les démoniaques (jean rollin, frankreich/belgien 1974)

Veröffentlicht: Januar 22, 2010 in Film
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Irgendwo in einem französischen Küstenort im vorvergangenen Jahrhundert: Eine vierköpfige Bande von Strandräubern verdient sich ihren Lebensunterhalt damit, dass sie vorüberfahrende Schiffe mit Leuchtfeuern auf die tödlichen Klippen lockt und dann die Wracks ausplündert. Bei einem ihrer Raubzüge werden die Räuber – drei Männer und eine Frau – von zwei verirrten Mädchen überrascht. Da sie keine Zeugen gebrauchen können, bringen sie die beiden um; nicht jedoch, ohne sie vorher vergewaltigt, gequält und gedemütigt zu haben. Ein Fehler, denn die beiden Mädchen suchen Beistand von niemand anderem als dem Teufel persönlich, um ihre Rache zu bekommen …

Mein erster Jean Rollin nach längerer Abstinenz bedurfte einer kleinen Eingewöhnungsphase. Was seinen fünften Spielfilm von seinen bekannteren Werken unterscheidet, ist seine betont einfach gehaltene Geschichte – im Grunde ein im Fantastischen angesiedeltes Rape-and-Revenge-Drama –, die jedoch von der Rollin’schen jedoch Poesie ins Expressionistische verzeichnet und mystifiziert wird. LES DÉMONIAQUES lebt – wie eigentlich alle Rollins – in erster Linie von seinen traumgleichen Bildern: hier vor allem die zerklüftete Küstenlinie, die sich bei Ebbe in eine wüstenähnliche Marschlandschaft verwandelt, und die inmitten eines Waldes gelegene Ruine einer Abtei, in der die beiden Toten den Beistand des Teufels suchen. Apropos Teufel: Auch jener ist als solcher nicht wirklich zu erkennen, sieht eher aus wie ein Märchenprinz und bekommt zudem Hilfe von einem bärtigen Mann und einem weiblichen Clown, die unerwünschte Eindringlinge fernhalten sollen. Der Großteil des Films dreht sich jedoch weniger um die Rache der Mädchen, sondern vor allem um die Zerwürfnisse innerhalb der Räuberbande, die unter der Last ihrer Tat und den anwachsenden Verdachtsmomenten gegen sie beginnen, aufeinander loszugehen. LES DÉMONIAQUES ist trotz seiner drastischen Thematik alles andere als besonders blutrünstig und schlägt zum Ende zudem vollends ins Tragische um: Die Bösen ereilt zwar die gerechte Strafe, doch völlig anders als gedacht, und die Guten werden für ihre Güte doppelt zur Kasse gebeten, um es mal ganz prosaisch auszudrücken. Dieser Schluss ist es dann auch, der dem eher langsamen und manchmal recht ziellos erscheinenden Film nachträglich eine doch sehr entschiedene Richtung gibt.

Ich würde LES DÉMONIAQUES (noch) nicht zu den besten Arbeiten Rollins zählen, weil er mir ein bisschen zu stringent war und ich die surreale Überfülle vermisst habe, die andere Filme von ihm auszeichnet. Lust darauf, mir seine Filme einmal wieder zu Gemüte zu führen, hat er mir aber trotzdem gemacht: Rollin ist ein einzigartiger Regisseur, seine Filme sind sofort als seine erkennbar und im Kino der letzten vierzig Jahre kaum mit jemand anderem zu vergleichen (am nächsten kommt ihm vielleicht der Belgier Harry Kümel). Und anders als viele seiner Zeitgenossen (ich denke da an die ganzen Italiener) ist er in Deutschland bis heute ziemlich vernachlässigt worden: LES DÉMONIAQUES ist hierzulande schändlicherweise nie veröffentlicht worden. Ich schätze, ich werde eine kleine Retro starten … sofern mir mein Töchterchen die Zeit dafür lässt, natürlich. 🙂

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Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Kannste ’ne DVD empfehlen?

    • Oliver sagt:

      Ich habe die britische DVD von Redemption. Die haben Einiges von Rollin rausgebracht – nicht in sensationeller, aber immer in sehr akzeptabler Qualität.

  2. Funxton sagt:

    Hab‘ nochmal selbst nachgeforscht – die NL-DVD von Encore scheint ein ziemlich hübsches Stück zu sein. Glaube, die gönne ich mir mal.

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