the house on sorority row (mark rosman, usa 1983)

Veröffentlicht: Mai 20, 2010 in Film
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Eigentlich wollen die sieben Freundinnen nicht mehr, als ihren College-Abschluss gebührend in ihrem Wohnheim zu feiern, doch leider ist die herrische Hausverwalterin Mrs. Slater damit gar nicht einverstanden. Nachdem der aus dieser Meinungsverschiedenheit resultierende Streit eskaliert ist, schlägt die intrigante Vicki (Eileen Davidson) vor, es der alten Dame mit einem Streich heimzuzahlen, bei dem eine angeblich nur mit Platzpatronen geladene Schusswaffe und der stets verdreckte Swimming Pool des Hauses eine wichtige Rolle spielen. Natürlich geht der Streich nach hinten los und so stehen die Mädchen kurz vor Beginn ihrer großen Party über einer Leiche, die sie kurzerhand im Pool versenken. Doch wenig später sind nicht nur das erste Mädchen, sondern auch die Leiche spurlos verschwunden …

Writer-Director Rosman nutzt das aus dem Slasherfilm hinreichend bekannte Szenario um Studentinnen, Wohnheime, Partys und Killer recht geschickt, verleiht ihm aber mithilfe einer gediegenen Inszenierung und einer inhaltlichen Akzentverschiebung eine Wendung hin zum Thriller und Whodunit. Zwar wird THE HOUSE ON SORORITY ROW  in der zweiten Hälfte vom aus dem Slasherfilm bekannten Zehn-kleine-Negerlein-Spielchen angetrieben, doch fokussiert sich das Interesse des Regisseurs niemals allein auf den Killer und seine creative killings, bleibt vielmehr stets bei seinen Protagonistinnen, deren verzweifelten Versuchen, irgendwie sauber aus der ganzen Sache herauszukommen, sowie den bohrenden Fragen, wer den todbringenden Spazierstock schwingt und was es eigentlich mit dieser Mrs. Slater auf sich hat. Das bleibt bis zum Schluss interessant und spannend, weil Rosman die aus dem Teeniehorror sonst gewohnten Blödheiten gekonnt umschifft (mit Ausnahme von ein paar haarscharf am Kern der Sache vorbeigehenden Dialogen, die aber zu verschmerzen sind), ansprechende Darsteller zur Verfügung hat, die es schaffen, ihre Typen mit Leben zu füllen, und vor allem, weil THE HOUSE ON SORORITY ROW formal wirklich erstklassig ist. Kameramann Tim Suhrstedt gelingt es perfekt, das Gleichgewicht zwischen erzählerischer Ökonomie und Stilwillen zu halten: Nie zeigt er zu viel, aber immer das, was nötig ist, sodass kleinere bildliche Hinweise nicht untergehen, gleichzeitig aber die Atmosphäre erhalten bleibt. Noch beeindruckender ist aber der phänomenale sinfonische Score, der von Richard Band komponiert und vom London Philharmonic Orchestra eingespielt wurde: Er hat wohl den größten Anteil daran, dass THE HOUSE ON SORORITY ROW viel, viel größer wirkt als er eigentlich ist und wehmütige Erinnerungen an die große Hollywood-Thrillertradition vergangener Tage weckt, mit der Rosmans Film tatsächlich mehr gemeinsam hat als mit Jason und Konsorten. Klar, man sollte sich auch nicht zu sehr blenden lassen: THE HOUSE ON SORORITY ROW bietet letztlich „nur“ gut gemachtes Entertainment, was aber kaum verwerflich ist. Auch Altmeister Hitchcock (an den ich bei Betrachtung mehrfach denken musste, genauso wie an Brian De Palma) hatte schließlich in erster Linie dieses im Sinn und nicht die hehre Filmkunst. Mich hat Rosmans Film jedenfalls extrem positiv überrascht und ich bin doch etwas verwundert, dass er ein solches Schattendasein fristen muss, während noch jeder Stinkekäse zum Kultfilm erhoben wird. Wahrscheinlich, weil er sich ziemlich zielsicher genau zwischen die Stühle gesetzt hat: Dem typischen Nerdpublikum war THE HOUSE ON SORORITY ROW wohl zu unblutig, während die Suspensefreunde ihn sich wahrscheinlich gar nicht erst angesehen haben, weil alle Zeichen auf Teeniequark hindeuteten. Sehr, sehr schade drum.

Kommentare
  1. Bist du zufällig schon über das Remake „Sorority Row“ (2009) gestolpert? Gerüchten zufolge soll es (eine Ausnahme!) recht beachtlich sein – und es wäre natürlich um einiges einfacher zu erhalten als das Original… – Gott, was schäme ich mich für meine abartige Gier!

  2. Oliver sagt:

    Ich habe davon gelesen – was bedeutet, dass ich zur Kenntnis genommen habe, dass es existiert. Mehr weiß ich nicht darüber und im Moment überwiegt die Freude, das Original entdeckt zu haben, noch viel zu sehr, als dass mich ein Remake sonderlich interessieren würde. Will sagen: Rosmans Film ist die Mühe, die es kostet, die DVD zu bekommen, in jedem Falle wert. Ich hatte das Glück, die DVD im Movie Store in Düsseldorf zu finden und empfohlen zu bekommen, ohne den Film zu kennen. Hatte ihn mit SORORITY HOUSE MASSACRE verwechselt, den ich demnächst ebenfalls einer Neubetrachtung unterziehen werde.

  3. […] natürlich nicht, ohne ihn als Gurke etikettiert zu haben. Weil er mir jetzt zusammen mit THE HOUSE ON SORORITY ROW empfohlen wurde und ich mich fast gar nicht mehr an ihn erinnern konnte, habe ich ihn mir noch […]

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