. So nihilistisch und düster er auch sein mag: Irgendwie erschien er mir dann doch recht brav, der lange und sehr ruhige Mittelteil war mir persönlich viel zu lang und zu ruhig und seine sadistischen Höhepunkte kannte ich alle schon vom Hörensagen. So schwand schon bei der Sichtung die Konzentration und statt den Film ehrlich zu verfolgen, habe ich darauf gewartet, dass er zu Ende geht.

Natürlich ist SE SEI VIO SPARA alles andere als ein schlechter Film und dass er mir nicht reinlaufen wollte, liegt zu einem nicht unerheblichen Teil an mir: Seine begeisternde erste halbe Stunde reißt die für den Italowestern typische Rachegeschichte im Schnelldurchlauf ab und es ist auch nur konsequent, dass Questi danach einen niedrigeren Gang einlegt. Der noch sehr frisch wirkende Milian agiert als  zunächst nur stiller Beobachter des mörderischen Treibens sehr überzeugend, Musik und Fotografie sind stimmungsvoll, die erwähnten psychedelischen Schnitt- und surrealen  Bildkompositionen eine Augenweide. Vielleicht muss ich ihm nochmal eine Chance geben, denn eigentlich möchte ich ja, dass er mir gefällt. Und nach dieser enttäuschenden Sichtung, kann die nächste nur besser werden. Vielleicht ist SE SEI VIVO SPARA für mich doch noch nicht verloren.

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