klute (alan j. pakula, usa 1971)

Veröffentlicht: Februar 24, 2010 in Film
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Von meiner Erstsichtung von KLUTE vor rund 15 Jahren ist nichts hängengeblieben, außer der Erinnerung an einen irgendwie ungemütlichen, kalten Film. Diese Erinnerung hat sich jetzt bestätigt. KLUTE erzählt zwar von einem Kriminalfall, der Suche nach einem Vermissten, die sich bald als die Suche nach dem Mörder dieses Vermissten herausstellt, mehr aber noch von seelischer Verkrüppelung, von Isolation und Einsamkeit inmitten einer Großstadt, vom masochistischen Drang, sich zu verletzen, anstatt gut zu sich selbst zu sein, der Unfähigkeit, das eigene Leben zum Positiven zu wenden, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Tief drinnen in Pakulas Film steckt auch ein Film Noir: Da ist der Private Eye, der einen Mörder sucht, aber noch mehr sich selbst, eine attraktive, aber möglicherweise auch (für Männer) gefährliche Frau, eine Metropole, in der Menschen verschwinden und deren Glanz trügerische Tarnung für die zahlreichen Fallen ist, die sie bereithält. Schwärze und Schatten dominieren die Bilder, denen das dezidiert Expressionistische des Noir jedoch vollkommen abgeht, die paradoxerweise von geradezu erschütternder Klarheit sind. Während der Noir das Innenleben seiner Protagonisten nach Außen kehrt, da geht Pakula in KLUTE eher aufklärerisch vor: Er macht kein Geheimnis daraus, dass ihn nicht der Kriminalfall, sondern die Figuren und deren psychische Disposition interessieren.

Aber es ist kaum weniger unheimlich, was er zu Tage fördert: die emotionale Verkarstung des Callgirls Bree (Jane Fonda), die so gut darin ist, Männern etwas vorzuspielen, dass sie sich ihr falsches Glück fast selbst abkauft, aber einfach keinen Job als Schauspielerin findet; die wortkarge Verklemmtheit Klutes (Donald Sutherland), der wie ein Stalker in einem mit Fotos von Bree dekorierten Kellerloch sitzt und sich nicht dagegen wehren kann, das lachhafte Klischee zu bedienen, indem er sich in das Objekt seiner Ermittlungen verliebt: eine Frau, die noch dazu gar nicht in der Lage ist, zu lieben.

Aber Pakula hat mit KLUTE keine Thesenkino gemacht, er bietet keine Moral von der Geschichte. Auch das macht diesen Film so unheimlich: Dass er die Fakten ausbreitet, kaum Fragen übrig lässt und einen mit den Antworten allein lässt. Das ist ja auch die Erkenntnis aus dem Film: Dass wir allein sind, egal wie viele Menschen sich um uns tummeln, und wir uns noch nicht einmal selbst richtig kennen. Und dann noch diese Musik … Eisig.

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