the pit (lew lehman, kanada 1981)

Veröffentlicht: Mai 3, 2010 in Film
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Der zwölfjährige Jamie (Sammie Snyders aus der alten Fernsehserie TOM SAWYER & HUCKLEBERRY FINN) ist in seinem Heimatort auf die Rolle des Außenseiters abonniert: Seine Mitschüler meiden ihn, Nachbarn lästern hinter seinem Rücken über ihn und sogar die eigenen Eltern scheinen sich damit abgefnden zu haben, dass ihr Sohn ein Sonderling ist. Dabei ließen sich die meisten seiner Marotten doch ganz einfach mit einem Hinweis auf den Hormonwirbel der Pubertät erklären. Bis auf die Tatsache, dass er im Wald ein Loch gefunden hat, auf dessen Boden eine Familie behaarter Fleischfresser lebt. Und die beginnt er schließlich mit all den Leuten zu füttern, die ihn immer geärgert haben …

Über THE PIT las ich zum ersten Mal in Hahn/Jansens legendärem Horrorlexkon aus dem Bastei-Verlag, wo der Film natürlich denkbar schlecht wegkam. Das war mir egal, weil ich aus mir unerfindlichen Gründen eine Schwäche für dieses doch eher unspektakuläre Grubenmotiv habe: Filme, in denen irgendwas in einem dunklen Loch darauf lauert, entweder entdeckt oder aber mit Hereinfallendem versorgt zu werden, können sich meiner grundsätzlichen Sympathie sicher sein. Insofern konnte der reinste aller Grubenfilme eigentlich gar nichts falsch machen. Leute, die ein eher gespaltenes Verhältnis zu Löchern haben, sich nicht wie ich als „grubophil“ bezeichnen würden oder sich ihren Filmgeschmack nicht von ihrer Tiefenpsycholgie diktieren lassen, könnten an THE PIT zurecht bemängeln, dass der Film eher dröge ist, dass zu wenig passiert, die Monster scheiße aussehen und das alles zu nichts führt. Ich finde den Film aber ziemlich herrlich: Zu der märchenhaft-infantilen Idee mit dem Loch im Boden, das einfach als Fakt einfach hingenommen und niemals erklärt wird, gesellt sich der sleazige Strang um Jamies erwachende Sexualität und damit verbunden ein recht effektiver vulgärpsychologischer Subtext, der glücklicherweise aber nie dazu verwendet wird, dem Film Seriosität zu verleihen oder aber seinen exploitativen Charakter zu verschleiern. THE PIT ist auf eine sehr goutierbare Art und Weise anstößig, was ihn paradoxerweise aber umso unheimlicher wirken lässt. Schwer zu beschreiben, aber dem Film spielt die eigene Billigkeit sehr in die Karten. Filmisch ist das alles durchaus ordentlich, die Kameraarbeit ist ansehnlich, die Schauspieler sind glaubwürdig und grundsätzlich sehen alte B-Movies ja allein durch die Verwendung „echten“ Filmmaterials schon teurer aus als vergleichbare heutige Produktionen, aber hier ist alles irgendwie kleiner, als es hätte sein müssen, um tatsächlich zu begeistern. Das finde ich so schön an THE PIT: Hier hatte jemand eine krude Idee, die er dann einfach so gut umgesetzt hat, wie es ihm möglich war, ohne das alles noch mit irgendwelchem überflüssigem Firlefanz größer, aufregender, bunter und ekliger zu machen. Lew Lehman hat den sprichwörtlichen Mut zur Lücke beweisen und damit einen sehr eigenständigen kleinen und bizarren Film produziert. THE PIT steht meines Erachtens exemplarisch für einen kurzen Abschnitt in der Geschichte des nordamerikanischen Horrorkinos, eine Zeit irgendwo zwischen 1970 und 1982, als dieses Genre boomte und neben prestigeträchtigen Großproduktionen, Indiehits der Marke FRIDAY THE 13TH und den Ablegern des florierenden Splatterfilms noch Platz für unzählige andere kleine Genrefilme war, die in all ihrer Billig- und Unzulänglichkeit einen unbestreitbaren Charme aufwiesen und ihre Defizite geradezu zur Kunstform erhoben (BLOOD BEACH etwa ist auch so einer). Merci, dass es sie gibt.

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Kommentare
  1. Alex sagt:

    Vortrefflicher Eintrag! Ergänzend möchte ich noch auf die wahrlich erstaunliche Nase des Hauptdarstellers hinweisen, die ja auch im abgebildeten Cover ganz gut zur Geltung kommt.

  2. […] weil sie wiederum auch den Blick dafür schärfen, wann er eigene Wege geht. In meinem Text zu THE PIT erwähnte ich kürzlich eine kurze Periode des US-amerikanischen B- und C-Horrorfilms, in der […]

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