game of survival (roberta findlay, usa 1985)

Veröffentlicht: Mai 3, 2010 in Film
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Im Keller eines heruntergekommenen Mietshauses in der Trümmerlandschaft der South Bronx sitzt eine vom gemeingefährlichen Chaco (Enrique Sandinas) angeführte Bande aus Gewalttätern und Drogenabhängigen. Als der Vermieter Rojas (Larry Lara) sie an die Polizei verpfeift und ihrer Abführung beiwohnt, denkt er, sich aller Sorgen entledigt zu haben, doch das Gegenteil ist der Fall. Als die finsteren Burschen nämlich nur wenige Stunden später wieder entlassen werden, sinnen sie auf Rache. Und sie schwören, keinen einzigen der Mieter zu verschonen. Ein blutiger Kampf ums nackte Überleben beginnt …

GAME OF SURVIVAL umweht der Ruch des Verbotenen: Schon das Cover tönt „Too violent to be rated“ und sämtliche Publikationen, in denen der Film besprochen wird, versäumen nicht zu betonen, wie brutal und blutrünstig er sei. Erstere Aussage muss man ins Reich der Fabeln verweisen, schließlich ist auch ein X-Rating ein Rating und ein ebensolches erhielt Findlays Film. Letzteres ist zwar kaum von der Hand zu weisen, doch schockt GAME OF SUVIVAL weder mit anatomisch genauer Detailfreude noch einer besonders großen Anzahl von Splattereffekten, sondern vielmehr mit seiner dreckigen Räudigkeit und Schnörkellosigkeit, die beide im Dienste eines dystopisch verzerrten Realismus stehen. Gerade etwa im Vergleich mit dem thematisch sehr ähnlich gelagerten DEATH WISH 3, den Michael Winner im selben Jahr inszenierte, wird dies deutlich. Auch dort muss sich die ethnisch und sozial diversifizierte Bewohnerschaft eines maroden Mietshauses inmitten umkämpften Gang Territorys gegen eine aggressive Gang zur Wehr setzen und schließlich zu ebenso rabiaten Mitteln greifen wie jene. Doch während Winner dieses eigentlich realistische Szenario (dass es tatsächlich realistisch ist, kann man etwa dem Audiokommentar Findlays entnehmen, die selbst in der South Bronx aufwuchs und sich beim Lesen des Drehbuchs an ihre Kindheit erinnert fühlte (!)) mithilfe der von Bronson verkörperten Rächerfigur zur rechtskonservativen Agitprop überhöht und in die Grenzbereiche zur Satire eindringt, orientiert sich Findlay eher am reduktionistischen Ansatz eines ASSAULT ON PRECINCT 13.

Einblendungen geben Auskunft über das Voranschreiten der Uhrzeit und fungieren als eine Art Countdown, die Beschränkung auf einen Zeitraum von wenigen Stunden verdichtet das Geschehen, parallelisiert den Übergriff der Gang auf das Mietshaus mit dem Übergriff des Films auf den Zuschauer, der vom blutigen Treiben erst angewidert ist, dann schließlich gemeinsam mit den Mietern in einen Blut- und Mordrausch gerät. GAME OF SURVIVAL ist natürlich längst nicht so filigran wie Carpenters Meisterwerk, macht dieses Manko aber durch seine rohe Brachialität und pures Commitment wieder wett. Zu Gute kommen Findlay darüber hinaus die glaubwürdig agierenden Darsteller und die Tatsache, dass ihr Film ausschließlich an furchtbar deprimierenden Originalschauplätzen entstand. Ein ziemlich herbes Teil, dem man aber Unrecht täte, wenn man es auf seinen Status als Skandal- und Gewaltfilm reduzierte. Wer auf Gangfilme und den mit Mitteln des Splatterfilms beschleunigten dystopischen Sozialrealismus – man denke etwa an COMBAT SHOCK oder DEADBEAT AT DAWN – steht, der muss GAME OF SURVIVAL gesehen haben.

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Kommentare
  1. […] ist sicherlich kein Meisterwerk, aber zwischen so runterziehenden New-York-Filmen wie Findlays GAME OF SURVIVAL oder Giovinazzos COMBAT SHOCK findet er ein durchaus angemessenes Plätzchen, für das er sich […]

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