les paumées du petit matin (jean rollin, frankreich 1981)

Veröffentlicht: Januar 24, 2010 in Film
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In einem Sanatorium trifft die aufmüpfige Michelle auf die in sich gekehrte, verschlossene Marie. Gemeinsam fliehen sie aus der Gefangenschaft und begeben sich auf die Reise. Im Publikum eines Schaustellers treffen sie schließlich auf Sophie, die davon träumt, mit ihrem Freund, dem Seefahrer Pierrot, auf große Fahrt zu gehen und ihre Heimat hinter sich zu lassen. Sie ringt Pierrot das Versprechen ab, auch die beiden Mädchen mitzunehmen: Doch dazu wird es nicht kommen …

LES PAUMÉES DU PETIT MATIN galt bis vor kurzem als der „verlorene“ Film Rollins. Auf den Vorschlag eines Produzenten, es doch einmal mit einem realistischeren Stoff zu versuchen, verfilmte Rollin das Drehbuch von Jacques Ralf, dessen Vorstellungen von Kino denen Rollins jedoch diametral entgegenstanden und das Projekt von Beginn an unter einen schlechten Stern stellten. Rollin verlor kurz nach Fertigstellung das Interesse an dem für ihn unbefriedigend geratenen Film, der dann auch keinen Verleih fand und in den Archiven verstaubte. Erst vor ein paar Jahren erfuhr er seine Veröffentlichung, als ein Fernsehsender ein Paket von mehreren Rollin-Filmen kaufte, in dem dann eben auch dieser enthalten war. Auf der britischen Redemption-DVD, die den Film unter dem Titel THE ESCAPEES präsentiert, spricht ein mittlerweile mit dem Film versöhnter Rollin über die Schwierigkeiten, die LES PAUMÉES schließlich scheitern ließen: Das positivste, was er über ihn sagen kann, ist jedoch auch heute noch, dass er „not bad“ sei.

Das trifft es auch ganz gut. Tatsächlich ist LES PAUMÉES zwar keineswegs schlecht, aber doch ein Film der vergebenen Möglichkeiten: Aus der eigentlich Rollin-typischen Ausgangssituation, die doch ideal in ein surreales Road Movie hätte münden können, macht das Drehbuch viel zu wenig. So hat man den Eindruck, dass die Handlung über weite Strecken auf der Stelle tritt. Die gespreizten Dialoge unterwandern den „realistischen“ Anstrich des Szenarios zusätzlich und lassen LES PAUMÉES etwas unentschlossen zwischen Poesie und kühlem Sozialrealismus pendeln. Doch wie Rollin richtig sagt, ist sein Film „not bad“: Man spürt die Sensibilität des Regisseurs, die sich in märchenhaften Szenarien wie dem einer nächtlichen Varieté-Veranstaltung inmitten einer brachliegenden Bahnlandschaft widerspiegelt und die Flucht aus dem Sanatorium nicht realistisch abbildet, sondern vielmehr zu einer Metapher überhöht.

Rollin-Verehrer werden mit LES PAUMÉES durchaus etwas anfangen können, zumal auch treue Weggefährten wie Brigitte Lahaie vorbeischauen und dem Film den Rollin-Stempel aufdrücken. Mir hat er durchaus gefallen, auch wenn das vielleicht eine ketzerische Meinung ist. Aber allein die Tatsache, dass er erst jetzt der breiten Öffentlichkeit zugänglich ist, macht ihn doch eigentlich zu einer Pflichtveranstaltung.

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