stick (burt reynolds, usa 1985)

Veröffentlicht: Februar 4, 2010 in Film
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Ernest „Stick“ Stickley (Burt Reynolds) kehrt nach mehrjähriger Haftstrafe wegen bewaffneten Raubüberfalls nach Miami zurück, wo ihn schon sein alter Knastkumpel Rainy (José Pérez) erwartet. Obwohl Stick nun endlich sauber bleiben will, erklärt er sich bereit, Rainy bei einer Geldübergabe für den schmierigen Drogendealer Chucky (Charles Durning) beizustehen, schließlich kann er das Geld, das dabei für ihn abfallen soll,  gut gebrauchen. Doch bei der Übergabe wird Rainy hinterrücks erschossen und plötzlich steht Stick auf der Abschussliste sowohl Chuckys als auch des kolumbianischen Drogenzars Nestor (Castulo Guerra). Um seinen Namen reinzuwaschen und Rainys Tod zu rächen, ergattert er einen Posten als Chauffeur bei dem eitlen Filmproduzenten Barry Braham (George Segal), einem „Gangster-Groupie“, der mit Chucky in Kontakt steht …

Die literarische Vorlage, Elmore Leonards „Stick“, habe ich vor etwas mehr als zwei Jahren während eines Urlaubs geradezu verschlungen. Es war eines dieser Bücher, die man eher durch Zufall in einer ausländischen Buchhandlung erwirbt, weil die Urlaubslektüre früher als geplant durchgelesen ist und die einen dann vollkommen fesseln. Leonard, einer der großen amerikanischen Crime-Schriftsteller, der die Hardboiled-Tradition von Autoren wie Dashiell Hammett, Raymond Chandler oder auch Mickey Spillane in der Gegenwart fortsetzt, zeichnet sich vor allem durch einen (seinen Vorgängern weitestgehend abgehenden) Sinn für Humor und ein ausgesprochen gutes Gespür für gleichermaßen authentisch anmutende wie spritzige Dialoge aus. Seine Protagonisten sind meist Gangster, gestandene Kerle, die wissen, was sie wollen, aber nie vollkommen abgestumpft sind. Sie sind „cool“, ohne sich selbst allzu toll zu finden. In diesem Zusammenhang mag die Besetzung einer Leonard-Figur mit Burt Reynolds problematisch erscheinen, zumal jener sich als Stick dann auch noch selbst inszeniert. Reynolds, einer der größten Filmstars der Siebzigerjahre, Sportstar, Hardbody, Frauenschwarm und Pin-up-Model, war Mitte der Achtzigerjahre von seinen schauspielerischen Glanzzeiten längst weit entfernt und sein Mackertum hatte entschiedene Schlagseite Richtung Geckenhaftigkeit bekommen. Sein „Bandit“ aus den SMOKEY & THE BANDIT-Filmen ist so ziemlich das krasseste Gegenteil, das man sich zu einem Elmore-Leonard-Helden vorstellen kann: ein selbstverliebter Schwätzer mit Schnauzbart, der mit Cowboyhut, Cowboystiefeln und getuntem Boliden amerikanischen Chauvinismus in Reinkultur verkörpert. Schlitzohrigkeit: ja, Weisheit: entschieden nein.

Umso erstaunlicher, dass STICK dem Roman von Leonard keine Schande macht – was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass der Autor selbst am Drehbuch mitarbeitete. Reynolds ist zwar immer noch vollkommen obercool, lässt echte Spannung somit gar nicht erst aufkommen, hält sich aber dennoch sichtbar zurück. Der Humor der Vorlage geht STICK ab, dafür liefert Kameramann Nick McLean aber herrlich geleckte Bilder, die deutlich von der damals schwer angesagten MIAMI VICE-Neonästhetik beeinflusst sind, und Komponist Barry DeVorzon lässt Synthiebässe und die mit mächtig viel Reverb belegten Drums wummern, dass Achtzigerfreunden nur so das Herz aufgeht. Erstaunlich auch, welch namhaftes Personal sich hier die Klinke in die Hand gibt: Neben den genannten ist auch Candice Bergen mit von der Partie. Man kann gewiss nicht behaupten, STICK sei mit geringen Ambitionen heruntergekurbelt worden. Obwohl er bestimmt keine vergessene Perle ist, die es unbedingt wiederzuentdecken gälte, war er viel, viel besser als ich erwartet hatte. Einziger Schwachpunkt: Der mit einem albernen Toupet zu totalen Witzfigur degradierte Charles Durning. Da schimmert dann doch das Geckenhafte durch …

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