madman (joe giannone, usa 1982)

Veröffentlicht: Mai 17, 2010 in Film
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Am letzten Abend ihres Aufenthalts versammeln sich die jugendlichen Besucher eines Camps für begabte Kinder und ihre Betreuer (unter ihnen DAWN OF THE DEAD-Star Gaylen Ross unter dem Namen Alexis Dubin) am Lagerfeuer, um sich Gruselgeschichten zu erzählen. Eine davon handelt von einem örtlichen Farmer, der einst aus heiterem Himmel dem Wahnsinn verfiel und seine Familie mit einer Axt ermordete und dessen Leichnam spurlos verschwand, nachdem ihn die Bewohner für dieses Verbrechen an einem Baum aufgeknüpft hatten. Der Legende nach irrt der „Madman Marz“ genannte Mörder immer noch im Wald umher, um jeden zu töten, der seinen Namen above a whisper ausspricht. Natürlich findet sich ein besonders adrenalinsüchtiger Jugendlicher, der völlig enthemmt den Namen des Schlächters herausgrölt und somit das übliche stalk ’n‘ slash einleitet …

MADMAN ist einer der unzähligen Beiträge zum Slasherkino der Achtzigerjahre und als solcher eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Im Zentrum des Interesses stehen die Mordszenen, die hier allerdings weder besonders kreativ (Höhepunkt ist eine Enthauptung per Motorhaube) noch übermäßig blutig  ausgefallen sind, die Zeit dazwischen wird aufgefüllt mit dem eher anstrengend-blöden Verhalten der Figuren und die einzigen erwähnenswerten und durchaus gelungenen Anflüge milder erzählerischer Eigenleistung sind der unmittelbare Einstieg mit der Lagerfeuerszene und der Schluss, der weder die obligatorischen Wiederauferstehungszeremonien noch ein Happy-End noch die Ankündigung eines Sequels bereithält. Ansonsten ist MADMAN Standard, allerdings Standard der Sorte, den man sich sogar anschauen kann, ohne sich ständig über die Vergeudung kostbarer Lebenszeit aufzuregen. Dass MADMAN unterm Strich und trotz der bereits aufgezählten Kritikpunkte gar nicht mal wenig Maß Spaß macht, liegt an einer gewissen kindlichen Geisterbahnmentalität: Eine zynische Abgebrühtheit, die dem Zuschauer einen Tritt in die Magengrube nach dem nächsten verpasst, sucht man ebenso vergebens wie die ironisch-abgeklärte Distanziertheit, die zu verstehen gibt, dass sie um die Doofheit des eigenen Stoffes weiß, um sich abzusichern. Regisseur Giannone akzentuiert viel lieber das Groteske, übersteigert seine Geschichte mithilfe der hübschen Bildgestaltung, Kameraarbeit und Spezialeffekte zur krachenden Räuberpistole: Da walzt der kolossale Madman mit seinem Rauschebart und den Missgestaltungen grunzend durchs Gebälk, dass es nur so eine Pracht ist und jede Spur von Subtilität im Keim erstickt wird, damit seiner Quelle – eben einer Gruselgeschichte – perfekt entsprechend. Schon das den Anfangscredits unterliegende Bild erinnert ein wenig an die Scherenschnitt- und Schattentechnik der Animationsfilme Lotte Reinigers, die Musik verstärkt mit einem altmodisch anmutenden Orgelthema den märchenhaften Eindruck, der dann auch bestimmend für den weiteren Film ist. Irgendwie ist hier alles ein bisschen liebevoller als man es sonst aus dem Genre gewohnt ist und selbst die Dummheit der Protagonisten erscheint weniger genormt als sonst. Wer etwa den sonst vom Figureninventar eines Slasherfilms zur Schau gestellten Hedonismus nicht mehr ertragen kann, findet hier sein Glück und kann sich stattdessen etwa über eine Frau freuen, der es erst nicht gelingt einen kleinen Hügel hochzulaufen und die diesem dann zur Strafe tatsächlich die Zunge rausstreckt. Und das fragwürdige Krisenmanagement der Lagerangestellten besteht darin, einer vermissten Person so lange weitere einzelne Personen nachzuschicken, bis plötzlich alle verschwunden sind. Wie gesagt: Das Ding macht schon Spaß und eignet sich für gesellige Bierabende. Das wiederholte Schnaufen und Stoßseufzen meiner Gattin sollte als Beweis dafür reichen (und sie fand MADMAN sogar auch ganz putzig).

Und noch ein bisschen filmhistorische Trivia zum Abschluss: Dies ist der Film, der eigentlich die Lagerfeuergeschichte vom armen Cropsy erzählen wollte, die dann allerdings schon in THE BURNING erzählt worden war.

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