ninja (isaac florentine, usa 2009)

Veröffentlicht: April 1, 2010 in Film
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In einer Schule in Japan wird die Jahrhunderte alte Kunst des Ninjitsu gelehrt: Zu den besten Schülern des Sensei (Togo Igawa) zählen der gebürtige Amerikaner Casey (Scott Adkins) und Masazuka (Tsuyoshi Ihara). Als ersterer vom Sensei ausgewählt wird, eine kostbare Waffentruhe in die USA zu bringen, zerreißt es seinen japanischen Kontrahenten vor Wut: Nachdem er Casey in einem Trainingskampf beinahe umgebracht hat, wird Masazuka der Schule verwiesen. Und das will er nicht auf sich sitzen lassen … 

Der letztjährige Versuch der Wachowskis, das Ninja-Subgenre mithilfe von Lewis McTeigues NINJA ASSASSIN zu reanimieren, war nur bedingt geglückt: Die mit modernstem Effektschnickschnack hochgezüchteten Actionsequenzen wollten im Verbund mit den biederst inszenierten Dialogszenen einfach nicht harmonieren, am Ende stand da ein höchst durchwachsener Film, dem man deutlich anmerkte, dass sein Urheber über keinerlei Erfahrung im Actiongenre verfügte. In Erinnerung blieben somit lediglich die übermäßig brutal geratenen Splattereffekte und die visuell überzeugende Generalüberholung altbekannter Ninjafilm-Effekte. Mit NINJA steht nun der nächste Film eines möglichen Ninja-Revivals zur Begutachtung und mit Isaac Florentine ein Regisseur hinter der Kamera, der sich in der Vergangenheit mit Filmen wie UNDISPUTED 2 oder THE SHEPHERD: BORDER PATROL schon einen Namen als versierter Actionfilm-Formalist gemacht hat und als treibende Kraft im wiedererstarkten Bereich des B-Actionfilms angesehen werden muss. Seine Stärken sind sowohl in der enorm wuchtigen und perfekt das Physische betonenden Inszenierung seiner Kampfsequenzen als auch in der ungemein ökonomischen Handhabung des Plots zu suchen: Es reichen ihm meist wenige Pinselstriche, um die Protagonisten und ihren Konflikt glasklar herauszuarbeiten und so eine Grundlage für das zu schaffen, was bei ihm den Löwenanteil der Erzählung ausmacht: Aktion, Bewegung, Kampf.

Diese Stärken kommen auch in NINJA zur Geltung, werden hier aber noch einmal verfeinert. Der Plot und seine einzelnen Bestandteile – die Aneignung asiatischer Kultur durch einen Fremden, der daraus resultierende „Bruder“-Konflikt, der Kampf um ein kostbares Artefakt, ein mysteriöser Geheimbund – sind Standards des Ninja- und Martial-Arts-Films und müssen hier nur noch angetippt werden, um den Boden für Florentines Actionzelebrierungen zu bereiten. Die – wie auch Florentines Geschichten – in ihrer Konzentration auf Kampfsport und Hand-to-Hand-Combat aufs Wesentliche reduzierten Kämpfe werden in NINJA zwar mit dem Instrumentarium des Ninjafilms (Schwert, Wurfstern, Pfeil und Bogen, Rauchbombe etc.) und sparsam eingesetzten, pointierten CGI-Effkten aufgepeppt, doch lenken diese Gimmicks nie vom Wesentlichen ab. Es sind vor allem Florentines Gespür für Dynamik und sein perfektes Timing, die dafür sorgen, dass der Zuschauer nicht zu Atem kommt. Kaum ein (zeitgenössischer) Rregisseur weiß Zeitlupen etwa so effektiv einzusetzen wie Florentine: Seine Fights sehen nicht nur irrsinnig geil aus, sie sind immer auch sinnhaft/sinnlich in ihrer Inszenierung.

Und wenn ich hier ständig von Reduktionismus spreche, so soll das keineswegs heißen, Florentine habe kein Auge/keinen Sinn für die Details, im Gegenteil. Es sind kleine, dabei aber ungemein wirkungsvolle Kniffe, die seinen Actionsequenzen ihren Realismus verleihen, sie erscheinen lassen, als wäre man live dabei. Wenn Casey einem Kontrahenten etwa in einer Einstellung die Pistole aus der Hand tritt, sieht man sie in der nächsten Einstellung im Bildhintergrund herunterfallen, ohne dass das noch eine besondere Bedeutung hätte. Fantastisch auch, wie in NINJA Raum durch Aktion konstruiert wird und umgekehrt: Die Action-Set-Pieces spielen sich meist innerhalb relativ begrenzter Szenarien ab, die dann allerdings in der Inszenierung vollkommen ausgelotet werden. Die Übersichtlichkeit dieser Sequenzen erinnert dabei fast an die Sternstunden eines John Woo (der dann allerdings noch ein paar Akteure mehr durch die Luft wirbeln ließ). Mit Scott Adkins, der bislang vor allem als Action-Nebendarsteller in Erscheinung trat, steht Florentine zudem ein geradezu kongenialer Schauspieler zur Verfügung, der die Spannung, die Florentines Filme beflügelt, perfekt verkörpert: Sein stoisches, fast emotionsloses (und ein bisschen an einen nichtschmierigen Ben Affleck erinnerndes) Gesicht verhindert jede unnötige Melodramatisierung, es ist tatsächlich der (beängstigend scharf ausdefinierte) Körper, der den Zuschauer auf Caseys Seite zieht. Die Zuschaueranbindung, die wird im wahrsten Sinne des Wortes erkämpft.

Natürlich gibt es hier und da Möglichkeit zur Kritik: So ganz wird sich der Ninjafilm seine inhärente Infantilität nicht austreiben lassen, auch von einem Florentine nicht, der anhand seiner Filme nun nicht gerade im Verdacht steht, ein Kindskopf zu sein. Aber wenn Wirtschaftsbosse mit Kapuzenmantel zu quasiokkulten Versammlungen rufen, ist das denkbar weit von der Westernmythologie weg, die etwa THE SHEPHERD noch auszeichnete. Weil Florentine aber nie die Contenance verliert oder sich im inszenatorischen Ton vergreift, fällt das kaum ins Gewicht. Das Generische und das Originelle gehen in seinen Filmen nicht nur Hand in Hand, sie erzeugen sich gegenseitig. NINJA gibt also nicht nur einem totgeglaubten Genre das Leben zurück, er macht vor, wie man der nackten Formel Leben abringt.

Kommentare
  1. Sano sagt:

    Auch ich habe mir Ende März direkt nach Veröffetnlichung die deutsche DVD des Films zugelegt und noch am gleichen Abend zu Gemüte geführt. Dabei wurde ich in meiner Erwartungshaltung jedoch in gleichem Maße bestätigt wie enttäuscht. Habe daher deinen Text mit Genuß gelesen, obwohl ich dir wohl nicht in allen Punkten zustimmen würde.

    In der Tat ist hier ein Regisseur am Werk, der weiß, was er tut – vor allem in Actionszenen – un der mit dem begrenzten Budget sehr viel zustande bringt. Der Hauptdarsteller ist ebenso treffend gewählt, wie der Bösewicht, und hat neben Kamptechnischem Talent sogar schauspielerische Fähigkeiten. Im großen und ganzen (lediglich die wohl erzwungene Wahl eines „westlichen“ Protagonisten anstelle eines Asiaten, und die ebenso produktionstechnisch bedingten fast durchgehenden englischen Dialoge fielen mir negativ auf) ein sehr kompetentes und zufriedenstellendes Produkt, dass als ernsthafter Actionfilm mit Ninjaeinschlag überzeugt. Aber das ist auch wiederum das Problem. Es ist doch eher ein ausgefeiltes Produkt, eine Visitenkarte (des Regisseurs und des Hauptdarstellers) für zukünftige Projekte, als ein mit Herzblut gedrehtes Projekt. Dass sich der Film dabei nicht zu ernst, aber auch nicht ernst genug nimmt war für mich dabei ebenfalls enttäuschend. Kein Hauch von Trash kommt jemals wirklich auf, dafür aber auch selten das Gefühl etwas ganz großes zu sehen. Der Film ist eben einfach „nur“ gut. Und da fehlt mir persönlich dann etwas, was bei vielen nicht ganz so runden Projekten zuhauf zu finden ist: die Ecken und Kanten.

    Das Hauptproblem, das dem Actiongenre immer noch anhängt, und welches mich in den meisten Actionfilmen am ehesten irritiert, ist der Bedarf nach „story“. Die Anlehnung an klassische Handlunsmuster ist bei „Ninja“ ebenso unnötig wie bei dem großteil der Actionfilme die ich kenne. Meiner Meinung nach war es kein Mehrwert, dass ein Love-Interest eingeführt wurde, ebensowenig der Konflikt zwischen Tradition und Moderne (sowie Ost und West), und auch die Nebenfiguren der Sekte waren überflüssiges Beiwerk. Die Bewegung allein, der Kampf an sich, reicht „Ninja“ eben auch nicht aus. Wenn man jedoch denkt, den Zuschauer mit eineinhalbstündigen Actionszenen zu ermüden, sollte, man die Handlung aber meiner Meinung nach entweder ausbauen, oder den Film auf eine Dreiviertelstunde (oder weniger) verkürzen.

    Ich weiß, dass diese meine Einwände nicht die „Schuld“ des Regisseurs oder der Macher sind, sondern die standardisierte Länge von ca. 90 Minuten sich im Westen für Spielfilme eingebürgert hat, und vom Kunden wie vom Geldgeber eingefordert wird (und in anderer Form schwer vermarktbar ist), und der „Story-Komplex“ einerseits ein Überbleibsel des amerikanischen Studiosystems, andererseits der anhaltende Versuch ist, dem Actiongenre einen Anstrich von „Seriosität“ zu verleihen, sowie Zuschauer anzusprechen die nicht in erster Linie Actionfans sind.

    Vielleicht sind solch allgemeine Kritikpunkte bei der Besprechung bzw. Würdigung von Florentines „Ninja“ nicht wirklich angebracht, geben aber wieder, wieso ich nicht glaube dass dieser Film dem totgesagten Ninjagenre den erhofften Lebensatem einhauchen könnte.

    Ich habe den Film genossen, konnte ihm aber leider nicht so viel abgewinnen wie erhofft. Im Grunde zeigt er auf, wie weit die westlichen Direct-to-Video Produktionen (die sich ja immer noch irgendwie mit Hollywood vergleichen müssen) in den letzten 20 Jahren vorangekommen sind (sehr weit), und macht mir persönlich Hoffnung und Lust auf zukünftige Projekte von Florentine und Adkins. Ob aus den beiden aber noch wirklich interessante (und unabhängige) Akteure werden, oder ob sie von der Maschinerie in der sie sich befinden bzw. auf die sie sich zuzubewegen scheinen (Hollywood) vereinnahmen lassen werden/müssen, steht noch aus.

    • Oliver sagt:

      Vielen Dank für Deinen ausführlichen und sehr lesenswerten Kommentar, auf den ich jetzt – recht spontan – antworten möchte:

      „Dass sich der Film dabei nicht zu ernst, aber auch nicht ernst genug nimmt war für mich dabei ebenfalls enttäuschend. Kein Hauch von Trash kommt jemals wirklich auf, dafür aber auch selten das Gefühl etwas ganz großes zu sehen. Der Film ist eben einfach “nur” gut. „

      Das würde ich eindeutig als Stärke des Films verbuchen. Wenn ich Ninjatrash sehen möchte, kann ich aus Hunderten von Filmen aus den Achtzigern wählen: Der Bedarf ist da bereits voll und ganz gedeckt. Das NINJA nicht das ganz große Event ist, liegt vielleicht auch darin begründet, dass er produktionstechnisch einer anderen Sphäre entstammt als meinetwegen ein SHOOTER, um jetzt mal einen großbudgetierten Hollywood-Actioner der letzten Jahre zu nennen. Ich finde gerade die Sachlichkeit und Nüchternheit, die NINJA und bisher alle Filme von Florentine, die ich gesehen habe, ausstrahlen, so spannend. Sie kommt meinem Bild des Actionfilms sehr entgegen und unterstreicht meines Erachtens perfekt den abstrakt-reduktionistischen Zug von NINJA. Hier ist ein (Vorsicht, Provokation!) auteur am Werk, der es wie nur wenige andere versteht, den Actionfilm auf sein Grundgerüst herunterzubrechen und so dessen elementaren Einsichten zu akzentuieren und gleichzeitig seine taktilen und ästhetischen Eigenschaften zu stärken.

      Das führt mich gleich zum nächsten Punkt:

      „Das Hauptproblem, das dem Actiongenre immer noch anhängt, und welches mich in den meisten Actionfilmen am ehesten irritiert, ist der Bedarf nach “story”. Die Anlehnung an klassische Handlunsmuster ist bei “Ninja” ebenso unnötig wie bei dem großteil der Actionfilme die ich kenne. Meiner Meinung nach war es kein Mehrwert, dass ein Love-Interest eingeführt wurde, ebensowenig der Konflikt zwischen Tradition und Moderne (sowie Ost und West), und auch die Nebenfiguren der Sekte waren überflüssiges Beiwerk. Die Bewegung allein, der Kampf an sich, reicht “Ninja” eben auch nicht aus.“

      Dem würde ich ganz und gar widersprechen. Die Story, die du kritisierst, ist ja gar keine. Sie liefert nur die Eckdaten, quasi das physische Material, das Florentine dann in Bewegung setzt. Der Amerikaner in Japan, der „weiße Ninja“, der Bruderkonflikt, die grenzüberschreitende Liebe, die Geheimbündelei -das sind allesamt Standards des Ninjafilms, die in NINJA gerade deshalb so leer wirken, weil sie Florentine im Grunde genommen gar nicht interessieren. Ich habe mich auf dem sauber abgesteckten Terrain jedenfalls sofort heimisch gefühlt und konnte mich deswegen ganz dem widmen, was eigentlich von Interesse ist: der Bewegung. Das, was du „einforderst“, die reine Bewegung, funktioniert nicht, ohne das von mir als solches bezeichnete „Material“. Bewegung ist nur in Relation zum Stillstand als solche erkennbar, mehr noch, existiert erst durch diesen Gegensatz. Das Generische und das Bewegte in NINJA konstituieren erst den Film. Ohne das eine ist das andere nicht möglich. Und zur Notwendigkeit von Story im Actionfilm überhaupt: Der Actionfilm ist in seiner Dramaturgie natürlich den alten Heldenepen verpflichtet, erzählt meist von Konflikten zwischen Gut und Böse, zeichnet eine Welt, in der es dem Helden noch erlaubt ist, durch Handlung Zeichen zu setzen. (Zumindest erzählt er von der Hoffnung nach einer solchen Welt. Die Aporie kennt ja auch der Actionfilm.) Dem „guten“ Actionfilm gelingt es mit wenigen Pinselstrichen, diese Welt einzuführen, auf dass er sich dann ganz der tatkräftigen Handlung des Helden und deren Auswirkungen widmet. (Falls dich meine Gedanken zum Actionfilm interessieren, kannst du dir mal folgendes Blog anschauen, das ich mit einem Freund geführt habe: Sauft Benzin, ihr Himmelhunde!)

      „Ich weiß, dass diese meine Einwände nicht die “Schuld” des Regisseurs oder der Macher sind, sondern die standardisierte Länge von ca. 90 Minuten sich im Westen für Spielfilme eingebürgert hat, und vom Kunden wie vom Geldgeber eingefordert wird (und in anderer Form schwer vermarktbar ist), und der “Story-Komplex” einerseits ein Überbleibsel des amerikanischen Studiosystems, andererseits der anhaltende Versuch ist, dem Actiongenre einen Anstrich von “Seriosität” zu verleihen, sowie Zuschauer anzusprechen die nicht in erster Linie Actionfans sind.“

      Ich weiß nicht, ob es Florentines Intention ist, dem Genre Seriosität zu verleihen, zumal das Problem der Akzeptanz dieser Filmgattung m. E. sowieso nicht bei seinen Filmen, sondern bei den Zuschauern liegt, die mit einer vorgeformten und meist ablehnenden Haltung an sie herangehen: Ein Film, der auf Bewegung statt Dialoge setzt (eigentlich und ironischerweise ja DAS Grundparadigma von Film überhaupt!) , der in Schwarzweiß-Kategorien denkt, statt in Graustufen, der kann ja nicht intelligent sein. Florentine scheißt m. E. darauf, Leuten etwas näherzubringen, sondern macht schlicht und ergreifend die Filme, die ihm gefallen, auf die Art und Weise, die ihm gefällt. Glasklare Filme, die auf mich bei aller inszenatorischen Geschliffenheit immer den Eindruck machen, sie seien schon immer dagewesen, Florentine habe nur – frei nach dem Michelangelo-Zitat – den Stein drumherum weggehauen. Natürlich unterwirft sich NINJA in gewisser Weise den herrschenden Produktionsbedingungen – wohl auch, weil er sonst nicht zu finanzieren wäre. Ich finde trotzdem, dass er in seinem Ernst und seinem Reduktionismus vom Mainstream kaum weiter entfernt sein könnte. Vielleicht ist es genau das, was dich enttäuscht hat?

      „Vielleicht sind solch allgemeine Kritikpunkte bei der Besprechung bzw. Würdigung von Florentines “Ninja” nicht wirklich angebracht, geben aber wieder, wieso ich nicht glaube dass dieser Film dem totgesagten Ninjagenre den erhofften Lebensatem einhauchen könnte.“

      Wahrscheinlich nicht. Das liegt aber auch daran, dass das Ninjagenre sowieso ein merkwürdiger Bastard ist, in seinen Möglichkeiten zudem ziemlich eingeschränkt. Der Ninjafilm hat auch ein strukturelles Problem – das Florentine aber geschickt umgeht: Die Maskierung des Ninja macht die Figur für die Besetzung mit einem Star uninteressant, entpersonalisiert ihn beinahe vollkommen und degradiert ihn von daher eigentlich zur Statistenfigur – was aber wiederum seinem Status als übermächtige Kampfmaschine im Wege steht. Nicht zuletzt dieses Paradox hat den zahllosen Vertretern der Ninjafilm-Welle in den Achtzigern zu ihrem Trash-Ruf „verholfen“: Die Ninjas wurden von ganzen Horden unfähiger Komparsen gegeben, die nur mit Mühe das Bein heben konnten, geschweige denn wirklich kämpfen. NINJA ist für mich – neben ganz wenigen Ausnahmen (die mit 20 Jahren Abstand aber auch nur mit viel Wohlwollen Ernst genommen werden können: ENTER THE NINJA, RETURN OF THE NINJA und AMERICAN NINJA) – der erste Ninjafilm, der dieses Problem umgeht und der Figur die Würde verleiht, die ihr von ihren Erfindern wohl zugedacht war.

      „Ob aus den beiden aber noch wirklich interessante (und unabhängige) Akteure werden, oder ob sie von der Maschinerie in der sie sich befinden bzw. auf die sie sich zuzubewegen scheinen (Hollywood) vereinnahmen lassen werden/müssen, steht noch aus.“

      Schau dir mal ein paar andere Filme von Florentine an, z. B. UNDISPUTED 2 oder THE SHEPHERD (den Florentine aber nicht zu Ende gedreht hat), vielleicht erkennst du in ihm dann doch noch den Actionauteur, der sein eigenes Ding macht, strukturell irgendwo zwischen Hollywood und dem DTV-Markt, künstlerisch aber vollkommen autark.

  2. Sano sagt:

    Wow – vielen Dank für deine ausführliche Antwort. 🙂

    Kenne deinen „alten“ Blog SBIH schon seit längerem, und bin auch über ihn auf deinen jetzigen gestoßen. Wirklich seeeehr schade, dass ihr die Filmgespräche nicht mehr weiterführt. Vor allem die Actionfilme der 80er mag ich persönlich auch sehr, und es gibt viel zu wenig ernsthafte herangehensweisen an sie.

    Wenn ich deine Antwort, deinen ursprünglichen text, und meinen Kommentar nocheinmal überfliege, so sehen wir die Sache vielleicht doch sehr ähnlich, nur ging ich wohl mit anderen Ansprüchen an den Film heran als du. Habe schon jahrelang keinen modernen Ninjafilm gesehen (Ninja Assassin wird aber definitiv noch nachgeholt), und war aufgrund der äußerst positiven Kritikermeinungen uaf Florentine und „Ninja“ aufmerksam geworden. Im Grunde stimmt ja alles, und wie du wunderbar schreibst sind die Actionszenen mit einem großen Verständnis für Räume inszeniert. Nur die erwartete Wiederbelebung war es für mich nicht ganz (das das tatsächlich der erste Ninjafilm ist den ich kenne der eine solche Figur wirklich mal ernst nimmt, und dabei nicht auf Zitate und Traditionen verzichtet, ist noch einmal was anderes). Im Grunde nörgele ich aber an Kleinigkeiten herum: ich mag wohl meine Action etwas barocker (siehe Hongkong und Ringo Lams „Full Contact“ [1992]), und die Handlung entweder überzogener, oder NOCH reduzierter (wie du schreibst ist die handlungsreduktion in „Ninja“ im Prinzip vorbildhaft). Hatte eben das Gefühl, dass die Macher technisch und in Bezug auf die Action (die sich schon positiv aus dem Schnittbrei heutiger Standards hervorhebt) ganze Arbeit leisten, der Film als ganzes aber nicht voller Herzblut trieft.

    Werde mir bei Gelegenheit aber auf jeden Fall „Undisputed 2“ anschauen, und schaue wie gesagt neugierig in die Zukunft von Florentine – und Adkins (und wann konnte man das von einem Actiondarsteller zuletzt behaupten?).

    Habe mich hier nur genötigt gefühlt so einen längeren Kommentar zu verfassen, aufgrund meiner Vorfreude und Beschäftigung mit dem Film, und der ernsthaften Würdigung selbigen deinerseits.
    Im Endeffekt kenn ich mich in diesen Bereichen aber bei weitem nicht so gut aus wie du, und würde dir im Zweifelsfall wohl meistens recht geben. 😉

    • Oliver sagt:

      Ich habe zu danken: Freue mich natürlich über jeden Kommentar hier, wenn aber über das reine Lob hinaus so ein konstruktiver Austausch entsteht, ist das besonders schön. Gibt es ja nicht oft, dass man sich sachlich über einen Film unterhalten kann, ohne bei der ersten Meinungsverschiedenheit gleich auf die „halt unterschiedlichen Geschmäcker“ hinzuweisen. Dass du den Himmelhunde-Blog kennst, hatte ich mir fast schon gedacht. 🙂 Mal sehen, vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung. Vorerst aber definitiv nicht.

      Das mit dem Herzblut verstehe ich durchaus. Mich hat es nicht so gestört, weil der ganze Ninjamythos eben problematisch ist und sich gegenüber einer wirklich ernsthaft emotionalen Herangehensweise versperrt. NINJA sitzt da ein bisschen zwischen den Stühlen: Die Handlung und Motivik legt im Grunde den trashigen Fantasyspaß nahe, die Inszenierung verweigert sich dem aber in ihrer Nüchternheit und fordert, dass man das Ganze als „for real“ betrachten soll. Finde das aber durchaus einen reizvollen Ansatz: Das Abstruse ernst zu nehmen und ihm ganz aufgeschlossen zu begegnen, anstatt mit der Arroganz des Zuschauers, der wie ein Statistiker die Plotholes und Logikfehler mitzählt.

      FULL CONTACT hieß auf Deutsch COVER HARD, oder? Ich glaube, den habe ich immer noch nicht gesehen. Aber wo du Ringo Lam ansprichst, fällt mir ein, dass ich dringend mal wieder FULL ALERT sehen muss. Und MAXIMUM RISK liegt auch schon ne halbe Ewigkeit zurück …

      Sorry übrigens für die vielen Wiederholungen in meiner Antwort. Hatte meinen NINJA-Text vorher nicht mehr gelesen …

  3. Sano sagt:

    Ja, das ist schon schade dass man sich unter Cineasten zumindest im Internet nicht so oft konstruktiv Asutauschen kann (face-to-face in der realen Welt scheint es ja meiner Erfahrung nach wiederum meistens gut zu klappen). Vielleicht hat das mit der „Kurzlebigkeit“ im Internetzeitalter zu tun, wo jede getippte Meinung eine Halbwertszeit von 10 Minuten hat. 😉

    Das Ernste als Qualität herauszuarbeiten ist in der Tat etwas was Florentine bei „Ninja“ sehr gut gelungen ist. Wie du sagst mündet dieser Ansatz in weniger geübten Händen im Ninjagenre schnurstracks in unfreiwillige Komik.

    Jup, FULL CONTACT = COVER HARD. Ist wirklich ein unglaublich genialer Heroic Bloodshed Film, der die 80er in die 90er hinübergerettet hat (wie glücklicherweise einiges im Hongkongkino noch bis Mitte der 90er überlebt hat). MAXIMUM RISK muss ich noch nachholen.

    Apropos Van Damme und Hong Kong fällt mir aber ein, dass hab ich Tsui Harks DOUBLE TEAM ’97 noch im Kino gesehen habe, und den Kritiken und den Meinungen nach zu urteilen an die ich mich noch erinnere (ein Freund und damaliger Sitznachbar war eher gelangweilt), wohl einer der wenigen war, die sich wunderbar unterhalten gefühlt haben. Mit Mickey Rourke als Oberschurke! Die Honkongregisseure hats in Hollywood ja mehr oder minder allesamt weggeblasen, und nicht mal die Actionstars á la Jackie Chan oder Jet Li konnten sich meiner Meinung nach wirklich durchsetzen. Asiatisches und US-Amerikanisches Kino sind halt sehr verschieden.

  4. […] Isaac Florentine habe ich hier schon mehrfach geschrieben (siehe THE SHEPHERD: BORDER PATROL, NINJA, UNDISPUTED 3: REDEMPTION). COLD HARVEST ist einer seiner früheren, ausschließlich für den […]

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