double indemnity (billy wilder , usa 1944)

Veröffentlicht: Februar 12, 2010 in Film
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Wieder eine verspätete Erstbetrachtung eines Klassikers: Billy Wilders Verfilmung eines Romans von James M. Cain gingen acht Jahre voran, in denen das Drehbuch durch Hollywood kursierte und verzweifelt, aber erfolglos versucht wurde, es zu verfilmen. Der strenge Hays-Code machte es nahezu unmöglich, eine Geschichte, in der es um die Verkommenheit des Durchschnittsbürgers, um Ehebruch, Versicherungsbetrug und Mord ging, filmisch umzusetzen, ohne Ärger zu bekommen. Billy Wilder, dem alten Zyniker, ist das Kunststück durch eine ungemein suggestive Inszenierung gelungen, die nichts unklar lässt, ohne wirklich etwas zu zeigen. Und er schuf damit die Initialzündung für den Film Noir.

Ob DOUBLE INDEMNITY nun wirklich der erste Noir ist, diese Frage überlasse ich lieber Filmhistorikern und -chronisten. Tatsächlich aber lieferte Wilder so viele Inszenierungsideen und erzählerische Kniffe, dass man die historische Sonderstellung dieses Films bei heutiger Betrachtung unbedingt mitdenken muss, um nicht den Fehler zu begehen, die ständigen Déjà-vus, die man bei der Betrachtung unweigerlich erlebt, gegen ihn auszulegen. Dinge, die heute längst zum Klischee geworden sind, hier aber zum ersten Mal ausprobiert wurden und auf ein vollkomen unvorbereitetes Publikum trafen: Voice-over-Narration (sie legt den Hauch des Unausweichlichen und Schicksalhaften über den Film, ein klassisches Noir-Mittel), durch Jalousien fallendes Licht (steckt die Figuren noch in Freiheit hinter Gitter), Femme Fatales (Barbara Stanwyck ist als Phyllis Diedrichsen billig, teuflisch und verführerisch), krasse Schattenspiele (Teile des Films spielen in absoluter Dunkelheit), sexuell aufgeladene Dialoge und im entscheidenden Moment nicht anspringende Motoren (dieses mittlerweile billigste aller spannungserzeugenden Mittel sorgt hier für einen nervenzerrenden Moment).

Und wenn man sich diese beeindruckende Liste vor Augen führt, fällt einem plötzlich auf, dass DOUBLE INDEMNITY tatsächlich nichts weniger als perfekt ist. Ein Film, in dem keine Szene, keine Einstellung nichts bedeutet.

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