final terror (andrew davis, usa 1983)

Veröffentlicht: Mai 11, 2010 in Film
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Eine Gruppe jugendlicher Waldarbeiter vom Youth Corps fährt zu Aufräumarbeiten in den dunklen Tann, in dessen Nähe auch eine malerische Nervenheilanstalt liegt. Am Zielort angekommen, legen sich die vergnügungssüchtigen Kids mit ihrem etwas überspannten Busfahrer Eggar (Joe Pantoliano) an, der sich daraufhin wutentbrannt vom Acker macht. Wenig später ist der erste Tote zu beklagen. Ist es Eggar, der sich für die erlittenen Neckereien rächen will, oder doch die irre Vettel, die laut einer örtlichen Gruselgeschichte die Wälder unsicher macht?

FINAL TERROR (die Titeleinblendung fügt noch ein schickes „The“ hinzu), das klingt wie aus dem Wortbaukasten für Genrefilme zusammengeklaubt, in dem sich auch solche zwar nichtssagenden, aber immerhin schön protzig klingenden Wortkombinationen wie meinetwegen LETHAL MISSION, FORCE KILL oder TERMINAL ACTION finden lassen. Der Titel legt nicht wenig den Verdacht nahe, dass man keine allzu großen künstlerischen Ambitionen mit dem Film verfolgte: Weder ist er so originell, dass man ihn sich sofort merken würde, noch verrät er irgendetwas über den Inhalt des Films. Ein bisschen programmatisch ist diese Abwesenheit von Kreativität schon: Davis‘ Film klebt inhaltlich sklavisch an der damals schon nicht mehr ganz taufrischen Slasherfilm-Formel und gewinnt dem mörderischen Treiben nur wenig Neues ab. Ein paar Jugendliche treiben Schabernack, bevor sie dann von einem messerschwingenden Maniac mit drastischen Mitteln auf den Ernst des Lebens vorbereitet werden. Das hatte man auch 1983 schon etliche Male gesehen.

Was FINAL TERROR trotzdem über den Durchschnitt hebt, ist die handwerklich saubere und routinierte Regie, mit der sich Davis für spätere Großtaten empfahl (CODE OF SILENCE, ABOVE THE LAW, THE FUGITIVE, UNDER SIEGE), sowie das beträchtliche Geschick bei der Schaffung einer unheimlichen, außerweltlichen Atmosphäre, die den Film dann durchaus in die Nähe des großen Vorbilds DELIVERANCE rückt und in seinen beinahe psychedelischen Anwandlungen sogar Assoziationen zu Weirs PICNIC AT HANGING ROCK oder Herzogs AGUIRRE zulässt. Verantwortlich für dieses Gelingen ist zuerst die hervorragende Fotografie, die den Wald unter Einsatz effektiver und toll anzuschauender Gegenlichtaufnahmen und Schattenspiele als mystischen, jenseitigen und metaphysischen Ort zeichnet, an dem über Leben und Tod entschieden wird. Auf der Tonspur plätschert, zirpt, zwitschert und weht es, dass es nur so eine Pracht ist und je länger der Film andauert, umso mehr verlässt er auch die ausgetretenen Slasherpfade und verwandelt sich in ein surreales Mensch-vs.-Natur-Szenario. Die Schlusssequenz ist mit ihrem abrupten, heftigen Ende der ideale Schlusspunkt unter einem Film, der letztlich das Maximale aus seinen Möglichkeiten herausholt. Kaum auszudenken, was aus FINAL TERROR hätte werden können, wenn man sich beim Drehbuch ähnlich viel Mühe gegeben hätte wie bei Kameraarbeit, Musik und Schnitt. So muss man sich etwas durch die erste Hälfte des Films durcharbeiten, um dann aber für seine Mühe unerwartet reich belohnt zu werden.

Wer den Film sehen möchte, sollte aber unbedingt Abstand von der sackbeschissenen RC-1-DVD von Trinity Entertainment nehmen, auf die man offenbar eine schlechte Videokopie gezogen hat: Das Bild ist unscharf, in dunklen Passagen sieht man gar nix und dazu kommen hässliche Flecken, Streifen und Bewegungsunschärfen, die zu simulieren man sonst einen Kasten Bier braucht. Ach so, der Ton steht dem natürlich in nichts nach. Eine wahrhaft runde Sache. Die erhältlichen deutschen Fassungen stellen aber leider mit ihren Vollbildpräsentationen auch keine echte Alternative dar …

Kommentare
  1. […] Das für den Backwood-Film typische Umkippen ins Surreale habe ich schon bei DELIVERANCE und FINAL TERROR hervorgehoben: Carter geht in RITUALS noch einen Schritt weiter, wenn der aufkeimende Wahnsinn […]

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