sorority house massacre (carol frank, usa 1986)

Veröffentlicht: Mai 25, 2010 in Film
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Schon als Beth (Angela O’Neill) in das Studentinnenwohnheim eintritt, merkt sie, das etwas nicht stimmt: Erst spürt sie nur die Präsenz eines Mannes, dann schließlich hat sie lebhafte Visionen, wie dieser plötzlich mit einem Dolch vor ihr steht. Einige Kilometer weiter geht es einem in einer psychiatrischen Anstalt eingesperrten Mörder kaum anders: Er fühlt, dass jemand den Schauplatz seiner einstigen Gräueltaten betreten hat, mit dem noch eine Rechnung zu begleichen ist. Und so bricht er just an dem Abend aus, an dem Beth und ihre Freundinnen eine kleine Party geplant haben …

Als ich SORORITY HOUSE MASSACRE während meiner Horror- und Splattervideo-Zeit vor rund 15 Jahren sah, war ich bitter enttäuscht: Zu wenig „Massaker“ bot mir dieser Slasherfilm, der auch sonst irgendwie nicht so recht in die von mir für ihn vorgesehene Schublade passte, und so strich ich ihn relativ schnell aus meinem Gedächtnis, natürlich nicht, ohne ihn als Gurke etikettiert zu haben. Weil er mir jetzt zusammen mit THE HOUSE ON SORORITY ROW empfohlen wurde und ich mich fast gar nicht mehr an ihn erinnern konnte, habe ich ihn mir noch einmal angesehen – und wurde ausgesprochen positiv überrascht. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass es sich lohnt, nicht bis in alle Ewigkeit an einmal gefällten Urteilen festzuhalten, sondern diese immer wieder einer Revision zu unterziehen. Das Besondere an SORORITY HOUSE MASSCRE ist zunächst einmal, dass er von einer Frau inszeniert wurde: Das macht ihn nicht nur zum idealen Partner für ein Double Feature mit SLUMBER PARTY MASSACRE (einem Film, mit dem es mir bei Erstbegegnung ganz ähnlich ging wie mit Carol Franks Werk, den ich mittlerweile aber für schlicht brillant halte), s0ndern erklärt auch seine spezielle Atmosphäre und die Akzentverschiebung vom üblichen Stalk ’n‘ Slash hin zum psychologischen Katz-und-Maus-Spiel. Carol Frank borgt sich – so viel muss ich hier verraten – die „Auflösung“ von HALLOWEEN 2 (Horrornerds nehmt es endlich zur Kenntnis: Erst im Sequel wird Laurie Strode zur Schwester des Phantoms gemacht!), um ihre Mär vom blutgierigen Serienmörder und seinem letzten Opfer zu einem mit vulgärpsychologischen Metaphern angereicherten Psychothriller umzuformen. Anders als in den fast schon stumpfsinnig linear verlaufenden Slasherfilmen arbeitet die Regisseurin mit zahlreichen Traumsequenzen, Visionen und Trugbildern, erzählt ihre Geschichte zudem in einer Rückblende, was den traumwandlerischen Eindruck ihres Films noch verstärkt und eine klare Absage an zementierte Slasherfilm-Konventionen darstellt. SORORITY HOUSE MASSACRE ist insgesamt sehr pastellfarben geraten, die artifizielle Ausleuchtung und der synthetische Score lassen ihn weich, vage und luftig erscheinen, wo man mit dem Genre doch sonst eher Schwere, Härte, Schärfe und Konkretion assoziiert. Vor diesem Hintergrund sind auch die besonders harm- und belanglosen Teenie-Szenen um die Studentinnen und ihre Freunde goutierbar: Irgendwo versteckt sich hier ein Coming-of-Age-Film, der seine noch jugendlichen Protagonistinnen auf den Ernst des Lebens vorbereiten will, jedoch feststellen muss, dass sie dafür noch nicht gewappnet sind. Das Ende ist dann auch unerwartet schmerzhaft.

Den pseudowissenschaftlichen Hokuspokus um Gedankenübertragung und die seelische Verbindung Blutsverwandter sollte man bestimmt nicht allzu ernst nehmen, Fakt ist jedoch, dass Carol Frank ihrem Sujet durch diese Herangehensweise einige neue Aspekte abzugewinnen in der Lage ist. Mir haben die schön anzusehenden Traumsequenzen und kleine visuelle Gags wie jener, in dem eine der Protagonistinnen eine Zeitschrift namens „Self“ liest, jedenfalls gut gefallen und mein Interesse an SORORITY HOUSE MASSCARE über die gesamte Spielzeit wachgehalten. Wer seinen Horror eher straight und auf die Zwölf mag, der ist hier zugegebenermaßen an der falschen Adresse, hat aber zur Stillung seines Bedürfnisses ca. 835 andere Filme, aus denen er auswählen kann. Kein Grund jedenfalls, SORORITY HOUSE MASSACRE nicht die Anerkennung zuteil werden zu lassen, die ihm als einem der originellsten und ungewöhnlichsten Beiträge zum Subgenre gebührt.

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