the forest (don jones, usa 1982)

Veröffentlicht: Mai 15, 2010 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Ein kleiner, preisgünstig eingekurbelter Exploiter, der zwar viele, viele Szenen braucht, in denen Menschen durch den Wald laufen, um auf 90 Minuten zu kommen, der aber dennoch irgendwas hat, was mich für ihn eingenommen hat. Es ist aber zugegebenermaßen auch schwer, einem Film böse zu sein, dessen Macher trotz aller budgetären Beschränkungen unübersehbar bestrebt war, etwas Originelles auf die Beine zu stellen. Don Jones (SCHOOLGIRLS IN CHAINS) war sogar so enthusiastisch, dass er THE FOREST mit einer Hypothek auf sein Haus selbst finanzierte – und dieses nach dem Misserfolg des Films schließlich verlor. In einem neuen auf der DVD von Code Red enthaltenen Interview sagt er heute dazu nur noch: „I don’t know if it was worth it.“ und man hört, dass die alten Wunden immer noch schmerzen.

Aber es ist gerade dieser fast blinde Enthusiasmus, der für THE FOREST einnimmt. Die Geschichte um den gehörnten Ehemann, der sich nach dem Mord an seiner untreuen Frau und dem darauf folgenden Selbstmord seiner Kinder in den Wald zurückzog und dort nun als kannibalistischer Killer Jagd auf ahnungslose Wanderer macht, geplagt von Geistererscheinungen und Visionen ist eigentlich ziemlich hübsch und verfügt immer wieder über unheimliche und originelle Szenen, die das Interesse wachhalten. Der schaurige Höhepunkt wird erreicht, wenn einer der männlichen Protagonisten unwissenderweise ein Stück seiner zuvor gemurksten Frau verspeist und ihn noch während des Kauens ein sehr ungutes Gefühl beschleicht. Er  weiß, was er da im Mund hat, ohne dass es ein äußeres Indiz gäbe. Wirklich creepy und außerdem mit einer Sensibilität inszeniert, die weit über bloße Sensationslust hinausgeht.

Ästhetisch ist THE FOREST auf eine ausgesprochen pittoreske Art und Weise uneinheitlich, der schicke Score kontrastiert das doch eher unspektakuläre Treiben mit weitschweifigem Big-Band-Swing, lässt einen Elvis-Crooner in einem Country-Popper von der „Dark Side of the Forest“ schwadronieren, auf der Böses passiert, während die Figuren lustig über Stock und Stein wandern. Aber das es keine Missverständnisse gibt: Die Freude an THE FOREST ist keine Schadenfreude. Nicht nur, weil Jones Film handwerklich zu ordentlich gemacht ist, um unter das „So bad it’s good“-Label zu fallen, sondern vor allem, weil hier wirklich etwas Eigenens versucht wurde, anstatt mit Blick auf die schnelle Mark das damals ja nicht unlukrative Slasher-Thema durchzunudeln. THE FOREST ist streckenweise ein bisschen dröge und insgesamt eher unspektakulär, doch man sieht zwischen den Bildern immer eine bessere Inkarnation des Films durchblitzen, eine, die hier und da mit einer Hand voll zusätzlicher Dollars gepolstert worden wäre und Don Jones nicht das Haus gekostet hätte. Das Ding hätte wirklich richtig unheimlich sein können. So reicht es zwar „nur“ für einen charmanten Low-Budget-Klopfer, der allerdings angenehme Erinnerungen an die Zeiten weckt, in denen Ray Dennis Steckler, Al Adamson, Ted V. Mikels und Konsorten ihre Visionen verwirklichten und sich dabei ebenfalls nicht von der Größe des Geldbeutels abhalten ließen.

Kommentare
  1. […] Jones hatte ja schon mit THE LOVE BUTCHER und THE FOREST bewiesen, dass er  in der Lage ist, mit wenig Geld originelle Film zu drehen. Bei LETHAL PURSUIT […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.