sweet bird of youth (richard brooks, usa 1962)

Veröffentlicht: Februar 17, 2010 in Film
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Der Schönling und Taugenichts Chance Wayne (Paul Newman) kehrt mit der alternden – und alkoholisierten – Hollywood-Diva Alexandra Del Lago (Geraldine Page) im Schlepptau in das Südstaaten-Nest zurück, aus dem ihn der Tycoon Tom „Boss“ Finley (Ed Begley), Vater von Chances großer Liebe Heavenly (Shirley Knight), einst vertrieben hatte. Alle Versuche von Chance, Kapital aus seinem guten Aussehen zu schlagen und Finley so davon überzeugen zu können, doch der richtige Mann für seine Tochter zu sein, sind fehlgeschlagen. Nun soll ihm die Beziehung zu der abgehalfterten Schauspielerin die Türen Hollywoods und damit auch zu Heavenly öffnen. Doch seine Rückkehr reißt nur alte Wunden wieder auf …

Nach dem Erfolg von CAT ON A HOT TIN ROOF musste natürlich ein Nachfolger her: Mit SWEET BIRD OF YOUTH verfilmte Brooks also erneut ein Stück von Tennessee Williams, erneut mit Paul Newman in der Hauptrolle, der als Chance Wayne erneut Unfrieden in ein erneut nur anscheinend friedliches System bringt, das erneut in den Südstaaten situiert ist. Wie „Sequels“ es so an sich haben, ist SWEET BIRD OF YOUTH im Vergleich zum Vorgänger nicht mehr ganz so zwingend: Statt des archetypischen Familienkonflikts, der Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn, gibt es hier ein etwas komplizierteres und damit auch konstruierteres Personengefüge, dem der emotionale Impact von CAT etwas abgeht. Dass BIRD einen deshalb kalt lassen würde, trifft aber keineswegs zu. Newman brilliert in einer Rolle, die schon den vor kurzem hier unter die Lupe genommenen Cool Hand Luke antizipiert: einen jungen Mann, dem jegliche Erdung abgeht und der deshalb im Bestreben, es selbst seinen ärgsten Feinden noch zu beweisen, die Herrschaft über sein eigenes Leben zu verlieren droht. Anstatt auf die Meinung des rassistischen Patriarchen zu scheißen und sich seine Geliebte einfach zu nehmen – so wie die es insgeheim doch von ihm erwartet -. läuft er weg und sucht bei Leuten nach Anerkennung, für die er nie mehr ist als ein zwar hübsch anzusehendes, aber doch eher einfältiges Landei, ein hoffnungsloser Träumer. Und über diesen zum Scheitern verurteilten Versuchen, droht er nicht nur seine Selbstachtung, sondern auch Heavenly endgültig zu verlieren, für die als einzige er mehr ist als nur ein hübsches Gesicht.

Der Titel von Brooks Film spielt auf den Verlust der Jugend und Unbeschwertheit an, der neben Chance, der erkennt, dass ihm nichts mehr bleiben wird, wenn sein größtes und einziges „Talent“ – sein Aussehen – mit dem Alter schwindet, auch die Schauspielerin Del Lago ereilt. Als sie ihr gealtertes Gesicht auf der Leinwand ins Unermessliche vergrößert erblickt, stürzt sie sich in Depressionen, Selbstmitleid und Drogen, ihr Talent – das sie doch eigentlich berühmt gemacht hat – völlig vergessend. Am deutlich jüngeren Chance zieht sie sich wieder hoch, beide begeben sich in ein Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit, das ihnen beiden zu neuem Erfolg verhelfen soll, stattdessen jedoch ihren Komplex zementiert und die klare Sicht auf die Dinge verbaut. Dass die Geschichte für beide dann doch noch eine Wendung zum Guten erfährt, will nicht so ganz zum vorherigen Film passen, der doch schnurstracks auf eine Katastrophe zuzusteuern scheint, die dann ausbleibt. Trotzdem ist Brooks Film sehenswert, vor allem wegen der prächtigen Farben und der Leistungen der Darsteller – Rip Torn gibt in einer Nebenrolle ein famoses Arschloch, das einem schier die Galle überkochen lässt -, aber auch wegen einiger Inszenierungseinfälle, die 1962 schon erahnen lassen, was dank Splitscreen erst ein paar Jahre später zur Reife kommen sollte: die bildliche Verschmelzung von Vergangenem und Gegenwärtigem.

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