eyes of a stranger (ken wiederhorn, usa 1980)

Veröffentlicht: Mai 23, 2010 in Film
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In Miami geht ein Serienmörder um. Seine weiblichen Opfer werden von ihm zunächst mit obszönen Anrufen terrorisiert, bevor er sie dann umbringt. Die Fernsehjournalistin Jane Harris (Lauren Tewes), die über den Fall berichtet, hat bald berechtigten Grund, ihren Nachbarn Stanley Herbert (John DiSanti) zu verdächtigen, doch weil sie keine handfesten Beweise für ihren Verdacht hat, beginnt sie auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen. Damit bringt sie jedoch nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch ihre kleine Schwester, die blinde und stumme Tracy (Jennifer Jason Leigh) …

Die Anfangssequenz ist Terrorkino par excellence, rückt Wiederhorns Film gar in die Nähe von Lustigs berüchtigtem MANIAC und dessen m. E. unübertroffener U-Bahn-Sequenz. Hier greift alles ineinander: Die Bildkomposition, die dunkle Schatten bedrohlich den Bildhintergrund bestimmen lässt, der Score, der von der tödlichen Bedrohung kündet und die Spannung stetig nach oben treibt, die Dramaturgie, die einen konsequent im Unklaren darüber lässt, wann der todbringende Überfall erfolgen wird, und nicht zuletzt die Darstellung von John DiSanti, der den mörderischen Biedermann perfekt verkörpert und dessen Drohanrufe an creepiness kaum zu überbieten sind. Nach diesem furiosen Auftakt (der in mir Zweifel darüber aufkommen ließ, ob es so eine gute Idee war, diesen Film nachts allein zu schauen) schaltet Wiederhorn zwar einen Gang zurück, begibt sich auf etwas nervenschonenderes Thrillerterrain, doch EYES OF A STRANGER bleibt trotzdem ein Nägelkauer erster Güte.

Leider verliert sich Wiederhorn hier und da in fragwürdigen Drehbuchentscheidungen: Warum Janes Schwester blind und stumm sein muss, bleibt unverständlich, weil doch auch die nicht gehandicappten Opfer dem Mörder letztlich hilflos gegenüberstanden, es einer zusätzlichen Behinderung eigentlich nicht bedurft hätte, und nach dem sehr geduldigen Aufbau, dessen Timing annähernd perfekt ist, kommt der Umschwung zum Finale dann so plötzlich und schnell, dass man als Zuschauer etwas den Anschluss verliert. Ein bisschen wirkt es so, als hätten die Beteiligten die Zeit vergessen und gemerkt, dass sie schleunigst zum Ende kommen müssen. Doch das sind letztlich keine Mängel, die den Film als Ganzes scheitern lassen, ihm lediglich die ganz hohen Weihen verweigern.

Wer das harte Horrorkino der Siebziger- und Achtzigerjahre schätzt, als Gewalt noch richtig wehtat und Splattereffekte nicht ausschließlich dazu eingesetzt wurden, um  Szenenapplaus von Gorebauern und Nerds zu erheischen und vom Geschehen zu distanzieren, sondern um es im Gegenteil realistischer und schmerzhafter zu gestalten, der wird an diesem höchst effektiven Serienmörderfilm seine helle Freude haben. Tom Savini steuerte die gewohnt kompetenten und drastischen FX bei und auf einem Fernseher läuft im Hintergrund Wiederhorns SHOCK WAVES. Das reicht, zumal sich für den Kenner des Horrorkinos zahlreiche interessante Parallelen aufdrängen (etwa zu Carpenters SOMEONE’S WATCHING ME, Fleischers SEE NO EVIL, Terence Youngs WAIT UNTIL DARK oder natürlich Hitchcocks REAR WINDOW).

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Oh ja, den mag ich auch mal wieder sehen. Kann mich kaum an den Film erinnern…

  2. […] einen anonymen Anruf bekommen hat, weiß, wie sehr einen das enervieren kann. Zum Glück gibt es EYES OF A STRANGER, der meine Phobie äußerst effektiv bedient, und so lässt es sich verschmerzen, dass Robert […]

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