cool hand luke (stuart rosenberg, usa 1967)

Veröffentlicht: Februar 15, 2010 in Film
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Leider kann ich die Quelle nicht mehr finden, aber irgendwo wurde über COOL HAND LUKE mal gesagt (oder geschrieben), es sei der „sweatiest movie of all time“, was nun wirklich passt wie die Faust aufs Auge. Das Tolle an Rosenbergs Klassiker, der der Menschheit zudem die Dialogzeile „What we have here is a failure to communicate“ bescherte, ist, dass er sich niemals in solchen Oberflächlichkeiten erschöpft, obwohl er doch auf den ersten Blick so einfach einzuordnen scheint.

Lukes Leidensgeschichte ist unverkennbar an der Jesus-Passion orientiert: Man beachte nur einmal seine Pose nach dem berühmten Eier-Esswettbewerb oder seine Strategie beim Boxkampf gegen Dragline (George Kennedy), den er nicht dadurch besiegt, indem er ihn niederschlägt, sondern indem er jeden Schlag einsteckt und wieder aufsteht. Luke schart mit seiner Ehrlichkeit und Güte die zunächst skeptischen Häftlinge wie Apostel um sich, die ihm bald beinahe hündisch ergeben sind, und verwandelt so selbst das Gefängnis in einen Ort, an dem es sich aushalten lässt. Doch die Welt ist nicht in der Lage, jemanden wie Luke auszuhalten, also muss er zerstört werden.

Diese Jesus-Allegorie allein wäre noch nicht allzu ungewöhnlich, was COOL HAND LUKE jedoch vom frommen Klagefilm abhebt, ist die Art wie dieser Luke gezeichnet wird: Er ist nämlich keinesfalls eine stets souveräne Messiasfigur, der dem Betrachter als Vorbild dienen soll. Seinen Handlungen muss man nämlich einen fast selbstzerstörerischen Kern zuschreiben. Luke hat keine Mission, die Menschen zum Guten zu bekehren, im Gegenteil handelt er fast nie im Bewusstsein über die Konsequenzen. Im Knast landet er wegen einer Dummheit, über die er später selbst sagt, er habe überhaupt nicht nachgedacht, und im Verlauf seiner Haft lässt er sich immer vom ersten Impuls treiben. Luke ist im Grunde genommen ein Opfer, jemand, der eigentlich Schutz und Hilfe bedürfte, weil er nicht in der Lage ist, selbst auf sich aufzupassen. Er wird in die Rolle des charismatischen Führers gedrängt, weil er unfähig ist, die Spielchen, die gesellschaftliche Interaktion zu einem Großteil ausmachen, mitzuspielen. Luke ist immer nur er selbst: Doch was alle ihm als Stärke auslegen, entpuppt sich in dieser Welt als tödliche Schwäche.

Darauf spielt auch der Titel an: Luke verdankt seinen Spitznamen einer Aussage nach einem Pokerspiel, in dem er seinen Gegner durch einen Bluff besiegt hat. „Sometimes nothin‘ can be a real cool hand.“ Das Nichts, das Luke besitzt, wird für ein Alles gehalten. Und totale Selbstlosigkeit ist keine erstrebenswerte Eigenschaft, sondern eine psychische Disposition.

COOL HAND LUKE ist ein unglaublich bitterer Film, der der Menschheit kein allzu gutes Zeugnis ausstellt. Dass er dennoch erträglich ist, liegt in der Leichtigkeit, die Newmans Spiel ausströmt. Kein anderer Schauspieler ist denkbar in der Rolle des Luke. Eine perfekte Besetzung, wenn es jemals eine gegeben hat.

Kommentare
  1. […] nicht untypisch für Rosenberg ist, der zwar einige namhafte Filme inszeniert hat – man denke an COOL HAND LUKE mit Paul Newman -, aber dennoch eher als guter Handwerker, denn als wichtiger auteur gilt. Um zu […]

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