the friends of eddie coyle (peter yates, usa 1973)

Veröffentlicht: Februar 4, 2010 in Film
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Eddie „Fingers“ Coyle (Robert Mitchum) ist ein wiseguy, ein alter Hase im Geschäft des organisierten Verbrechens, aber einer, dem der große Wurf nie gelungen ist; kein Boss, keine Legende, nur ein Fußsoldat, der vom Glanz und Glamour nie etwas abbekommen hat und der nun einem unrühmlichen Ende seiner kriminellen Karriere entgegensieht: Einem dummen Fehler hat er es zu verdanken, dass er auf seine alten Tage noch einmal in den Knast wandern könnte, was er auf jeden Fall vermeiden möchte. Gemeinsam mit seiner pummeligen Frau, mit der er ein rührend durchschnittliches Leben führt, möchte er sich viel lieber in Miami zur Ruhe setzen. Ein letztes krummes Ding – er vertickt Schusswaffen an seinen alten Kumpel Jimmy Scalise (Alex Rocco), der damit eine Reihe von Banküberfällen begeht, an deren Ertrag er Eddie beteiligt – soll ihm das nötige Kleingeld einbringen.

Aber auf dem Weg dorthin gibt es einige Hindernisse zu überwinden: Der junge Jackie (Steven Keats), von dem Eddie die Waffen kauft, ist selbst in den Blick des FBI geraten, und der Beamte Dave Foley (Richard Jordan), den Eddie hin und wieder mit Informationen versorgt, versucht nur halbherzig, Eddie als Gegenleistung von seiner anstehenden Haftstrafe zu befreien. Eddies einzige Chance ist es, ihm einen dicken Fisch zu liefern. Doch zur Ratte, die Freunde verrät, taugt Eddie nicht. Aber da ist noch eine andere Person im Bunde, die ein Doppelspiel spielt …

Die Klarheit, durch die sich BULLITT auszeichnete, ist hier nur noch im Blick des Regisseurs Yates wiederzufinden, aber der richtet sich auf eine Welt, in der jeder einer verdeckten Agenda nachgeht, keiner das ist, was er zu sein vorgibt, und Loyalität und Ehrlichkeit nichts mehr sind als Masken, die man aufsetzt, wenn es die Situation erfordert, und wegwirft, wenn die Zeit gekommen ist. Das war auch in BULLITT schon ähnlich, aber da gab es eben noch den Titelhelden, der mit seinem stählernen Blick in der Lage war, durch den bullshit hindurchzublicken und zumindest vorübergehend klare Verhältnisse zu schaffen.

In THE FRIENDS OF EDDIE COYLE ist das anders: Hier glaubt jeder nur noch, Herr der Lage zu sein, doch was tatsächlich abgeht, entzieht sich dem Verständnis fast aller Protagonisten. Das ist wohl der größte Unterschied zu BULLITT: Wo jener einen souveränen Protagonisten vorzuweisen hatte, der die Herrschaft über den Film schon im Titel übernahm, da gibt es nun gar keinen Protagonisten mehr. Es gibt nur noch die Freunde von Eddie Coyle – und die meisten dieser Freunde sind gar keine. Und mit dieser Pluralität franst auch Yates‘ Film in ein Kaleidoskop verschiedener Geschichte verschiedener Figuren aus, anstatt einer Person und einem Weg zu folgen. THE FRIENDS OF EDDIE COYLE: Mit der Art, wie der Titel des Films einen Protagonisten benennt, diesen aber gleichzeitig zum Objekt degradiert, macht er seine Marschroute sehr deutlich. Eddie Coyle steht zwar im Fokus des Films, er ist sein Zentrum, aber er ist niemals dessen Subjekt. Das lässt sich schon an der Filmzeit ablesen, die Yates ihm zugesteht und die recht paritätisch auf alle Figuren des Films verteilt ist, aber auch daran, dass Eddie, der doch nach erzählerischer Konvention derjenige sein sollte, der das Geschehen lenkt, vielmehr derjenige ist, dem das Geschehen wiederfährt.

Der Pessimismus und die Resignation, die in BULLITT noch schwebende Zustände waren, sich noch nicht mit aller Bleischwere auf ihre Figuren gelegt hatten, ist in THE FRIENDS OF EDDIE COYLE nun nicht mehr länger zu leugnen. Die Zeit der großen Coups, der ehrlichen Ganoven und der honor among thieves, ja überhaupt des Glaubens daran, die Dinge überblicken und zu seinen Gunsten beeinflussen, wenn nicht gar lenken zu können, ist endgültig vorbei und Eddie, der in einem anderen Film zu einer anderen Zeit noch ein Held hätte sein dürfen, ist hier letztlich nur ein Ritter von der traurigen Gestalt. Sein Ende ist jämmerlich und traurig zugleich: Aber wenigstens wird ihm diese Tatsache immer verborgen bleiben. Eine größere Belohnung hält das Leben nicht mehr bereit.

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