the island of dr. moreau (don taylor, usa 1977)

Veröffentlicht: Februar 10, 2010 in Film
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In der zweiten von – meines Wissens – drei Verfilmungen der H.-G.-Wells-Vorlage landet der Seefahrer Andrew Braddock (Michael York) nach einem Schiffsunglück auf der titelgebenden Insel des geschassten Wissenschaftlers (Burt Lancaster), der Experimente an der Erbanlage von Tieren durchführt und sie so in halbmenschliche Mischwesen verwandelt. Um die verwirrten Kreaturen in Zaum zu halten, ernennt er eine von ihnen zum „Sayer of the Law“ (Richard Baseheart), dessen Aufgabe darin besteht, die Gesetze herunterzubeten, die sie engültig zu Menschen machen sollen. Als jedoch eines dieser Gesetze gebrochen wird, kommt es auf der Insel zur Eskalation der Gewalt …

Wells Science-Fiction-Roman ist zum einen eine recht beeindruckende Antizipation der heute immer noch kontrovers diskutierten Genmanipulation, lässt sich zum anderen aber auch durchaus politisch interpretieren. Dann steht nicht mehr die Versündigung des mit einer allzu großen Hybris gesegneten Menschen an Gottes Schöpfung im Zentrum, wie sie ja alle Mad-Scientist-Filme thematisieren, sondern der kolonialistische Chauvinismus des Westens, der anderen Kulturen seine Gesetze aufzwängt und gerade so erst die Katastrophe heraufbeschwört. Egal welche Deutung man für plausibler oder interessanter hält, es ist gerade die Verbindung beider Stränge, die THE ISLAND OF DR. MOREAU so spannend macht.

Als Film ist Don Taylors Adaption jedoch nicht unproblematisch und deutet schon die Probleme an, die Richard Stanley bzw. John Frankenheimer zwei Jahrzehnte später mit ihrer Neuverfilmung haben sollten. In der konkreten bildlichen Umsetzung von Wells Ideen schwankt dieser ISLAND etwas unentschieden zwischen krudem Trash und geschmackvoller Literaturverfilmung. Ersterer Eindruck entsteht vor allem durch die Masken- und Horroreffekte, die wenig inspirierte Regie Taylors sowie die generell „skandalöse“ Geschichte, letzterer durch die Anwesenheit von Weltstars wie Burt Lancaster und Michael York, die den Film einerseits durch ihr Spiel aufwerten, andererseits aber auch etwas deplatziert wirken. Letztlich verhilft aber gerade diese Unentschlossenheit ISLAND dazu, sich im Gedächtnis zu verankern. Er ist ebenso krude wie seine tragischen Tierwesen, genauso zwischen den Extremen gefangen. Letzlich ein schöner, sehenswerter Film. Und mit seinem Tropensetting, das sowohl an diverse Europa-Horrorhörspiele wie auch an Fulcis WOODOO oder gar ZOMBIES UNTER KANNBIBALEN erinnert, hat er mich eh für sich gewonnen.

Kommentare
  1. […] NEUEN MONSTER) orientiert sich unverkennbar an der zwei Jahre vorher entstandenen Wells-Verfilmung THE ISLAND OF DR. MOREAU: Eine hier wie dort stargespickte Besetzung tummelt sich auf einem nur auf den ersten Blick […]

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