cyborg cop (sam firstenberg, usa 1993)

Veröffentlicht: Februar 6, 2010 in Film
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Die beiden Cops des DEA Jack (David Bradley) und Philip (Todd Jensen) – ersterer ein ewig verschwitzt glänzender Vollprolet, der mit Jeans, Cowboystiefel, Lederjacke und Muskelshirt auf die Welt gekommen zu sein scheint, letzterer der bepopperscheitelte Bruder Jacks, Typ: „Im Windschatten meines stärkeren Bruders kann ich mir alles erlauben.“ – werden aufgrund ihrer ruppigen Arbeitsweise die „Double-Trouble-Cops“ genannt. Vielleicht aber auch nur, weil sie beide zusammen mit ihren aus dem Spielzeugladen geklauten Schirmkäppis so aussehen, als könnten sie jede Schwulenbar zum Überkochen bringen. Jedenfalls erledigen beide gemeinsam in den ersten drei Minuten gleich mal einen Psychopathen, der sich jedoch als Sohn einer berühmten Publizistin entpuppt, was den beiden ungeliebten Cops die sofortige Suspendierung einbringt. Und einer blonden Journalistin, die mit ihrem gesamten Fernsehteam noch vor dem Rettungswagen am Tatort ist, eine fette Story. Wir werden ihr später wiederbegegnen: Das ist kein Versprechen, sondern eine Drohung.

Weil Jack aber einen schicken ledernen Bauchbeutel hat, den er nie ablegt, und Philip ein grienendes Balg, macht ihnen die Arbeitslosigkeit nichts weiter aus. Lieber erstmal Billard spielen gehen, wie Kerls das nunmal machen, wenn sich ein stressiger Tag dem Ende zuneigt. Um sich selbst geil zu finden, braucht man eben keinen Job. Zumal Zappel-Philip, ewig auf der Suche nach Action, gleich das nächste heiße Eisen im Feuer hat (niemand verlangt schließlich so sehr nach sofortiger Wiedereinstellung wie ein Cop, der wegen ständiger Disziplinlosigkeit gefeuert worden ist): Auf irgendeiner mittelamerikanischen Insel sitzt der Drogenzar Kessel (John Rhys-Davies), der förmlich danach schreit, von einer Eliteeinheit voller nach Gewalt lechzender Herrenmenschen den Arsch versohlt zu bekommen. Jack hat aber leider erstmal keine Lust mehr, Menschen umzubringen, und sagt Philip ab. Der ist allein natürlich nur die Hälfte wert und fällt dann vor Ort auch Kessels neuer Erfindung zum Opfer: einem Cyborg.

Weil Philip aber ein schlaues Kerlchen ist, hat er – wissend, dass er in einem Film wie CYBORG COP neben dem feschen David Bradley dazu verdammt ist, nur die zweite Geige zu spielen – seinem Bruder schon vorab eine Nachricht hinterlegt, in der er ihn zu Hilfe ruft. Mangelndes Selbstvertrauen ist Philip anscheinend weniger fremd als ein guter Friseur. Jack macht sich sogleich auf den Weg in die Bananenrepublik, wo er – ebenfalls ein Plotstandard – schon am Flughafen der zickigen Reporterin vom Beginn des Films wiederbegegnet und fortan mit ihr verbale Nettigkeiten austauscht, die an misslungene Kindergeburtstage erinnern. Der geübte Seher solcher C-Actioner weiß jedoch: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das blonde Dummchen der todsicheren Mischung aus öligen Muckis, nichtvorhandenem Charme und fehlender sozialer Kompetenz erliegt und sich zu luriger Saxophonmusik auf den Rücken dreht. Und weil CYBORG COP nicht gerade ein Film ist, der mit der Erwartungshaltung seiner Zuschauer zu spielen wüsste, passiert genau das. Endlich nackte Brüste, mag der Leser sagen, aber leider trübt die Anwesenheit Bradleys das potenzielle Vergnügen ganz erheblich. Nein, es macht definitiv keinen Spaß, ihm beim Liebesspiel zuzusehen, man fühlt sich schmutzig, benutzt und möchte ein Frauenhaus gründen. Der zickigen Reporterin gönnt man zwar so Einiges, aber das geht dann doch zu weit.

Weil Firstenbergs Film nur knappe 90 Minuten lang ist, aber schon 50 Minuten für Exposition und das merkwürdige Balzverhalten minderbemittelter Actionfilmprotagonisten draufgegangen sind, geht am Ende alles ganz schnell. Für den Showdown schnappt sich Jack eine dicke Wumme und Granaten, klemmt sich ein Motorrad zwischen die aufgepumpten Schenkel und fährt los, dem Kessel den Dampf abzulassen. Der wohnt in einem Camp das draußen wie Ewok-Village aussieht und drinnen so, wie Labors, in denen Actionschurken mit ihren weißbekittelten Wissenschaftlerschergen Cyborgs bauen, nun einmal aussehen. Überall kleben sinnlose Bildschirme an der Wand, irgendwo steht eine gläserne Litfasssäule mit Cyborg drin herum und selbstverständlich gibt es auch Stahltreppen und -balustraden, von denen Bösewichter herunterfallen können.

Philip, mittlerweile auch ein Cyborg, erkennt natürlich seinen Bruder Jack und weigert sich, den tödlichen Befehl auszuführen, wendet sich statddessen gegen seinen Schöpfer und stirbt im Kampf gegen den Obercyborgmops. Kurz zuvor hatte Jack dieses Wunderwerk überlegener Technik – Preis zzgl. Mehrwertsteuer: 10 Millionen Dollar – noch mit einem popeligen Kurzschluss zerstören können, was Kessels Wissenschaftlern eine stressige Nachtschicht eingebracht hatte. Gut Ding will Weile haben, einen Cyborg kloppt man aber schonmal schneller zusammen, wenn sich David Bradley zum Kuchenessen angekündigt hat. Es ist also nur konsequent, dass Jack dem Cyborg-Provisorium zur Strafe mit seinem Mokick den Kopf abfährt, in einem Finalkampf, der mit das traurigste ist, was ich je in einem Actionfilm zu sehen bekommen habe. Die letzte Einstellung zeigt, wie Jack mit seiner Reporterfreundin das Balg vom Philip abholt. Zur Feier des Tages hat sich Jack dafür extra aus seinen verschwitzten Rockerklamotten gepellt und ein todschickes weißes Sakko übergeworfen, in dessen Kragen ihn bestimmt noch das Preisschild kratzt. Aber das wirft einen Kerl wie Jack natürlich nicht aus der Bahn.

Kommentare
  1. […] AMERICAN NINJA 1 & 2, AVENGING FORCE, DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME, AMERICAN SAMURAI und CYBORG COP 1 & 2), kann man indes keinen Vorwurf machen. Er liefert ansprechende Arbeit ab und […]

  2. […] T2: JUDGMENT DAY oder UNIVERSAL SOLDIER folgten stets kleinere Nachzieher wie RETALIATOR, CYBORG, CYBORG COP, CLASS OF 1999 oder der italienische VENDETTA DAL FUTURO auf dem Fuße, um nur einige zu nennen – […]

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