trapped (william fruet, kanada/usa 1982)

Veröffentlicht: Mai 16, 2010 in Film
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Bei einem Wanderausflug in die Wälder werden vier Studenten Zeuge eines Mordes: Henry Chatwill (Henry Silva), der Patriarch einer kleinen Siedlung, erschlägt im Beisein der Dorfbewohner einen armen Teufel, den er vorher im Bett mit seiner Ehefrau erwischt hat. Die Versuche der vier Studenten, die Polizei einzuschalten, scheitern an eng gewobenen familiären Banden und plötztlich schweben sie selbst in Lebensgefahr, denn Chatwill duldet keine Zeugen …

Nachdem die letzten beiden Filme meiner kleinen Backwood-Reihe eher in loser Beziehung zum Subgenre standen, steht TRAPPED eindeutig in der von DELIVERANCE begründeten Tradition. Schon zu Beginn wird das den Backwood-Film bestimmende Thema angelegt: die Grenzerfahrung des arroganten und naiven Zivilisationsmenschen, dessen hehren moralischen Werte sich als eitler Zierrat erweisen, wenn sie einer harten Prüfung unterzogen werden. Roger (Nicholas Campbell) tönt in einer Vorlesung noch laut, dass er Verzweiflung oder Angst nicht als ausreichende „Entschuldigung“ für einen Mord anerkenne. Der Mensch müsse auch in solchen Extremsituationen das von ihm geteilte Gesetz respektieren. Am Ende muss er natürlich erkennen, dass er seinen eigenen hohen Ansprüchen ans Menschsein nicht gewachsen ist: In der Konfrontation mit Chatwill steigert er sich in einen wahren Blutrausch, der zwei Menschen das Leben kostet. Was sein schönes Konzept von der Gesetzestreue des Menschen wie ein Kartenhaus zusammenfallen lässt, ist die auf Blutsverwandschaft setzende „Stammesgemeinschaft“ der Hillbillies um Chatwill. Dort im Wald zählen nämlich keine universellen moralischen Grundsätze, sondern nur das Überleben der eigenen Leute, das um jeden Preis gegen alle diesem Kreis nicht Angehörenden verteidigt wird.

TRAPPED ist ein hübscher kleiner Gewaltfilm vom Kanadier William Fruet, der in den Siebzigern und Achtzigern ein paar sauber gefertigte Exploiter inszenierte und heute überwiegend fürs Fernsehen arbeitet. Der Clou von TRAPPED ist sicherlich die Besetzung des Hillbilly-Patriarchen mit dem auf Schurken abonnierten Kubaner Henry Silva: auf dem Papier eine katastrophale Fehlbesetzung, die sich dann jedoch als wahrer Glücksgriff erweist. Silva und seine vermeintlich „unpassenden“ Gesichtszüge befreien den Film vom in diesem Genre immer latent mitschwingenden Chauvinismus (der den auf Handlungsebene thematisierten Chauvinismus doppelt). Durch Silva, der ja im amerikanischen Hinterland selbst ein Fremder ist, wird noch einmal hervorgehoben, dass nicht Chatwills Herkunft sondern einzig seine Denkweise ausschlaggebend für seine Bösartigkeit ist. Das befreit TRAPPED von den Zwängen der Konkretion und hebt ihn auf eine höhere Ebene.

Aber auch sonst weiß TRAPPED mit seiner unprätentiösen Art sehr zu gefallen. Das Backwood-Szenario, ein wahrlich von der Zeit vergessener Ort inmitten der Wälder, bietet Atmosphäre galore, und der Kniff, die Geschichte von zwei Enden aufzurollen – Fruet behandelt die Studenten und die Hillbillies um Chatwill zeitlich quasi gleichberechtigt -, erweist sich ebenfalls als ausgesprochen clever. Im zweiten Akt hängt TRAPPED mal kurz etwas durch, aber dafür wird im Finale wieder eine Schippe draufgelegt. Wie man sowieso betonen muss, dass Gewalt hier eher ruppig und unangenehm als exzessiv und übertrieben inszeniert wird. In meiner Videozeit zählte TRAPPED – DIE TÖDLICHE FALLE zu den kleinen Grabbeltisch-Glücksgriffen: unbekannter, unbesungener Stoff, den man einfach mal mitnahm und über den man sich dann zu Hause umso mehr freute. Heute gibt es ihn auf DVD zu kaufen und ich kann ihn ganz ungeniert als kleinen Klassiker für Backwoodfreunde anpreisen.

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