casablanca (michael curtiz, usa 1942)

Veröffentlicht: Februar 11, 2010 in Film
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Peinliches Eingeständnis: Ich habe diesen Film zum ersten Mal gesehen. Ich finde es ja immer ein bisschen schwierig, mich einem solchen Klassiker zu nähern: Wie soll man sich eine eigene Meinung bilden, wenn einem die halbe Welt schon gesagt hat, was man zu denken hat. CASABLANCA nicht zu mögen, ist schließlich ein noch viel größeres Armutszeugnis, als ihn noch nicht gesehen zu haben. Und sich hinzustellen und zu verkünden, dass er eigentlich totaler Mist, zumindest aber „überschätzt“ sei, ist ja recht unangenehmes Gepose, dass sich angesichts der Verehrung, die CASABLANCA entgegenfließt, selbst ad absurdum führte. Meine lange Enthaltung kann ich vor mir selbst wohl nur so rechtfertigen, dass ich den Zeitpunkt abpassen wollte, an dem dieser Film den bestmöglichen Eindruck bei mir hinterlassen können würde. Das ist mir – trotz gelegentlich schreiender Tochter – gelungen und ich bin überaus glücklich, CASABLANCA nun auch in mein Herz schließen zu können.

Ich will gar nicht viel mehr sagen, weil es ja eh kaum etwas hinzuzufügen gibt, was nicht schon irgendwo gesagt oder geschrieben worden wäre. Nur eines: Am besten hat mir (neben den Dialogen, der Musik, der von Tiefenschärfe geprägten Fotografie, Humphrey Bogart und natürlich Ingrid Bergman) wie Curtiz Casablanca weniger als geografisch-historischen Ort, sondern viel mehr als einen Geisteszustand zeichnet, als einen Ort ewiger Gegenwart, ohne Zukunft und Vergangenheit, an dem alle Personen in einer Warteschleife mit ungewissem Ausgang gefangen sind. Rick will sich für immer dort vergraben, um seine Wunden zu lecken, alle anderen hoffen, so schnell wie möglich von dort wegzukommen, ohne zu wissen, ob sich ihre Hoffnung erfüllen wird. Casablanca ist ein Ort ohne Horizont: Seine einzige Perspektive ist ein Matte Painting und das Wandgemälde in Ricks Café. Nur ein weiterer formaler Aspekt, dem CASABANCA seine traumwandlerische Schönheit verdankt.

Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Ja, so ist es. 🙂

  2. Es gibt für jeden Film ein „erstes Mal“ – und es ist schön, wenn man dieses erste Mal nicht nur derart zu geniessen, sondern auch in Worte zu fassen vermag. Deine Betonung des Traumwandlerischen zeigt mir wieder einmal, dass ein lange Zeit unfertiges Drehbuch sich u.U. als Vorteil für die Atmosphäre eines Produkts herauszustellen vermag, das eigentlich lediglich hätte Geld einspielen sollen – und zum Klassiker wurde.

    • Oliver sagt:

      … und es (das Traumwandlersche) liefert außerdem den Rahmen, in dem selbst vermeintliche „Insenierungsfehler“ – die Mängel in der continuity werden dem Film ja immer wieder vorgehalten – ihren Platz im Ganzen finden, anstatt dieses zu zerstören. (Mir sind sie, davon ganz abgesehen, gar nicht aufgefallen.)

      • Ich bemühe mich auch immer wieder, auf diese oft beschriebenen „Inszenierungsfehler“ zu achten und lasse mich dann – wie es eben in einem guten Traum sein soll – völlig vom Atmosphärischen einlullen. Es würde mich übrigens interessieren, was du vom Beitrag Claude Rains‘, einem von mir ausserordentlich bewunderten Schauspieler, zum Gesamtwerk hältst. Ich sah ihn erst kürzlich in „The Unsuspected“ (1947) und bin der Meinung, einzig seine Rätselhaftigkeit (was versteckt sich hinter diesem scheinbar gütigen Gesicht, das jederzeit ins Böse umkippen könnte?) mache den Film zum Ereignis – während sie etwa in „Casablanca“ oder „Notorius“ auf denkbar wirkungsvollste Weise eingesetzt wird.

      • Oliver sagt:

        Klar, wenn man einen Film mehrfach gesehen hat, gibt das natürlich die Freiheit, den Blick wandern zu lassen und auf Dinge zu achten, die man sonst nicht sehen würde. Ich war als Debütant noch ganz damit beschäftigt, der Handlung zu folgen, den Dialogen zu lauschen und mir die Bilder anzusehen. Deswegen kann ich zu Claude Rains – der mir zwar immer mal wieder begegnet, dessen prägnantesten Auftritt in THE INVISIBLE MAN ich nun aber auch schon nicht mehr so vor Augen habe – auch noch nichts wirklich Gehaltvolles sagen. Er ist schon sehr wichtig für CASABLANCA: So etwas wie der ruhende Pol zwischen den tosenden Emotionen, dabei aber durchaus ambivalent. Es ist ja bis zum Schluss nicht so ganz sicher, auf welche Seite er sich nun schlagen wird, ob sich seine Verachtung für die Nazis auch in Handlungen niederschlägt, oder ob er nicht doch der bequeme Opportunist bleibt, der vor allem seine eigene Sicherheit im Sinn hat. Das drückt auch sein stets freundliches Schurkengesicht perfekt aus, da gebe ich dir jedenfalls Recht.

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