evil bong (charles band, usa 2006)

Veröffentlicht: März 31, 2010 in Film
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Charles Band Kiffer-Horrorfilm aus dem Hause Full Moon habe ich eigentlich schon vor mehreren Wochen gesehen, es aber im Anschluss offensichtlich gleich wieder verdrängt, sodass ich einen Text bis heute schuldig geblieben bin. Das soll sich nun ändern, denn die Welt muss wissen! 

Full Moon Entertainment ist ein Faszinosum: Die Firma hat es irgendwie geschafft, sich aus den Achtzigerjahren in das zweite Jahrzehnt des neuen Jahrtausends zu retten, ohne dass sie seit ihren Anfangstagen auch nur einen guten Film hinbekommen hätte. Im Gegenteil: Marketingtechnisch und kaufmännisch nicht unclever hat Full Moon diese Unfähigkeit so zur Tugend umgedeutet, dass sie gar nicht mehr versuchen muss, etwas auf die Beine zu stellen, das nicht schon von vornherein als schwachsinniger Ramsch zu erkennen wäre. Auf der eigenen Website präsentiert man sich als Kultfirma mit ausladendem Merchandising-Angebot, die ihre filmischen Sünden (die nicht enden wollenden PUPPET MASTER- und TRANCERS-Serien, die DEMONIC TOYS- und SUBSPECIES-Filme und neuere „Erfolgsfranchises“ wie GINGERDEAD MAN) in ausladenden Boxsets anpreist. Ich finde das ja nicht unsympathisch: Quietschbunter Trash um alberne Gummimonster, wie er noch vor 20 Jahren die Regale der Videotheken füllte, ist schließlich ziemlich aus der Mode gekommen und zwischen den ganzen auf bierernst getrimmten Torture Porns stellt solcher infantiler Unfug somit eine willkommene Abwechslung dar. Leider ist es aber so, dass die Filme, die Meister Charles Band auf seine unnachahmliche Art zusammenschraubt, meist deutlich weniger interessant und lustig sind, als es deren stulligen Titel und Covermotive versprechen. So auch der unterirdische EVIL BONG, der das durch Cheech und Chong initiierte Subgenre der Kifferkomödie mit dem Horrorfilm kurzschließt und so der eigenen Zielgruppe (männlich, ledig, jung, vergnügungssüchtig) ein Angebot macht, das sie nicht ausschlagen kann. EVIL BONG erzählt von einer „lustigen“ Jungs-WG, bestehend aus dem redneckigen Larnell (John Patrick Jordan), dem Jock Brett (Brian Lloyd) und dem Surferdude Bachman (Mitch Eakins). Die haben soeben einen neuen Mitbewohner gefunden, die nerdige Brillenschlange Alistair (David Weidoff), als sie im Internet auf ein Angebot für eine angeblich verfluchte Bong stoßen. Klar, dass die drei Party-Animals da nicht Nein sagen können (wie ein Bekannter mal richtig sagte: Wenn jemand behauptete, dass Scheiße breit mache, manche Leute rauchten wohl auch Scheiße). Doch der Fluch entpuppt sich als real und so wird einer nach dem anderen in die „Bong World“ geholt, eine teuflische Mischung aus Strip-Bar, Puff und Coffee Shop, aus der es kein Entrinnen gibt. Noch nicht …

Was hat man von einem Film zu erwarten, der sich reichhaltig bei Cravens NIGHTMARE ON ELM STREET bedient, dessen furchteinflößenden Freddy Krueger jedoch durch eine sprechende Wasserpfeife ersetzt? Der dieser dann „Identifikationsfiguren“ gegenüberstellt, denen man ein deutlich übleres Schicksal wünscht als jenes, das sie im Film ereilt? Larnell kann sich nicht anders als in prolligen Sprüchen artikulieren und befleißigt sich dabei eines US-amerikanischen Coolsprechs, das einem schier die Galle hochsteigen lässt, Brett pflastert seine Wohnung mit seinen Sportpokalen voll und darf sich selbstbewusst als der „ladies man“ der tollen Clique inszenieren (würg!) und der stets zugedröhnte Bachman sieht nicht nur aus, als hätte er in allen Boybands der letzten 20 Jahre mitgewirkt, sondern beendet auch stilecht jeden Satz mit „dude“. Doch das ist noch nicht das Schlimmste. Dass die Protagonisten solcher Teenie-Horrorfilme sich ihre blutigen Tode redlich verdient haben, ist schließlich eine Erkenntnis, die das Genre in den vergangenen Jahrzehnten reichlich ausgeschlachtet hat. Doch mit den grotesk unsympathischen Arschgeigen, die in EVIL BONG zur Identifikation angeboten werden, wird eine ganz neue Dimension des Schreckens erreicht. Irgendwann fällt es einem nämlich wie Schuppen von den Augen: Die sind gar nicht als Arschlöcher gemeint! Die sollen tatsächlich sympathisch sein! Mit Grausen denkt man an ein Publikum voller Angeber, Bullys und Proleten, das hier wohl angesprochen werden soll und das diese Vögel wahrscheinlich wirklich cool und witzig findet, sich gar nichts Schöneres vorstellen kann, als auch in so eine brutal krasse WG zu ziehen, mit Kiffen, Weibern und einem schwächlichen Streber, dem man die Kohle aus der Tasche ziehen kann.

So habe ich mich den ganzen Film über vor Fremdscham im Sitz gewunden und förmlich gespürt, wie ich mit jeder Sekunde ein bisschen älter werde – auch um mich rein altersmäßig vom Film und seinen Figuren distanzieren zu können. Ein Gefühl, dem EVIL BONG, dessen Story sich dann irgendwie so abwickelt, ohne auch nur den Hauch von Spannung aufkommen zu lassen, aber auch rein gar nichts entgegenzusetzen weiß. Irgendwann taucht Tommy Chong auf, den man zum Glück kaum noch wiedererkennt, Full-Moon-Ikone Tim Thomerson läuft mal eben durchs Bild und macht wohl einen TRANCERS-Injoke und die Horrornerds dürfen sich einen drauf abwedeln, wenn sie Bill Moseley in seiner Minirolle erkannt haben. Ein Sequel namens KING BONG ist wohl auch schon fertig. Die Masche von Full Moon funktioniert. Aber RTL2 hat ja auch Zuschauer.

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