kommando leopard (antonio margheriti, deutschland/italien/schweiz 1985)

Veröffentlicht: März 16, 2010 in Film
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In einem nicht näher genannten lateinamerikanischen Staat herrscht Bürgerkrieg. Der Rebellenführer Carrasco (Lewis Collins) führt seine tapferen Freiheitskämpfer mit großem Geschick gegen die Truppen des Präsidenten, die von dem wahnsinnigen Silveira (Klaus Kinski) geleitet werden …

KOMMANDO LEOPARD gehört zu den „Spätfolgen“ des Mitte der Siebzigerjahre überaus erfolgreichen THE WILD GEESE, der vor allem in Italien eine ganze Flut von ähnlich gelagerten Söldnerfilmen auslöste, und ist einer der Vertreter der letzten Welle italienisch (co)produzierter Filme, die in den auslaufenden Achtzigerjahren noch in großen Stückzahlen den Weg ins Kino fanden. Die Nostalgie ist dann auch ein nicht zu unterschätzender Grund, warum man sich KOMMANDO LEOPARD heute noch anschauen möchte: 25 Jahre später wirkt dieser Kracher wie aus einer anderen Welt, kaum denkbar sind heute seine wunderbaren Miniatureffekte (für die Margheriti berühmt war), die Besetzung mit Charakterfressen wie den genannten, zu denen sich auch noch solche deutschen Semiprominenzen wie Manfred Lehmann und Thomas Danneberg  gesellen (letzterer spricht sich lustigerweise nicht selbst, weil er – wie könnte es auch anders sein – Carrasco snychronisiert), die unzähligen dicken Explosionen und die zur Schau gestellte Söldner- und Guerrileroromantik, deren wenigen kritischen Untertöne selbst schon zum Inventar gehören und kaum auffallen. Zu Grunde liegt eine Vorstellung von südamerikanischen Rebellen als feurigen, von einer tiefen Leidenschaft ergriffenen Träumern, die bei jeder Gelegenheit zu an die Menschlichkeit appelierenden Monologen anheben, tief religiös und hoffnungslos unterlegen sind, aber zum Glück immer einen geradezu fanatisch altruistischen Priester auftun, der bereit ist, für die gute Sache in den Tod zu gehen. Zwischen all diesen stets aus tränenunterlaufenen Augen blickenden Herzensmenschen gibt Collins dann die  Mensch gewordene Definition des Begriffs „Profi“, den er dank seiner Teilhabe an der gleichnamigen Serie in den Achtzigerjahren in Reinkultur verkörperte. Sein Carrasco ist kein schlechter Mensch, aber er fühlt sich nicht allein für das Menschenheil verantwortlich. Wo gehobelt wird, da fallen eben auch Späne. Ein Hoch auf den Utilitarismus, der immer weiß, wie viele Tote denn durch die „gute Sache“ gerechtfertigt sind.

Es gehört zu den krassen Verdrehungen des Söldnerfilms, dass er diese Haltung zum unverrückbaren Faktum und ihre Vertreter somit zu Opfern macht. Doch die immer wieder artikulierte Auffassung vom Krieg als Kampf, in dem es keiner Gewinner, nur Opfer gibt, der immer wieder Entscheidungen erfordert, die über das einzelne Menschenleben hinausgehen, von Männern, die bereit sind, die Verantwortung für diese Entscheidungen zu übernehmen, ist im Söldnerfilm sowieso kaum mehr als kitschige Ausschmückung, sie ist weniger inhaltlicher als vielmehr formaler Gestaltungsaspekt, weil sie vor allem zur Zeichnung einer bestimmten Atmosphäre dient. Der Söldnerfilm weist eine fatalistische Schicksalsergebenheit auf, die seine Figuren von ihrer Verantwortung enthebt, sie geradezu zu Opfern der Umstände verzeichnet. In dieser Hinsicht ist KOMMADO LEOPARD also hochgradig zweifelhaft. Weil aber Nostalgie das Motiv für die Wiederbegegnung war: Auf dieser Ebene hat KOMMANDO LEOPARD auch diesmal wieder funktioniert.

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