invasion of the blood farmers (ed adlum, usa 1972)

Veröffentlicht: Mai 28, 2010 in Film
Schlagwörter:, , , ,

„Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“, schrieb einst der schlecht gelaunte italienische Dichter Dante Alighieri – und das ist umso bemerkenswerter, als er INVASION OF THE BLOOD FARMERS gar nicht kannte. Weil wir aber schon von unseren Großeltern immer zu hören bekamen, dass man den Worten älterer Menschen Glauben schenken soll – natürlich eine gerissene sich selbst erhärtende argumentatorische Finte -, wissen wir auch, dass der Warnung des Italieners aller angebrachten Zweifel zum Trotz unbedingt und ohne weiteres Hinterfragen Folge zu leisten geboten ist, wenn wir uns Adlums Klassiker des suboptimalen Films auszusetzen gedenken. Und siehe da: Schon nach wenigen Minuten erhalten diejenigen, die sich entsprechend gewappnet haben, einen Eindruck davon, was passiert, wenn man sich den „Blutfarmern“ unvorbereitet gegenüberstellt:

Umständlich formulierte Sätze voller selbstverliebter Parenthesen beiseite: INVASION OF THE BLOOD FARMERS ist kein guter Film – Gott bewahre! -, aber doch auch kein schlechter, das wäre ein geradezu groteskes Missverständnis, das verhindert werden muss. Er fristet sein dementes Dasein nämlich völlig jenseits solch schnöder Kriterien humorloser Faktenhuber und Daumen-hoch-Verleiher und entführt seine Zuschauer in eine geheimisvolle Parallelwelt, in der „Langeweile“ und „Entertainment“ Synonyme sind, das Blöde mit großem Geschrei verkündet und das Abscheulich-Horrible regungslos zur Kenntnis genommen wird. Er wird von Menschen bevölkert, für die es nichts Aufregenderes gibt, als mit trübem Blick ins Nichts zu starren und Wortbrocken auszuspucken, die man mit Sätzen verwechseln könnte. Da zählen die gehirntoten Besucher der örtlichen Bierschwemme lustlos auf, wie viele Menschen ihres Kuhdorfs in letzter Zeit verschwunden sind, ohne sich auch nur im Mindesten darüber zu wundern. Eine Methode, mit dem Phänomen der Landflucht umzugehen, an der sich die neuen Bundesländer ein Beispiel nehmen könnten! Aber immerhin gibt es in diesem Kaff einen reichlich zerstreuten Wissenschaftler und seinen Schwiegersohn, die dem Mysterium nachgehen. Im Zentrum ihres Interesses steht eine merkwürdige Blutprobe, die sich wundersam vermehrt. Nicht nur aufgrund des evidenten Platzmangels in des Professors rührendem Kellerlabor ein Problem. „Wenn wir nichts unternehmen, wird das Labor in ein paar Tagen überschwemmt!“ Ein Gegenmittel muss her, dass die beiden Cracks durch tatenloses Anstarren der blubbernden Brauselimonade zu finden hoffen. Good Things come to those who wait! Auf diese Maxime lässt sich noch jede Errungenschaft der Menschheitsgeschichte zurückführen. Aber Regisseur Adlum macht Schluss mit solchem Aberglauben und lässt die Katastrophe eintreten:

Das Glas läuft über und der Prof schwingt verzweifelt den Putzlumpen! Ein Schnitt schont die Nerven des Zuschauers, der später zu seiner Beruhigung darüber informiert wird, dass der Prof durch das planose Reinkippen von Jod und Irgendwas die Zellvermehrung gestoppt hat. Nicht auszudenken, was sonst passiert wäre! So kann man die rote Plörre wieder gefahrlos in ihrem hübschen Gefäß beobachten und darüber sinnieren, wie die lokale Polizei eventuell helfen könnte. Aber der Sheriff, der sonst nur besoffene Bauern nach Hause fahren muss oder umgeschubste Kühe wieder aufrichten, hat auch keine Idee. Ein Kommentar zur Unterfinanzierung der öffentlichen Dienste? Ganz bestimmt. Alles andere aber auch.

Es ist aber auch eine Krux mit diesen verdammten Blutfarmern! Nur Ärger hat man mit ihnen! Und alles nur, weil sie ihre Königin zu neuem Leben erwecken wollen, die bei ihrem Obermufti in einem schnieken Glassarg aufgebahrt liegt. Um sie mit Lebenssaft zu versorgen, werden die örtlichen Rednecks angezapft und machen dabei Geräusche wie ein großer Kessel kochender Erbsensuppe. (Habt ihr gemerkt, wie ich jetzt doch noch eine kurze Inhaltsangabe untergebracht habe?) Am Ende geht alles gut aus und die Tochter des Professors bekommt sogar einen neuen Hund geschenkt. Nur der arme Sheriff sitzt weiter in seinem karg eingerichteten Büro und hofft, dass eines Tages die Crew von „Schöner Wohnen“ bei ihm vor der Tür steht und Tine Wittlaer ihm ein paar Dekotipps gibt. Was man mit ein paar farbigen Akzenten und einem Duftpotpourri alles machen kann aus so einem Kellerloch! Bis dahin bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit seinem Finger aufregende Abenteuerreisen auf der Landkarte hinter ihm zu unternehmen und zu hoffen, dass die Dienstaufsicht ihm seinen lustigen Fernseher nicht wegnimmt oder seine Gewehrgarderobe als Sicherheitsrisiko im Brandfall identifiziert .

INVASION OF THE BLOOD FARMERS: Ein Film wie ein sanfter Klaps auf die Schulter. Und wenn er eine Geschmacksrichtung hätte, wäre das garantiert „Grauer Anzug“ oder „Eingeschlafene Füße“. Ehrlich: Hier wird das Wort „Baddie“ in einer Art und Weise interpretiert, die keine Fragen offen lässt. Ed Adlums Film ist so strunzend langweilig und doof, dass er schon wieder am anderen Ende des Qualitätsspektrums auskommt. Da bleibt mir nur, das einmalige Prädikat „Geil langweilig!“ zu verleihen. Und Alighieri hatte natürlich überhaupt keine Ahnung, was Filme angeht, die alte Bratwurst.

Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Weltklasse!

  2. Oliver sagt:

    Mille Grazei!

    Gez. Tante Algerien.

  3. Alex sagt:

    Ich und meine Freunde vom sangroiden Druiden-Fanclub zollen dem Autor ebenfalls höchsten Respekt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.